Vor dem Obergericht Aargau hatte sich heute Montag ein 32-jähriger Mann wegen Mordes zu verantworten. In zweiter Instanz wurde über ein brutales Tötungsdelikt vom April 2012 in Brittnau verhandelt. Der Asylbewerber soll damals einen 63-Jährigen totgeschlagen haben.

Vor dem Bezirksgericht war der heute 32-Jährige zu 18 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt worden. Den Entscheid vom Juni 2015 zogen beide Seiten weiter: Die Verteidigung verlangte eine Reduktion der Strafe auf 8,5 Jahre, weil es sich um vorsätzliche Tötung, aber nicht um Mord handelte; die Staatsanwaltschaft hingegen geht von Mord und Raub aus, weshalb sie eine lebenslängliche Freiheitsstrafe forderte.

Fall Brittnau: Asylbewerber wegen Mordes angeklagt

Beitrag vom 23. Juni 2015: Asylbewerber wegen Mordes angeklagt

Die Oberrichter bestätigten am Montagnachmittag das Strafmass des Bezirksgerichts und verurteilten den Marokkaner zu 18 Jahren Freiheitsstrafe. Allerdings teilten sie die Einschätzung der Staatsanwaltschaft insofern, als es sich neben Mord auch um Raub, nicht nur um Diebstahl handelte. Der Beschuldigte hatte aus dem Haus des Opfers Bankkarten und einen Bankschliessfachschlüssel gestohlen.

Vor Obergericht wurde deutlich, mit welcher Brutalität der Beschuldigte vorgegangen war. Staatsanwalt Simon Burger sprach von einem „Blutbad“. Ein Gutachten kam zum Schluss, dass der Täter in drei Zimmern auf das Opfer eingeschlagen hatte. Er habe dem 63-Jährigen gezielt Schmerzen zufügen wollen, sagte Burger. Sein Ziel sei es gewesen, an Wertsachen zu kommen. Das Opfer erlitt schwere Verletzungen, unter anderem einen mehrfachen Schädelbruch, und verstarb am Tatort.

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Widersprüchliche Aussagen

Der Beschuldigte selbst blieb bei seiner Aussage, wonach er in Notwehr gehandelt habe. Auch dann, als ihn die Richter darauf aufmerksam machten, dass das Opfer gefesselt war und keine Verteidigungsspuren aufwies. Nicht der einzige Widerspruch zu den Gutachten, in den sich der Beschuldigte verstrickte. So blieb er vor Obergericht etwa auch bei der Aussage, das Holzscheit, mit dem er zuschlug, habe im oberen Stock gelegen – obwohl das Holz unten aufbewahrt worden war.

Weil er sich zur Wehr gesetzt habe, als ihn der 63-Jährige gegen seinen Willen zu Sex habe drängen wollen, sei es zu einer Schlägerei gekommen. Die schweren Verletzungen des Opfers hätten ihn überrascht. „Ich hätte mir nie gedacht, dass er daran sterben würde“, liess er die Dolmetscherin übersetzen. Zum Schluss des Prozesses sagte der Beschuldigte: Er bereue den Tag, an dem er in die Schweiz gekommen sei und bedauere das Opfer sowie dessen Familie.

Zur Tat kam es in der Nacht vom 14. auf den 15. April 2012 im Wohnhaus des Opfers. Der Weinhändler hatte den Beschuldigten vor der Asylunterkunft in Brittnau angesprochen und war mit ihm nach Hause gegangen. Vor Bezirksgericht wurde bekannt, dass er bei der Asylunterkunft immer wieder Sexpartner fand, die er für ihre Dienste bezahlte.

Schwerste Verletzungen

Gemäss Anklageschrift tranken die beiden erst mal in der Küche ein Bier, dann gingen sie ins Schlafzimmer. Als der Schweizer begann, sich auszuziehen, griff der jüngere Mann ihn an. Der Marokkaner versetzte seinem Opfer heftige Schläge und fesselte es mit einem zerrissenen Leintuch. Dann holte er in der Küche ein Holzscheit.

Damit schlug er brutal auf den Gefesselten ein. Dieser erlitt zahlreiche schwerste Verletzungen. Unter anderem riss eine Kniescheibe unter den Schlägen ab, der Schädel wurde mehrfach gebrochen, zwei Zähne herausgeschlagen und ein Schulterblatt gebrochen. Schliesslich würgte der Beschuldigte den 63-Jährigen, bis der Kehlkopf brach, wie es in der Anklageschrift heisst.

Wenige Tage nach der Bluttat wurde der Marokkaner in der Asylunterkunft in Muri AG verhaftet. Er befindet sich im vorzeitigen Strafvollzug. Der Mann war Anfang Februar 2012 via Chiasso TI in die Schweiz eingereist und hatte Asyl beantragt. Zuvor hatte er zehn Jahre lang in Italien gelebt, wo er mehrfach straffällig geworden war.

Mord in Brittnau: Asylbewerber verhaftet

(Beitrag vom 24. April 2012) Mord in Brittnau: Asylbewerber verhaftet