Brittnau
Nach Mordfall will Bauer Weber nichts mehr vom Asyl-Projekt wissen

Der Brittnauer Bauer Walter Weber wollte etwas Soziales tun und auf seinem Land Wohncontainer für Asylbewerber aufstellen. Nur wenige Tage später wird im Dorf ein Mann ermordet - tatverdächtig ist ein Asylbewerber. Jetzt wurde es dem Bauer zu viel.

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Walter Weber auf dem Grundstück, wo er ursprünglich Wohncontainer für Asylbewerber hätte aufstellen wollen

Walter Weber auf dem Grundstück, wo er ursprünglich Wohncontainer für Asylbewerber hätte aufstellen wollen

«Gibt es in Brittnau bald ein Asylanten-Dorf auf dem Bauernhof?» Das fragte die az vor zwei Wochen, als Landwirt Walter Weber seine Asyl-Idee vorstellte. Denn der Bauer hatte sich zu den fehlenden Asylunterkünften Gedanken gemacht. Er kam auf die Idee, auf seinem grossen Ackerland eine Wohncontainer-Siedlung für Asylbewerber aufzustellen.

Kanton und Gemeinde wurden informiert, das Projekt wurde immer konkreter. Der soziale Bauer Weber wollte helfen: «Asylanten sind Menschen auf der Flucht. Menschen, die niemand will und doch sind sie hier», sagte er bei seiner Projektvorstellung.

Doch heute klingt es bei Weber anders: «Ich will mit diesem Projekt nichts mehr zu tun haben. Ich setze mich damit Gefahren aus und das will ich nicht», sagt er der az auf Anfrage.

Der Grund dieser Entwicklung liegt auf der Hand: Nur drei Tage nach seiner Projektvorstellung geschieht in Brittnau ein schrecklicher Mord, Willi Moor wird in seinem Haus tot aufgefunden. Ein 27-jähriger Asylbewerber aus Marokko steht unter Verdacht, den 63-jährigen Schweizer getötet zu haben. Noch ist der mutmassliche Mörder nicht geständig. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Aufgrund des Mordes hat Weber seine Meinung geändert. Er habe Willi Moor aus gemeinsamen Turnverein-Zeiten gekannt, «und nun ist er einfach in unserem Dorf in Brittnau ermordet worden», sagt Weber fassungslos.

Antwort von Behörden erhalten

Obwohl er nicht ängstlich sei, schlafe er seit dem Brittnauer Mord unruhig. «Eine Asylanten-Siedlung ist in Brittnau mittlerweile sinnlos geworden. Es ist tragisch, dass es zu einer solchen Wende kommen musste», so Weber.

Trotzdem habe er heute Morgen noch Post von Kanton und Baugesuchzentrale erhalten. «Frau Hochuli hat mir einen magistralen, sauberen Brief geschrieben und betont, dass sie die Machbarkeit abklären werden. Es werde sich jemand mit mir in Verbindung setzen», sagt Weber, «aber das bringt nichts mehr.»

Denn der Bauer will nach dem Mordfall in seinem Dorf wieder sein ursprünglich geplantes Projekt auf seinem Gelände verwirklichen: Ein Tierheim. (sha)