Nachdem das Hochwasser vom Juli Peter und Brigitta Ebinger über Nacht obdachlos gemacht hatte, wird ihnen nun ein ganz besonderes Weihnachtsgeschenk beschert: Sie können das Fest im neu renovierten Haus feiern.

Mehr als fünf Monate ist es her, seit Schlamm- und Wassermassen das Ehepaar aus ihrem eigenen Haus vertrieben hatten. Kaum aus den Ferien zurück, stand deswegen gleich die nächste Hotelübernachtung an. Seit letzter Woche können die Ebingers nun endlich wieder auspacken.

Hang bleibt ungesichert

Das Unwetter hatte für Ebingers langwierige Folgen: Drei Monate lang passierte gar nichts. Grund dafür war der steile Hang hinter dem Haus, von dem die ganzen Schlammmassen hinunter rutschten. Zu riskant wäre es, mit der Renovierung zu beginnen, hiess es. «Solange der Geologe kein grünes Licht gab, durften die Handwerker auch keinen Finger rühren», sagt Brigitta Ebinger.

Dass die Handwerker nun starten konnten, verdanken Ebingers alleine dem kalten Wetter. Denn der Hang bleibt weiterhin ungesichert. Die Stadtverwaltung teilte Ebingers mit, dass mit dem Bau trotzdem begonnen werden könne, da es im Winter keine Gewitter gäbe. Bis im März müsse der Hang jedoch gesichert sein.

Unwetter-Opfer feiern Weihnachten daheim

Unwetter-Opfer feiern Weihnachten daheim (Tele M1-Beitrag vom 21. Dezember)

Nachdem beim Ehepaar Ebinger der Hang runtergerutscht ist, konnten die beiden nicht in ihr Haus. Pünktlich zu den Festtagen dürfen sie wieder zurück.

«Im Schreiben der Bauverwaltung steht ‹durch wen auch immer›», sagt Brigitta Ebinger. Diese Ungewissheit hinterlässt ein mulmiges Gefühl. Es sei schon seltsam, wieder im Haus zu sein, finden Ebingers. «Vor allem weil mit dem Hang noch immer nichts passiert ist», sagt Peter Ebinger. Sie wüssten einzig, was der Geologe schon vor Monaten herausgefunden hatte: Die Leitungen im Hang sind von den Wurzeln der Bäume verwachsen.

Beim grossen Unwetter vom 8. Juli kam der Hang nicht zum ersten Mal ins Rutschen: Bereits vorher verursachten Schlamm und Geröll kleinere Schäden, unter anderem am Pool. «Diese Probleme haben erst angefangen, als der Reitplatz kam», sagt Brigitta Ebinger. Dieser befindet sich direkt oberhalb des Hangs. Deswegen wurde auch abgeklärt, ob dieser eventuell im Zusammenhang mit den Erdrutschen steht. Ob diese Untersuchungen etwas ergeben haben, wissen Ebingers nicht.

Sie sind erst mal froh, nach Hause gehen zu können. Trotz mulmigen Bauchgefühl. Der Ärger über die langen Wartezeiten sei inzwischen ebenfalls verraucht. «Die Bauphase war aufwendig und arbeitsintensiv», sagt Brigitta Ebinger. Zunächst hätte der Bagger die zerstörte Mauer hinter dem Haus wegschaffen müssen. Dazu hätte es einen Kran gebraucht, der den Bagger hinter das Haus befördern musste. Ebingers sind überzeugt, ohne die tadellose Arbeit der Architekten Markus Kissling und Erika Baumann und die guten Handwerker, die keinen Termin versäumt hätten, wären sie noch nicht zurück in den eigenen vier Wänden. Kleider und Geschirr müssen sie noch von ihrer Übergangswohnung zügeln, ebenso ihren Hund.

Auf WG-Tauglichkeit geprüft

Im Januar werden die Vordächer und das Geländer des Balkons montiert. «Die Sanierung des Pools folgt im Frühling. Vorher macht das keinen Sinn», sagt Brigitta Ebinger. Im Frühling sollen auch die Zäune am Hang ersetzt werden. Die Kosten sind mittlerweile von 230'000 auf 300'000 Franken angestiegen. Die Schlammentsorgung alleine kostete 55'000 Franken. Wie viel dieser Summe sie selber zu tragen haben, wissen Ebingers noch nicht. «Möglich, dass wir das erst nächsten Sommer erfahren», meint Peter Ebinger.

Die Geschichte findet also auch nach fünf Monaten noch nicht ihr Ende. «Für das neue Jahr hoffe ich, dass die ganzen Katastrophen in unseren Leben endlich aufhören», sagt Brigitta Ebinger. Die letzten zwölf Monate seien dennoch nicht nur von dunkeln Ereignissen überschattet. Der Feuerwehr und dem Zivilschutz ist das Paar unendlich dankbar, ebenso den beiden Architekten.

Von der Familie, Freunden, Nachbarn und kaum Bekannten vom Dorf hätten sie unglaubliche Unterstützung erfahren. «Die Frau, die uns die Wohnung zur Verfügung stellte, war wirklich der Sechser im Lotto», sagt Brigitta Ebinger. In ihr und dem jungen Pärchen, das ebenfalls dort wohne, hätten sie neue Freunde gewonnen. «Wir haben gelernt, dass wir WG-tauglich sind», sagt Peter Ebinger und lacht.