Ende August hat sich ein 13-jähriges Mädchen in Spreitenbach das Leben genommen. Etwa eine halbe Stunde, nachdem der Todesfall bekannt geworden war, traf ein Care-Team der kantonalen Krisenorganisation im Schulhaus ein.

Am vergangenen Freitag fand die Abdankung für die Jugendliche statt, diese Woche organisiert die Spreitenbacher Schule eine eigene Gedenkfeier. Zudem wurde im Schulhaus ein Platz bestimmt, wo die Schüler Kerzen und Blumen hinlegen können.

Derzeit läuft nach dem Tod des Mädchens also die Bewältigung und Verarbeitung in Spreitenbach. Doch wie lassen sich solche Fälle verhindern? «Das Suizid-Netz Aargau nimmt die Aufgabe, sich dem Thema der Jugendsuizidprävention zu widmen, schon länger wahr», sagt Vorstandsmitglied Josefine Krumm. Seit 2010 besteht ein entsprechendes Präventionsangebot für Oberstufenklassen, das vom Suizid-Netz Aargau mitentwickelt wurde und immer noch subventioniert wird.

Aktuell hat die Organisation ein Projekt zur Jugendsuizidprävention lanciert, das eine Neukonzeption vorsieht. Die Projektarbeit übernimmt ein interdisziplinäres Team, das auf Wissen und Erfahrungen aus verschiedenen Bereichen zurückgreifen kann.

Beteiligt sind laut Krumm unter anderem Vertreter aus dem klinischen Umfeld, dem jugendpsychologischen Dienst, dem Ausbildungswesen, von Verbänden und vom schulpsychologischen Dienst.

1100 Suizidfälle pro Jahr

Anlässlich des Welt-Suizidpräventionstags am vergangenen Sonntag luden «Die Dargebotene Hand Aargau/Solothurn-Ost» und das Suizid-Netz Aargau zu einem Anlass im Strohmuseum Wohlen ein. Vreni Friker, SVP-Grossrätin und Präsidentin des Suizid-Netzes, bezeichnete den Tod des 13-jährigen Mädchens aus Spreitenbach bei ihrer Begrüssung als «traurige Tatsache».

Unter dem Titel «Stroh zu Gold spinnen» ging es um die Widerstandsfähigkeit, die es einer Person überhaupt möglich macht, trotz widriger Umstände ein erfülltes Leben zu leben. «Am wichtigsten ist die Fähigkeit, eigene Gefühle wahrzunehmen und sie ausdrücken zu können», erklärt Krumm.

In der Schweiz sterben jährlich ungefähr 1100 Menschen durch Suizid. Das sind rund drei Opfer pro Tag, insgesamt mehr als durch Verkehrsunfälle und Drogen zusammen. Fast jeder Mensch werde im Laufe des Lebens mit einem oder mehreren Suiziden oder Suizidversuchen konfrontiert, teilt das Suizid-Netz Aargau mit.