Fall Anna
Nach Bundesgerichts-Entscheid: Anna mit Mutter nach Mexiko zurückgereist

Nachdem das Bundesgericht zum Schluss kam, dass die neunjährige Anna zu ihrer Mutter nach Mexiko zurückkehren muss, hat die Ausreise nun stattgefunden.

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Die neunjährige Anna ist zurück nach Mexiko gereist.

Die neunjährige Anna ist zurück nach Mexiko gereist.

«Nachdem das Obergericht und das Bundesgericht den Antrag des Vaters auf Verzicht auf die Rückführung des Kindes abgelehnt haben, ist die Mutter mit ihrer Tochter nach Mexiko zurückgereist», teilt das Departement Volkswirtschaft und Inneres (DVI) heute mit. Zuvor seien verschiedene Mediations- und Vermittlungsversuche zwischen den Eltern gescheitert.

Rückblick: Die neunjährige Anna hatte seit ihrer Geburt mit ihren Eltern – eine mexikanische Mutter und der Schweizer Benjamin Hess – in Mexiko gelebt. Im Oktober 2013 trennten sich die Eltern, ihnen wurde nach mexikanischem Recht die gemeinsame elterliche Sorge zugesprochen. Die Obhut über Anna hatte jedoch die Mutter. Der Vater kehrte in die Schweiz zurück.

Im Juni 2014 reiste Anna für einen Ferienaufenthalt zu ihrem Vater ins Freiamt. Aus diesen Ferien habe der Vater das Kind entgegen der Vereinbarung mit der Mutter nicht zurück nach Mexiko gebracht, schreibt das DVI. Die Mutter wandte sich daraufhin mit dem Antrag an das Obergericht, Anna sei zu ihr zurückzubringen.

Zunächst wies das Obergericht im Februar diesen Jahres den Antrag der Mutter ab. Das Bundesgericht hob diesen Entscheid am 30. April aber auf und ordnete die Rückführung Annas nach Mexiko an.

Daraufhin beantragte Vater Benjamin Hess, die Rückführung sei wegen einer möglichen gesundheitlichen Gefährdung seiner Tocher zu überprüfen. Unter anderem soll Anna Selbstmordabsichten geäussert haben, sollte sie nach Mexiko zurück müssen. Zwischenzeitlich flüchtete gar die Grossmutter des Mädchens mit Anna nach Südfrankreich, wurde dort aber bald aufgegriffen.

Ein kinderpsychiatrisches Gutachten kam schliesslich zum Ergebnis, dass das Mädchen reisefähig sei und durch eine Rückführung weder psychisch noch physisch beeinträchtigt würde. Das Obergericht wies den Antrag des Vaters gestützt auf dieses Gutachten erneut ab. Hess zog den Entscheid des Obergerichts Anfang Juli vor das Bundesgericht. «Wir haben einen klaren Auftrag vom Kind. Den müssen wir weiterhin wahrnehmen, wenn es die Behörden schon nicht tun», sagt er. Anna habe während des inzwischen mehrmonatigen Verfahrens mehrmals betont, ihr Wunsch sei in der Schweiz zu bleiben. Das Bundesgericht wies den Entscheid jedoch ebenfalls ab.

Vater und Klassenkameraden der Neunjährigen durften sich persönlich und unter Aufsicht von Anna verabschieden, bevor sie zusammen mit ihrer Mutter nach Mexiko zurückflog. Benjamin Hess zeigt sich vom Rechtsstaat Schweiz «wahnsinnig enttäuscht»: «Eigentlich haben wir ein grossartiges System, aber ab und zu passieren Fehler. Die können sich die Richter dann unter keinen Umständen eingestehen.» (az)

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