Coronavirus
Nach langem Warten: Der Impfstoff ist im Aargau angekommen

Wir waren dabei, als das Kantonsspital Baden die erste Lieferung der Impfdosen gegen das Coronavirus entgegengenommen und in einem Ultratiefkühler eingelagert hat.

Stefania Telesca
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«In anderen Ländern werden die Lieferungen des Impfstoffes polizeilich begleitet», sagt Wiedemeier.

«In anderen Ländern werden die Lieferungen des Impfstoffes polizeilich begleitet», sagt Wiedemeier.

Britta Gut

Die weisse Schachtel ist schwer. An der Laderampe des Kantonsspitals Baden KSB nimmt Peter Wiedemeier, Chefapotheker des Spitals, die Lieferung gemeinsam mit seinem Kollegen, dem Laborleiter Hans-Ruedi Schmid, entgegen. Der Karton enthält insgesamt 2925 Dosen des von Pfizer hergestellten und lange erwarteten Impfstoffes Comirnaty. Es ist die erste solche Lieferung am Kantonsspital Baden. Peter Wiedemeier sagt:

Der Inhalt ist schon etwas Spezielles

Er arbeitet seit 13 Jahren am KSB. Er war bereits 2009 hier, als die Schweinegrippe ausgebrochen war. «Aber der Hype um den Impfstoff ist jetzt grösser. Schon nur, weil die Schweinegrippe damals schon fast wieder vorbei war, als der Impfstoff kam.»

Britta Gut

Die beiden medizinischen Fachpersonen hieven das schwere Paket auf einen Rollwagen und verschwinden damit ins Innere des Spitals. Gelagert wird der Impfstoff unter der Verantwortung der Spitalapotheke. Wo genau darf man nicht verraten, aus Sicherheitsgründen. «In anderen Ländern werden die Lieferungen des Impfstoffes polizeilich begleitet», sagt Wiedemeier.

In der Schweiz habe man eher Respekt vor Coronaskeptikern. Oder auch davor, dass jemand die leeren Glasfläschchen nach Gebrauch klauen, mit falschem Inhalt füllen und weiterverkaufen könnte. «Deshalb werden sie danach nicht einfach entsorgt, sondern vernichtet», so der Chefapotheker.

Britta Gut

Langsam öffnen die Männer den Deckel des Pakets. Weisser Dampf drängt sich heraus. Die Schachtel ist rappelvoll mit Trockeneis: «Wir tragen Handschuhe, weil wir uns sonst die Hände verbrennen würden», erklärt Wiedemeier.

Britta Gut

Als erstes holt er den kleinen roten Sensor heraus. Dieser zeigt einen Haken als Bestätigung, dass die Kühlkette den ganzen Transport über eingehalten werden konnte. Das Spital muss anschliessend der Armeeapotheke belegen, dass der Temperaturlogger sein OK gegeben hat. Erst dann wird der Impfstoff offiziell freigegeben.

Wiedemeier schaufelt das Trockeneis heraus, bis er den wichtigen Inhalt findet: Drei weisse Schachteln, die den Impfstoff enthalten. In jeder sind 195 Glasfläschchen drin, aus jedem Glasfläschchen kann man fünf Impfungen gewinnen. Also 975 Impfdosen pro Schachtel. Die kleinste Einheit, die man zurzeit bei der Armeeapotheke bestellen kann.

Britta Gut

Nach einem kurzen Foto der Hoffnungsträger versorgt der Chefapotheker die Schachteln schnell in den Ultratiefkühler und schliesst diesen ab. Die Verlagerung vom Trockeneis in den Ultratiefkühler darf maximal fünf Minuten dauern.

Gelagert werden die Impfdosen bei minus 75 Grad. Im Trockeneis ist der Impfstoff 36 Stunden haltbar. Im Ultratiefkühler bis zum Datum, das der Hersteller angibt: April 2021. «Bis dort hin werden wir das schon längst verimpft haben», sagt Wiedemeier.

Britta Gut

Kommt der Impfstoff erst aus dem Ultratiefkühler heraus und wird er aufgetaut, muss er innerhalb von fünf Tagen verimpft werden. Während dieser Zeit kann er in einem normalen Medikamentenkühlschrank bei zwei bis acht Grad gelagert werden. Das Glasfläschchen enthält ein weisses Pulver. «Vor der Verwendung muss der Inhalt mit Kochsalz verdünnt werden. Danach muss innerhalb von sechs Stunden geimpft werden» sagt Wiedemeier.

Nebst dem KSB hat am Dienstag auch das Kantonsspital Aarau KSA die erste Lieferung des Impfstoffes erhalten. Der Kanton Aargau beginnt am Dienstag, 5. Januar mit den Impfungen. Als erstes wird das KSB Alters- und Pflegeheime mit dem Impfstoff beliefern. «Es sind Pilotheime, die mitmachen. Dort werden die Bewohner und allenfalls die Pflegefachpersonen geimpft», sagt der Chefapotheker des KSB.

Die Ankunft des Impfstoffes am Kantonsspital KSB im Video. Quelle: Stefania Telesca

Das KSB hat die Bewilligung zur Umverpackung der Impfdosen. «Wir bekommen von einem Heim dann eine Bestellung von vielleicht 20 Fläschchen, also 100 Impfdosen, wir verpacken diese in einer Kühltasche, konfektionieren die Impfutensilien wie Spritzen und Nadeln und liefern das Knowhow zum Auflösen des Impfstoffes.»

Etwas Aufregung über den Erhalt des Impfstoffes gegen Covid ist auch bei Peter Wiedemeier zu spüren. Trotzdem schaut der Chefapotheker bereits auf den nächsten grossen Schritt: «Unsere Hoffnung ist, dass der zweite Impfstoff der Moderna auch möglichst bald zugelassen wird. Dieser ist nicht so kompliziert zum Lagern und wird auch in kleineren Verpackungseinheiten verfügbar sein.» Das heisst, dass er nicht mehr nur über die Spitäler verteilt, sondern bei Institutionen direkt geliefert werden kann.

Peter Wiedemeier, Chefapotheker des Kantonsspital Baden. Aufgenommen am 29.12.2020

Peter Wiedemeier, Chefapotheker des Kantonsspital Baden. Aufgenommen am 29.12.2020

Britta Gut

Ausserdem habe die Schweiz auch ein grösseres Kontingent an diesem zweiten Impfstoff gekauft. Vom aktuell gelieferten Pfizer-Impfstoff hat die Schweiz bisher erst 107 000 Impfdosen erhalten. «Die Nachfrage ist noch sehr viel grösser als das Angebot», so Wiedemeier.