Für Personen, die gerne durch die Geschichte wühlen, ist der Kanton Aargau wahrhaftig ein Paradies. Immer wieder stossen Archäologen auf Fundstücke aus verschiedenen Epochen. Dabei handelt es sich teilweise um Knochen, Werkzeuge oder aber ganze Gebäude. Mit Unterstützung von Kantonsarchäologe Georg Matter zeigen wir die zehn bewegendsten Funde:

Öllampen von Windisch

Der neuste Fund besteht aus 22 Öllampen, die in einem Kochtopf gelagert wurden. Dazu lag auf jeder Lampe noch eine Münze. Der Schatz wird auf ein Alter von rund 2000 Jahren geschätzt. Historiker vermuten, dass es sich bei der Deponierung um einen rituellen Akt handelt. Ausserdem wurden noch verkohlte Tierknochen im Topf gefunden.

Münzschatz von Ueken

2015 stiess ein Bauer auf über 4000 römische Münzen, die in bemerkenswert gutem Zustand waren. Das Geld lag gut 1700 Jahre unter der Erde. Es handelt sich um Bronzemünzen mit hohem Silbergehalt. Auch beeindruckend ist die Menge: Es wurden bis dato erst vier Mal eine solch grosse Menge an Münzen gefunden.

Dinosaurier «XL»

Anfang Juli 2015 wurde der weltweit grösste Plateosaurier in Frick entdeckt. Ein gigantischer Planzenfresser mit rund einer Tonne Gewicht und der grösste je gefundene Dinosaurier im Fricktal. Der Dinosaurier wird zurzeit vom Lehm befreit und präpariert. Das Fricktal zählt übrigens europaweit zu einem der wichtigsten Fundorte von Dinosaurierfossilien.

Faustkeile im Fricktal

Diese beiden Faustkeile aus der Steinzeit fand Werner Brogli im Gebiet zwischen Möhlin und Zeiningen.

Diese beiden Faustkeile aus der Steinzeit fand Werner Brogli im Gebiet zwischen Möhlin und Zeiningen.

In seinem Acker entdeckte der Fricktaler Bodenforscher Werner Brogli einen Faustkeil aus der Neandertalerzeit. Mittlerweile wurden vier der schweizweit sieben Faustkeile im Fricktal gefunden. Doch nicht genug: Der 110'000 Jahre alte Keil gilt als erste Spur der Menschen im Fricktal.

Pfahlbauten

Die beiden Pfahlbauten bei Beinwil und Seengen sind mittlerweile Teil des Unesco-Welterbes. Die Bauten stammen aus der Bronzezeit und helfen die Architektur jener Epoche besser zu verstehen. Die Siedlung bei Beinwil-Aegelmoos wird jetzt mit Kies zugeschüttet – um sie so zu schützen.

Der Menora-Ring

Der Menora-Ring wurde 2001 in Kaiseraugst gefunden.

Der Menora-Ring wurde 2001 in Kaiseraugst gefunden.

2001 fand man in Kaiseraugst einen Fingerring aus Bronze. Darauf eingraviert: Eine Menora – ein siebenarmiger Leuchter, der eines der bekanntesten religiösen Symbole des Judentums ist. Der Ring wird auf das 4. Jahrhundert nach Christus zurückdatiert und gilt damit als frühestes Zeugnis des jüdischen Glaubens in der Schweiz. 

Aquae Helveticae

Die römische Siedlung entstand nur kurz nach Vindonissa. Die Legionäre entdeckten die Thermalquellen und es entstand schnell eine Siedlung, dort wo heute die Stadt Baden liegt. Die Siedlung erstreckte sich über beide Seiten der Limmat, wie Grabungen von 2008 zeigen.

Silberschatz von Kaiseraugst

Der Silberschatz von Kaiseraugst wurde Anfang der 1960er-Jahren auf einer Baustelle entdeckt. Zuerst noch für Blech gehalten, erkannte man schnell, dass es sich dabei um Silbergeschirr handelte.  Der Satz umfasst momentan 270 Objekte, wobei eine einzelne Platte noch vermisst wird. Hauptstück der Sammlung ist die Achillesplatte, die in elf Szenen die Jugend des Helden Achilles beschreibt. Das Alter der Münzen ist ebenfalls datiert: Die alteste von 294 nach Christus, die jüngste vom Jahr 349. Vergraben wurde er etwa zwischen 350 und 353.

Vindonissa

Das Legionärslager bei Windisch ist wohl der grösste und bekannteste Fund und gilt generell als wichtigster Fundplatz römischer Geschichte im nördlichen Alpenraum. Das Lager war vermutlich für gut 300 Jahre militärisch von den Römern besetzt und wurde teilweise auch von der zivilen Bevölkerung genutzt. Der wohl bekannteste Teil des Lagers ist das Amphitheater, das Platz für rund 11'000 Besucher bot.

Ein Highlight sind die Funde in einem Schutthügel: Hier wurden Holz und Lederstücke gefunden, die nach so langer Zeit eigentlich schon längst hätten zerfallen sein müssen. Auch Schreibtäfelchen der Legionäre wurden entdeckt, die heute einen Einblick in das Leben der Soldaten bieten.

Ausgrabungen bei der Habsburg

Die berühmten und mächtigen Habsburger waren wichtige Figuren in der Geschichte des Kantons Aargau. Die Ausgrabungen in der gleichnamigen Habsburg förderten interessantes Wissen über die Anfänger der Dynastie zutage: So fand man etwa antike römische Münzen oder importierte Güter. Auch liess sich der Schluss ziehen, dass sich die Haushaltung der Burgherren kaum von jener der Dorfbewohner unterschied. Doch waren sie bezüglich Ernährung oder Bekleidung privilegiert.