Aargau
Nach Serie von geknackten Bancomaten: Die erste Bank erhöht die Sicherheit

Die Serie an Bancomaten-Angriffen machen der Polizei das Leben schwer. Die Aargauische Kantonalbank will die Sicherheit ihrer Geräte erhöhen. Der beschädigte Automat von Suhr der Hypothekarbank Lenzburg ist bereits repariert und wieder in Betrieb.

Lukas Scherrer
Merken
Drucken
Teilen
Von aussen noch heil, wurde der Bancomat in Dättwil vom Gebäudeinneren aus gewaltsam aufgebrochen und leergeräumt.

Von aussen noch heil, wurde der Bancomat in Dättwil vom Gebäudeinneren aus gewaltsam aufgebrochen und leergeräumt.

Tele M1

Eine dreiste Serie von Verbrechen hält die Kantonspolizei Aargau auf Trab. Innerhalb weniger Wochen wurden in mehreren Gemeinden Geldautomaten gewaltsam aufgebrochen und hohe Summen Notengeld entwendet.

Der erste Raubzug dieser Art erfolgte in der Nacht auf den 14. Januar in Würenlingen, wo unbekannte Täter hohen Sachschaden an einem Notenautomaten einer Tankstelle anrichteten. Gewaltsam brachen die Diebe den Automaten auf, plünderten ihn und gelten seither als verschwunden.

Bankomat-Räuber sind in der Region Rohrdorf/Mellingen/Heitersberg auf der Flucht.
3 Bilder
Von der Täterschaft fehlt jede Spur.
Das Fluchtfahrzeug hat deutsche Kontrollschilder.

Bankomat-Räuber sind in der Region Rohrdorf/Mellingen/Heitersberg auf der Flucht.

Kapo AG

Dieses Delikt blieb kein Einzelfall: Nur knapp eineinhalb Wochen später schweissten Diebe ein Loch in die Rückseite eines freistehenden Geldautomaten in Oberentfelden und flüchteten mit mehreren zehntausend Franken.

Nach diesem ersten Angriff auf einen Bancomaten ging die Kantonspolizei noch von einem Einzelfall aus. «Das ist ein Ausnahmedelikt. Bisher haben die Diebe jeweils den ganzen Bancomaten aus seiner Verankerung gerissen», sagte Roland Pfister, Mediensprecher der Kantonspolizei Aargau, nach dem Verbrechen gegenüber der Aargauer Zeitung.

Doch er hat sich getäuscht: Nur zwei Wochen später fanden Polizisten erneut einen aufgefrästen Geldautomaten vor. Dieses Mal am Bahnhof von Mellingen-Heitersberg – mit derselben Vorgehensweise aufgebrochen wie zuvor in Oberentfelden.

Besonders erschreckend war die Tatsache, dass die Täter offenbar wussten, wie sie nach dem gewaltsamen Öffnen des Automaten auch die Alarmanlage ausser Gefecht setzen konnten. Auch Roland Pfister ist überzeugt: «Man kann von einer professionellen Täterschaft ausgehen.»

Doppelraub oder Zufall?

Doch der spektakulärste Fall der Banvomaten-Raubserie ereignete sich in dieser Woche, in der Nacht auf Mittwoch: Im Schutz der Dunkelheit verschafften sich drei Männer in Dättwil Zugang zu einem Tankstellengebäude und machten sich am eingebauten Geldautomaten zu schaffen.

Doch das Gauner-Trio wurde vom integrierten Alarm des Gerätes überrascht. Innerhalb kurzer Zeit erreichte eine Patrouille der Badener Stadtpolizei den Ort des Verbrechens just in dem Moment, als die Diebe mit ihrem Audi A8 und einer Beute in höhe eines sechsstelligen Frankenbetrages flüchteten.

Die Täter kollidierten dabei mit dem Fahrzeug der Polizisten und rasten dann mit stark überhöhter Geschwindigkeit durch Fislisbach davon. Auch eine Schussabgabe der Polizisten konnte die fliehenden Verbrecher nicht stoppen. Bei einer Grossfahndung nach den Tätern entdeckte die Polizei später das Fluchtfahrzeug in einem Bachbett nahe dem Bahnhof von Mellingen-Heitersberg – ohne eine Spur der Verbrecherbande, die vermutlich zu Fuss weiterflüchtete.

Als wäre das nicht genug Action für eine Nacht, mussten weitere Polizeieinheiten fast zeitgleich nach Suhr ausrücken. Auch dort frästen Diebe mit einem Winkelschleifer einen freistehenden Bancomaten auf, gelangten jedoch nicht an das enthaltene Bargeld.

Im Rahmen ihrer Grossfahndung griff die Polizei mehrere Verdächtige auf. Ob die beiden Verbrechen dieser Nacht einen Zusammenhang haben, konnte die Kantonspolizei bislang nicht bestätigen.

Am späten Mittwochnachmittag erhielt die Aargauer Zeitung noch erfreuliche Neuheiten: Im Fluchtfahrzeug der Diebe von Dättwil konnte die Polizei einen grossen Teil des gestohlenen Geldes sicherstellen.

Betroffene Banken reagieren gelassen

Die Banken, die im Besitz der betroffenen Automaten sind, nehmen die Angriffe indes gelassen. «Die Anzahl unserer Bancomaten werden wir nicht reduzieren. Ein Ziel ist aber sicher, die Sicherheit der Geräte zu erhöhen», sagte Ursula Diepold, Mediensprecherin der aargauischen Kantonalbank, auf Anfrage.

Auch bei der Hypothekarbank Lenzburg, der Besitzerin des Automaten in Suhr, sieht man keinen Grund zur Beunruhigung. «Unsere Bancomaten entsprechen den Standards, die ein solches Gerät aufweisen muss», erklärte Sandra Riederer, stellvertretende Marketingleiterin der Hypothekarbank Lenzburg, und fügte an, dass der beschädigte Automat bereits repariert und wieder in Betrieb sei.