Das Naturama in Aarau steht an der Kreuzung von zwei stark befahrenen Strassen. Grünfläche und Natur gibt es hier eigentlich nicht. Zumindest bis gestern war das so. Jetzt aber vor dem Museum ein Baum. Zwar ist der noch jung, bald aber soll er dafür sorgen, dass hier eine sogenannte Klimaoase entsteht – ein kleiner, grüner Raum mit einem schattenspendenden Baum.

Regierungsrat und Baudirektor Stephan Attiger hat den Elsbeerbaum gestern in den Boden gesetzt und damit den Startschuss für die Aktion «Klimaoase» gegeben. In den nächsten zwei Jahren sollen 25 Aargauer Gemeinden im Siedlungsgebiet einen Baum pflanzen. Gefragt sind Arten, die dem für 2060 prognostizierten Klima gewachsen sind und eine stattliche Grösse erreichen können.

So entsteht kühlender Schatten, zudem sollen mit den Klimaoasen Behörden und Einwohner für das Thema Klimawandel und insbesondere die nötige Anpassung an die Veränderung sensibilisiert werden.

Die Gemeinden sollen sich weiter gegenseitig motivieren, im Siedlungsgebiet Bäume zu pflanzen, die sich zu Klimaoasen entwickeln können. Die Pflanzungen erfolgen nach dem Schneeballsystem: Wer einen Baum erhalten hat, gibt seinerseits einen an eine andere Gemeinde weiter, bis in mindestens 25 Ortschaften ein neuer Baum gepflanzt worden ist.

Kühlung im Sommer

Die Projektleitung liegt beim Naturama, Unterstützung kommt vom Kanton Aargau und vom Bundesamt für Umwelt, sie übernehmen die Finanzierung zum grössten Teil. «Es ist ein kleines, einfaches Projekt», sagte Roland Hohmann vom Bundesamt für Umwelt gestern Dienstag vor dem Pflanzakt in Aarau.

Man könne den Klimawandel mit einem einzigen Baum zwar nicht stoppen, aber ein Baum könne lokal etwas Erleichterung bringen. Gerade in einem Hitzesommer, wie jenem 2018, sei die kühlende Wirkung von Bäumen in Städten zu spüren, denn dort mache sich auch die zunehmende Hitze besonders bemerkbar.

Zeichen gegen Klimawandel

Das sei ein zentraler Punkt für den Aargau, sagte Stephan Attiger. Auch wenn ungefähr ein Drittel des Kantonsgebiets Grünfläche sei, sorge das Bevölkerungswachstum doch dafür, dass die Städte wachsen. «Es ist wichtig, dass wir dort ein Zeichen setzen», so der Baudirektor — ein Zeichen gegen den Klimawandel.

Der Aargau sei einer der aktiven Kantone, wenn es um Massnahmen gegen die Auswirkungen der Erderwärmung geht, erklärte Attiger. Er hielt aber fest: «Kurzfristige Massnahmen helfen beschränkt, es braucht langfristige Veränderungen.» Dass Kanton, Gemeinden und der Bund zusammenarbeiteten, sei zentral. Ein Projekt wie Klimaoasen unterstreiche das.

Der Elsbeerbaum ist ein Geschenk des Kantons an die Stadt Aarau. Stadtpräsident Hanspeter Hilfiker übergab seinerseits eine Spritzkanne an Jürg Link, den Gemeindeammann von Niederlenz, ein Baum wird folgen. Denn in Niederlenz wird als Nächstes ein Baum gepflanzt. 23 weitere sollen folgen.