Talk Täglich
Nach Glarner-Eklat: Wie viel Islam verträgt die Schule? «Repression kann nicht die Lösung sein»

Es ist die Aufgabe der Schule, zu integrieren, darin sind sich die Gesprächsteilnehmer im Talk Täglich einig. Darüber, wie das durchzusetzen ist, allerdings nicht.

Eva Berger
Drucken
Teilen

Andreas Glarner hat mit seiner Empörung darüber, dass muslimische Schüler für einen religiösen Feiertag der Schule fernbleiben durften, die Diskussion über Integration muslimischer Schülerinnen und Schüler wieder angeheizt.

Gesprächsleiter Kaspar Loeb stellt im Talk Täglich auf Tele M1 die Frage: Wie viel Islam vertragen die Schweizer Schulen? Das diskutiert er mit SVP-Grossrätin Martina Bircher, CVP-Aargau-Präsidentin Marianne Binder und der Leiterin des Aargauischen Lehrerverbands, Elisabeth Abbassi. Ob es inzwischen üblich sei, nachzugeben, wenn sich Schüler wegen Glaubensfragen oder auch aus politischen Gründen nicht an die Regeln halten, fragt Loeb. Diesbezüglich waren sich die Gesprächsteilnehmerinnen einig: Nein, die Regeln an Schweizer Schulen gelten für alle.

Wie aber damit umzugehen sei, wenn Schüler der Lehrerin den Handschlag verweigern oder bereits kleine Mädchen im Unterricht ein Kopftuch tragen, da gehen die Meinungen auseinander. Lehrerverbandspräsidentin Elisabeth Abbassi stellt sich auf den Standpunkt, dass immer zuerst das Gespräch zu suchen sei: «Repression kann nicht die Lösung sein. Wir müssen mit den Eltern reden und ihnen klar machen, dass es für ihr Kind ein Nachteil ist, wenn es sich nicht integriert.» Dieses Vorgehen sei in den allermeisten Fällen erfolgreich. Es gehe aber eben genau um jene Eltern, bei denen es nicht hilft, wenn man mit ihnen redet, sagt Martina Bircher. Das sei ein Dilemma der Schule, denn dieser fehlten die Instrumente dazu, die Schülerinnen und Schüler zu zwingen, sich an die Regeln zu halten. «Sie gehen dann vor Gericht um durchzusetzen, dass sie Kopftuch tragen dürfen», so die SVP-Grossrätin.

Sehen Sie hier die Sendung TalkTäglich zum Thema in voller Länge:

Für sie ist klar: Wer sich nicht an die Regeln hält und damit zeigt, dass er sich nicht integrieren will, soll die Schweiz verlassen. Fehlbare Eltern können gebüsst werden, sagt Elisabeth Abbassi. Gefordert seien aber die Behörden und die Politik. Marianne Binder macht derweil kein Massenproblem bei der fehlenden Integration aus, es gehe auch nicht darum, das Christentum gegenüber dem Islam zu verteidigen, sondern den Rechtsstaat durchzusetzen. Die Schule müsse ein Ort der Freiheit sein, wenn aber ein Mädchen ein Kopftuch tragen muss, sei dessen Freiheit eingeschränkt. «Es geht mir dabei nicht um die Religion, sondern um das Recht des Kindes.»

Ob der Islam zur Schweiz gehöre, fragt Kaspar Loeb. Während Martina Bircher Nein sagt, finden sowohl Abbassi wie auch Binder, dass dies der Fall sei, auch wenn die Schweiz eine christlich-jüdische Kultur und Ursprung hat. Von vorauseilendem Gehorsam zu reden, wenn etwa aus Rücksicht auf muslimische Schüler keine Salamibrötchen serviert würden, sei sowieso fehl am Platz, sagt Elisabeth Abbassi. «Wenn eine Schule ein Buffet machen will, darf sie das. Oder sie kann eine Option anbieten, die für alle stimmt, auch für die Vegetarier beispielsweise.» Das sei eine Frage des Pragmatismus.

ISLAMISCHE FEIERTAGE

SVP-Grossrätin kritisiert Rücksichtnahme

Dass unsere Schulen ihre Aktivitäten nach dem Islam richten, empfinde ich als stossend.» Das schreibt SVP-Grossrätin Nicole Müller-Boder in einem Vorstoss zum Umgang mit islamischen Feiertagen an Aargauer Schulen, den sie gestern Dienstag eingereicht hat. Wegen des Bayram-Festtags am Ende des Fastenmonats Ramadan sei ein Sporttag verschoben und eine Schulreise abgesagt worden, hält Müller- Boder fest. Grund dafür sei das Fernbleiben muslimischer Kinder, die für die Absenzen auch keinen sogenannten Jokertag hätten beziehen müssen. Müller-Boder will vom Regierungsrat wissen, wie viele religiöse Feiertage Andersgläubige pro Schuljahr beziehen könnten. Sie fragt auch, wie viele solche Tage im Aargau bezogen würden und welche Religionsgemeinschaften in welchem Umfang davon Gebrauch machten. Die SVP-Grossrätin sieht eine Ungleichbehandlung, weil Kinder einer gewissen Religionsgruppe mehr Freitage bekämen als andere. Und sie will wissen, ob der Regierungsrat ihre Meinung teile, dass Sporttage oder Schulreisen aus Rücksicht auf eine religiöse Minderheit verschoben würden. (fh)

Aktuelle Nachrichten