Das Aargauer Departement Gesundheit und Soziales (DGS) hat in den letzten Monaten unter der schwachen Führung durch Vorsteherin Franziska Roth gelitten. Der Ruf nach einer dossierfesten Gesundheitspolitikerin für die Nachfolge Roths folgte unmittelbar auf deren Rücktrittserklärung. Die zwei grossen Aargauer Wirtschaftsverbände fordern nun aber, dass nicht der oder die neu zu Wählende Roths Departement übernimmt, sondern einer der aktuellen Regierungsräte.

Dieser Vorschlag macht Sinn. Gestandene Regierungsräte brauchen keine monatelange Eingewöhnungszeit in das neue Amt und sind schon bestens mit der DGS-Materie vertraut. Das würde dem angeschlagenen Departement sicher guttun. Zudem würde sich die Auswahl möglicher Kandidatinnen und Kandidaten vergrössern, wenn profundes Fachwissen bei
Gesundheitsthemen nicht mehr das alleinige Wahlkriterium darstellt.

Für eine gute Regierungsrätin sind Führungserfahrung, Kompromissbereitschaft und Durchsetzungsvermögen entscheidend. Sie muss ihre Geschäfte in der Gesamtregierung, vor dem Parlament und unter Umständen auch direkt vor dem Volk vertreten können. Wer Regierunsrat ist, muss in der Lage sein, sich schnell in jedes Dossier einzuarbeiten – so wie es jetzt Stephan Attiger als Vorsteher des Departements Bau, Verkehr und Umwelt im DGS interimistisch tun muss. Dass er kein Gesundheitspolitiker ist, stört offenbar auch niemanden.