Astrid Haller, Gemeinderätin und ehemalige Frau Gemeindeammann von Brittnau, tritt per 8. April zurück. Dies gab die Gemeinde gestern bekannt. Astrid Haller (glp) begründe diesen Entschluss mit den «anhaltenden, für sie unhaltbaren Zuständen wie Auto zerkratzen, Bierflaschen an die Kellertüre und Kuhfladen auf die Terrasse werfen sowie den massiven Denunzierungen und Diffamierungen im Internet».

Damit war die 53-Jährige besonders nach der Entlassung von Feuerwehrkommandant Boris Tellenbach konfrontiert (wir berichteten). Die jüngsten Vorfälle und persönlichen Angriffe gegen sie lösten bei ihr «nur noch Kopfschütteln» aus. Sie erhoffe sich mit dem Rücktritt, dass ihre Sicherheit und jene ihrer Familie wieder gewährleistet sei. Brittnau wird aber weiterhin ihr Wohnort bleiben: «Ein Wegzug steht nicht zur Diskussion», sagt Astrid Haller auf Anfrage. Sie sei ein positiv denkender Mensch und glaube, dass nach ihrem Rücktritt wieder Ruhe einkehre.

Ihre Zeit im Gemeinderat bezeichnet Astrid Haller in einem selbst verfassten Rückblick als «wunderschöne, oft auch sehr schwierige, vor allem aber lehrreiche Jahre.» Die Brittnauerin erinnert sich besonders gern an ihre erste Gemeinderatskandidatur vor neun Jahren zurück. «Dort durfte ich durch den ehemaligen FDP-Präsidenten Peter Bachmann zum ersten Mal Parteiluft schnuppern.» Peter Bachmann und der damalige Vizeammann Hansjörg Plüss betrachte sie nachträglich als ihre Tutoren in diesem Amt. «Dank den guten Ratschlägen von Hansjörg Plüss bin ich auch nicht gleich am ersten Windstoss zerbrochen.»

Stark motiviertes Team

Von 2014 bis 2017 amtete Astrid Haller als Frau Gemeindeammann. In dieser Position habe sie «zusammen mit einem stark motivierten Team» grosse Projekte umsetzen können – darunter zum Beispiel den Neubau Sporthalle und Schnitzelheizung, den Neubau des Kindergartens Altachen oder den Vollzug des Verkaufs des Elektrizitätswerks. Auch die Umsetzung von Kulturprojekten wie dem Museum oder dem Dorffest gehöre dazu.

Die vielen Begegnungen und guten Gespräche aus dieser Zeit wolle sie nicht missen. «Die acht Jahre haben mich aber auch zu einem Menschen gemacht, der nicht mehr blindlings vertraut, sondern abwartet, bevor er eine Entscheidung fällt.» Sie werde nach wie vor unbequem, wenn irgendwo böse Gerüchte geschürt würden.

Gehässiges Vokabular

Ein Thema, das für Astrid Haller «praktisch die ganze letzte Legislatur überschattet und das Dorf gespalten hat», ist das Asylwesen in Brittnau. 2015 nahm die Gemeinde nach längerem wieder Asylsuchende auf. Der Bau von Wohncontainern lehnte der Souverän ab. Die Gemeinde kaufte schliesslich einen Teil eines Doppeleinfamilienhauses am Uferweg, den die Asylbewerber bezogen. «Obwohl wir innert kürzester Zeit die geforderte dezentrale Lösung umsetzten, wurde der Dialog immer gehässiger.» Auf Facebook und in weiteren Gefässen habe es bei der Wahl des Vokabulars «keine Grenzen» gegeben. «Leider schritt ausser dem Gemeinderat bis heute niemand ein.»

Rückblickend dürfe man sagen, dass das Thema Asyl in der letzten Legislatur gelöst werden konnte. «Wir sind sogar eine der ersten Gemeinden, in welcher die Asylsuchenden für gemeindeeigene Arbeiten eingesetzt wurden.»

Astrid Haller zeigt sich stolz, dass «Brittnau heute eine moderne und geführte Gemeinde» ist. Eine Gemeinde, wo für alle die gleichen Regeln gelten. Sie hoffe, dass sich der neue Gemeinderat nicht von «einzelnen lauten Stimmen» leiten lasse und dass er auch die leisen Meinungen nicht überhöre.

Sie habe viele aufmunternde Stimmen zum Weitermachen erhalten, sagt Astrid Haller. Sie höre aber auf ihr Herz, das ihr sage, nun sei es genug – «lass los». Astrid Haller freut sich nun auf mehr Zeit für ihre Familie und ihren Beruf als Wirtschaftsfachfrau einer fusionierten Spitex. Dort könne sie nun wieder Vollgas geben.