KSA
Nach einem Chemieunfall führt der Weg ins Spital über die Dekostelle

Im Kantonsspital Aarau führte die Betriebsfeuerwehr eine Einsatzübung durch, mit der sie das Konzept zum Empfang von Patienten bei einem Grossandrang überprüfte. Das Resultat: Das KSA kann einen solchen Fall bewältigen.

Hanny Dorer
Drucken
Chemieunfall im KSA: Alles nur eine Übung
15 Bilder

Chemieunfall im KSA: Alles nur eine Übung

Emanuel Freudiger

Als offiziell bezeichnetes Dekontaminationsspital muss das Kantonsspital Aarau (KSA) in der Lage sein, bei einem Chemieunfall einen Grossandrang von Patienten zu bewältigen. Die Betriebsfeuerwehr unter der Leitung ihres Kommandanten André Barfuss hat deshalb ein Konzept erstellt, das diese Woche anhand einer speziellen Einsatzübung überprüft wurde. Ziel ist es, innert 25 Minuten eine Dekostelle einzurichten, in welcher die Patienten dekontaminiert werden, bevor sie das Spital betreten.

Szenario: Chemieunfall Rupperswil

Die Alarmmeldung lautet: Chemieunfall in einer Fabrik in Rupperswil, zahlreiche Personen sind mit diversen Chemikalien in Kontakt gekommen. Diese «Patienten» stehen bald einmal auf der Strasse vor dem Spital und warten darauf, ärztliche Hilfe zu bekommen. Ihre «chemische Verunreinigung» besteht in diesem Übungsfall aus Essig, Zahnpasta und Honig – «damit wir prüfen können, ob die Reinigung richtig durchgeführt wurde», erläutert Übungsleiter Roland Joho. Den Wartenden wird die Zeit lang, obwohl die Betriebsfeuerwehr die Dekostelle innerhalb der vorgegebenen Zeit erstellt hat.

Einer nach dem anderen wird nun zum Eintrittszelt geführt, wo seine Personalien aufgenommen werden. Im nächsten Zelt folgt buchstäblich die kalte Dusche, die Grobdekontamination: Nur mit einer Badehose bekleidet – im Ernstfall splitternackt – müssen die «Patienten» ausgiebig duschen. Mit kaltem Wasser notabene, denn warmes Wasser würde die Poren unnötig für die Chemikalien öffnen. Schlotternd im kühlen Abendwind werden sie von Feuerwehrleuten in Schutzkleidung zum nächsten Posten geführt. Dort werden sie mit einer Lösung besprüht, welche die Chemikalien neutralisieren soll. Nach einer weiteren Dusche geht es endlich ins Sanitätszelt, wo die Betreuung durch die Feuerwehrsanität erfolgt. «Im Ernstfall steht hier natürlich medizinisches Personal vom Spital bereit», präzisiert Kommandant Barfuss. Eingehüllt in einen flauschigen KSA-Bademantel, wird der nun dekontaminierte Patient dem Notfalldienst übergeben.

Nachbarfeuerwehren aufgeboten

Während die Patienten im abgesperrten Bereich dekontaminiert und betreut werden, sorgt Einsatzleiter Thomas Räss dafür, dass die übrigen Zufahrten zum Spital abgeriegelt und allfällige umherirrende «Patienten» ebenfalls zur Dekostelle gebracht werden.

Dazu bot er die Nachbarfeuerwehren Suhr und den Stützpunkt Aarau auf, denn die Verkehrsgruppe der Betriebsfeuerwehr wäre rein zahlenmässig kaum in der Lage, das Spital weitläufig abzuriegeln. Anderseits braucht es zur Betreuung der Patienten mehr Atemschutzträger braucht als die Betriebsfeuerwehr zur Verfügung hat. Bei Chemieunfällen müssen die Feuerwehrleute nicht nur Atemschutzmasken, sondern ganze Schutzanzüge tragen.

Seit 2008 Deko-Spital

Seit das KSA offizielles Deko-Spital ist, werden solche Übungen alle zwei Jahre durchgeführt. «Wir haben diese Übung ernstfallmässig mit Figuranten durchgeführt, um allfällige Schwachstellen im Konzept aufzudecken», sagt Kommandant Barfuss.

Beobachtet wurde die Übung von Ulrich Stoller vom Führungsstab der Armee, dies im Hinblick auf eine Schulung als technisch-medizinische Dekospezialisten, welche ausgewählte Angehörige der Betriebsfeuerwehr im August beim Bund absolvieren können.

Aktuelle Nachrichten