Gemeindeammann Ulrich Müller fährt mit dem Velo zum Gemeindehaus, am Restaurant Tannegg und den alten Bauernhäusern vorbei. Die wenigen Leute auf der Strasse grüssen einander – sogar aus dem offenen Autofenster heraus.

Bald drei Monate ist es nun her, seit Riniken schweizweit bekannt wurde, und zwar als Gemeinde, die arme Leute abweist, so schrieb es zumindest «20 Minuten» und ein Leser kommentierte: «Erste offiziell asoziale Gemeinde der Schweiz – Gratulation!»

Im Gemeinderatszimmer lacht Gemeindeammann Müller heute über diesen «Medienhype». Und er sagt: «Schauen Sie, manchmal geht etwas raus und im Nachhinein merkt man, dass es nicht so geschickt war.» Teilweise sei der Brief auch falsch interpretiert worden, sagt er. Rausgegangen ist ein Brief an diejenigen, die Wohnraum an Sozialhilfebezüger vermieten. Der Brief handelte unter anderem von den stetig steigenden Sozialkosten. Riniken bat die Vermieter doch bitte jeweils abzuklären, ob potenzielle Mieter nicht schon am früheren Wohnort Sozialhilfe bezogen hatten, da die Vermietungsentscheide einen grossen Einfluss auf die Gemeindefinanzen hätten. Es waren diese Sätze, die viele empörten – aber längst nicht alle. Der Gemeindeammann bekam 50 E-Mails aus der ganzen Schweiz. Zwei von drei Nachrichten waren positiv, der Rest teils unter der Gürtellinie.

Angestossen hat Riniken mit diesem Brief eine Debatte über die Sozialhilfe in der Schweiz. Etliche Vorstösse von Politikern wurden dazu in der Zwischenzeit eingereicht. Auch in Riniken ist seither etwas gegangen. Im September wurde die 1500. Einwohnerin begrüsst – ein Baby. Es gibt noch zehn Sozialfälle, bei einer Person konnte die finanzielle Hilfe eingespart werden.

Die in die Jahre gekommenen Mehrfamilienhäuser am Dorfeingang mit den günstigen Wohnungen, die stehen aber noch immer da. Und die seien mit ein Grund für die steigenden Sozialhilfeausgaben, sagt Müller.

Denn in Riniken sind Leute, die Sozialhilfe beziehen, mehrheitlich Neuzuzüger. Unter den Sozialhilfebezügern befinden sich auch Alleinerziehende. Denkt man in Zahlen, heisst das: Diese Leute können auch mit dem besten Arbeitsprogramm nicht in den Arbeitsmarkt integriert werden, weil sie sich um die Kinder kümmern müssen. Sie bleiben darum lange von finanzieller Hilfe abhängig.

Betreut werden die Sozialhilfebezüger in Riniken von Gemeindeschreiber Martin Maumary und seinen Mitarbeiterinnen. Maumary weiss, in wie schwierigen Situationen sich diese Menschen teilweise befinden. Der Umgang mit ihnen sei deshalb oft nicht einfach, sagt er. Einigen muss darum immer wieder klar aufgezeigt werden, welche Vorgaben es gibt. Die Arbeit ist anspruchsvoll.

Gemeindeschreiber Martin Maumary bearbeitet in Riniken die Sozialfälle selbst.

Gemeindeschreiber Martin Maumary bearbeitet in Riniken die Sozialfälle selbst.

Maumary sagt: «Es ist eine schöne Herausforderung, Menschen helfen zu können.» Dass in Riniken der Gemeindeschreiber die Sozialfälle betreut, sei aber kein Problem. Schliesslich verfüge er über langjährige Erfahrung und die nötigen Aus- und Weiterbildungen.

Die Situation mit den hohen Sozialkosten wird sich wohl trotzdem nicht so schnell ändern. Müller wünscht sich darum vom Kanton einen gerechteren Lastenausgleich bei der Sozialhilfe.