Wahlen
Nach dem Fiasko: Hat die SP einen guten Wahlkampf geführt?

Die SP hat im Aargau zwei Prozent der Wählerstimmen sowie einen Sitz im Nationalrat verloren. Nun betreibt sie Ursachenforschung: Die Mobilisierung war gut, aber wenig erfolgreich, so der Tenor. Trotzdem will sich die Partei treu bleiben.

Jörg Meier
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Cédric Wermuth, Yvonne Feri und eine SP-Genossin, als sich am Sonntag die Verluste abzeichnen.

Cédric Wermuth, Yvonne Feri und eine SP-Genossin, als sich am Sonntag die Verluste abzeichnen.

Chris Iseli

Das Resultat ist eindeutig und ernüchternd für die SP Aargau: Die Partei verliert zwei Prozent Wähleranteil und damit auch einen Sitz im Nationalrat. Somit bleiben der SP noch 16,1 Prozent aller Stimmen und zwei Sitze im Nationalrat. Der dritte Sitz ist weg, der Bisherige Max Chopard ist abgewählt.

Da vermag auch der Erfolg von Pascale Bruderer nur wenig zu trösten, die gleich im ersten Wahlgang als Ständerätin bestätigt worden ist. Kein Wunder herrschte an der Wahlfeier der SP Katerstimmung.

Am Tag nach der deutlichen und überraschenden Niederlage läuft die Ursachenforschung bereits auf Hochtouren. Hat die SP Aargau denn einen schlechten Wahlkampf geführt? Zu zahm? Zu unauffällig?

Elisabeth Burgener, Co-Präsidentin SP Aargau: «Wir haben zwar verloren. Aber wir sind keine Verliererpartei.»

Elisabeth Burgener, Co-Präsidentin SP Aargau: «Wir haben zwar verloren. Aber wir sind keine Verliererpartei.»

zvg

Elisabeth Burgener, Co-Präsidentin der SP Aargau, ist überzeugt, dass die Mobilisierungskampagne der SP richtig und erfolgreich war. Rund 500 SPler und SP-Sympathisanten haben über 10 000 potenzielle SP-Wählerinnen und -Wähler angerufen, um ihnen SP-Anliegen und Kandidierende nahezubringen.

«Mit der Kampagne sind wir auf dem richtigen Weg, auch wenn wir erst am Anfang stehen», sagt Burgener zuversichtlich. Zumal man sich keine aufwendigen Plakat- und Inseratekampagnen leisten könne. Grundsätzliche Fehler im Wahlkampf sieht sie nicht. Im Gegenteil: Die SP Aargau war gut unterwegs. Sie gehörte zu den Siegern nach der Ablehnung des Sparpakets, sie setzte mit der prominenten Teilnahme am «Aufstand der Anständigen» ein deutliches Zeichen. «Wir haben bei den Wahlen verloren, aber wir sind keineswegs eine Verliererpartei», sagt Elisabeth Burgener. «Wir haben uns viel vorgenommen und machen weiter wie bis jetzt.»

Warum hat es denn nicht besser geklappt? «Das hat nichts mit dem Aargau oder unserer Arbeit zu tun», erklärt Elisabeth Burgener. «Die Grosswetterlage in Europa hat sich verändert, die Flüchtlingsthematik war dominant und hat andere Themen in den Hintergrund gedrängt. Die Angst vor den Fremden hat die SP im konservativen Aargau viele Stimmen gekostet.»

Verluste befürchtet

Auch Katharina Kerr, die von 1993 bis 2009 für die SP im Grossen Rat sass und die Geschichte der SP im Aargau seit 1977 mitprägte, hat an der Mobilisierungskampagne mitgemacht und für die SP telefoniert. Und auch sie ist überzeugt, dass die Kampagne wirkt.

Dennoch hat die erfahren Politikerin Kerr schon im Vorfeld Verluste für die SP befürchtet. Dies aus zwei Gründen: Vor vier Jahren habe Pascale Bruderer, die auch noch auf der Nationalratsliste stand, der SP viele Stimmen gebracht. Diesmal fehlte eine Persönlichkeit, die über alle Parteigrenzen hinweg Stimmen generieren konnte.

Katharina Kerr, ehemalige SP-Grossrätin: «Es geht gar nicht um den Aufstand der Anständigen. Es geht um den Anstand der Aufständigen.»

Katharina Kerr, ehemalige SP-Grossrätin: «Es geht gar nicht um den Aufstand der Anständigen. Es geht um den Anstand der Aufständigen.»

Sophie Rüesch

Zudem habe sich das politische Umfeld völlig verändert. Vor vier Jahren habe der Fukushima-Schock die Menschen für rot-grüne Politik sensibilisiert. Heute bewirtschafte die SVP das Thema Flüchtlinge und mobilisiere viele verängstigte Schweizer. Kerr glaubt nicht, dass die SP das Thema verpasst hat. «Die SP Aargau hat sehr wohl klar Position bezogen», sagt sie und verweist auch auf den «Aufstand der Anständigen» in Aarau. Wobei ihr dieser Begriff überhaupt nicht gefällt. «Es geht gar nicht um einen Aufstand der Anständigen. Es geht um den Anstand der Aufständigen», erklärt sie den für sie entscheidenden Unterschied.

Vorläufiges Fazit der SP: nichts falsch gemacht, sondern in erster Linie einfach Pech gehabt.