Prozess
Nach Kollaps: Dubler wieder aus dem Spital entlassen - wie geht es weiter?

Am Donnerstag wurde der Prozess um den Wohler Ammann Walter Dubler nach den Plädoyers unterbrochen. Im Raum steht die Frage, wie das Verfahren weitergeht: Freispruch, Schuldspruch oder weitere Befragungen?

Fabian Hägler
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Der Angeklagte und sein Verteidiger: Walter Dubler (rechts) und Christian Bär auf dem Weg zum Prozess.

Der Angeklagte und sein Verteidiger: Walter Dubler (rechts) und Christian Bär auf dem Weg zum Prozess.

Chris Iseli

«Herr Dubler konnte das Spital am Freitag verlassen, sein Zustand ist so weit stabil, er braucht aber noch Ruhe und Schonung» – das sagt Anwalt Christian Bär auf Anfrage zum Gesundheitszustand seines Mandanten.

Der suspendierte Wohler Gemeindeammann war am Donnerstag während des Prozesses gegen ihn im Gerichtssaal in Bad Zurzach zusammengebrochen und mit der Ambulanz ins Spital Leuggern transportiert worden.

Was der Grund für Dublers Schwächeanfall war, ist laut Bär noch unbekannt.

Auf ausdrücklichen Wunsch von Dubler wurde der Prozess danach trotzdem weitergeführt. Zu einem Urteil kam es nach den Plädoyers von Staatsanwalt und Verteidiger allerdings nicht. Gegen 20.20 Uhr erklärte Gerichtspräsident Cyrill Kramer die Verhandlung für beendet und sagte, er werde möglichst rasch bekannt geben, wann das Urteil verkündet wird. Allerdings würden weder er selber noch die Gerichtskanzlei Zurzach am Freitag Anfragen zum Dubler-Prozess beantworten.

Entscheid fällt am Montag

Die az fragte deshalb bei Nicole Payllier, der Mediensprecherin der Gerichte Aargau, nach. Sie kündigte an, Einzelrichter Kramer werde am Montag informieren, wie es im Prozess gegen Walter Dubler weitergehe. Auf weitere Fragen der az wollte Payllier nicht eingehen – sie könne die Entscheidung des Richters nicht vorwegnehmen. Grundsätzlich gibt es drei Möglichkeiten, die Kramer wählen kann: eine Verurteilung von Dubler, einen Freispruch oder die Befragung zusätzlicher Zeugen.

Staatsanwalt Markus Moser und Verteidiger Christian Bär hatten beide einen entsprechenden Beweisergänzungsantrag gestellt. Es geht um die Frage, ob der Gemeinderat wusste, dass Dubler als Präsident des Regionalplanungsverbandes Unteres Bünztal weitere Sitzungsgelder erhielt.

Walter Dubler betritt das Rathaus in Zurzach.
5 Bilder
Walter Dubler bricht im Gerichtssaal zusammen - eine Ambulanz wird gerufen
Walter Dubler (rechts) mit seinem Anwalt auf dem Weg zum Bezirksgericht Zurzach.
Walter Dubler betritt das Rathaus in Zurzach.
Markus Moser ist der zuständige Staatsanwalt im Dubler Prozess.

Walter Dubler betritt das Rathaus in Zurzach.

Aargauer Zeitung

Für den Verteidiger steht dies fest, der Gemeinderat habe sogar einen Beschluss gefasst, dass die Wohler Delegierten im Regionalplanungsverband diesen zusätzlichen Sitzungsgeldern zustimmen sollten. Der Staatsanwalt sieht dies anders: Dubler habe dem Gemeinderat die Sitzungsgelder verschwiegen, ausdrücklich auf Belege dafür verzichtet und diese auch nicht bei der Steuererklärung deklariert.

Gemeinderat nicht befragt

Paul Huwiler, Vizeammann von Wohlen, sagt auf Anfrage: «Der Gemeinderat wurde zu den zusätzlichen Sitzungsgeldern bisher nicht befragt.» Würde dies noch passieren, müssten die Vertreter von Anklage und Verteidigung bei der Befragung zwingend dabei sein. «Ich gehe davon aus, dass der Gerichtspräsident einen weiteren Prozesstermin ansetzen und die Befragung dann durchführen würde», sagt Bär.

Es ist also denkbar, dass Huwiler und weitere Mitglieder des Gemeinderats auch noch vor Gericht auftreten müssen. Huwiler sagt zum ersten Prozesstag: «Als der Gemeinderat im letzten Sommer Kenntnis von den höheren Pensionskassengeldern erhielt, die sich Walter Dubler einzahlen liess, sagte dieser, er werde sich vor seine Mitarbeiter stellen.»

Nun habe Dubler am Prozess eine andere Verteidigungsstrategie gewählt und ausgesagt, er habe selber keine finanzrelevanten Rechnungen ausgelöst oder unterschrieben. Dies hätten nur der Finanzverwalter, sein Stellvertreter und der Finanzvorsteher im Gemeinderat getan. Huwiler: «Damit hat Walter Dubler eine Kehrtwende vollzogen und versucht einen Spagat auf dem Hochseil.»

Dessen Verteidiger hält fest, es gehe nicht um moralische oder ethische Fragen, sondern einzig darum, ob Dublers Verhalten strafrechtlich relevant sei. Bär argumentiert, sein Mandant könne für die Einzahlung der höheren Pensionskassenbeiträge nicht belangt werden, weil dies gar nicht in seinen Kompetenzbereich gehöre.

Dubler fehle aus juristischer Sicht die nötige Eigenschaft als Geschäftsführer. Anders sieht das Staatsanwalt Moser: Dubler sei faktisch sehr wohl Geschäftsführer, weil sich weder der Wohler Finanzverwalter noch dessen Stellvertreter seinen Anordnungen widersetzen können.

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