Mehrere Jugendorganisationen, darunter die Jungschar Schöftland, haben dieser Tage Post vom Bundesamt für Sport (Baspo) erhalten. In einem der az vorliegenden Brief hält das Amt fest, dass Organisationen, «bei denen die Glaubensvermittlung im Zentrum ihrer Aktivitäten steht», von Subventionen im Rahmen von Jugend und Sport (J+S) – die sie bisher erhielten – ausgeschlossen werden. Das Bundesamt beruft sich bei diesem Entscheid auf Bundesverwaltungsgerichts-Urteile.

«Zu religiös für J+S-Fördergelder» titelte daraufhin der «Tages-Anzeiger», und schrieb, betroffen seien in der Schweiz über 8000 Lagerteilnehmende und 1200 Leiter pro Jahr. Organisationen wie Cevi, Blauring, Jungwacht oder Pfadi sind vom Baspo-Entscheid nicht betroffen, wohl aber Jungscharen von Freikirchen wie EMK, Chrischona oder den Freien Evangelischen Gemeinden. Ausgeschlossen werden demnach auch Jungscharen, die dem Bund Evangelischer Schweizer Jungscharen (BESJ) angeschlossen sind.

Lagercoach hofft auf Umkehr

Urs Lüthi war schon als Jugendlicher in der BESJ Jungschar Schöftland dabei. Er ist damit aufgewachsen, und coacht heute zwei Gruppen in diesem Verband. Allein in der Region Suhrental/Wiggertal gibt es sieben BESJ Jungscharen. Lüthi versteht den Entscheid des Baspo nicht und hat das in seinem Antwortschreiben auch kundgetan: «Wir vermitteln und leben in unserem Programm auch christliche Werte, das stimmt, das gehört aber auch dazu», ist Lüthi überzeugt.

Und wie äussert sich das? Etwa in morgendlichen Bibelbetrachtungen von 15 bis 30 Minuten. Einmal im Tag mache man in einem Lager eine halb- bis dreiviertelstündige themenbezogene biblische Betrachtung oder Andacht, sagt Lüthi. Das könne auch ein entsprechendes Theaterstück sein. In den Jungscharen seien Jugendliche aus Freikirchen, aber auch Mitglieder der katholischen und reformierten Kirche dabei, und selbst Jugendliche, deren Eltern überhaupt keiner Kirche angehören, so Lüthi.

Er leitet solche J+S-Lager seit 37 Jahren, hat als Coach auch schon Pfadi- und Schullager betreut: «37 Jahre lang wurden die J+S-Gelder für die Jungschar von ‹Bern› aufgrund der von uns eingereichten Programme problemlos bewilligt, jetzt plötzlich nicht mehr. Das kann ich nicht nachvollziehen.» Man erfülle alle Bedingungen für die J+S-Gelder, mache täglich im Lager die geforderten vier Stunden Sport- und Lageraktivitäten und belege dies auch jederzeit. Er fragt sich, wohin die neuen Kriterien des Baspo führen könnten. Er fragt: «Dürfen künftig womöglich Leute mit religiöser Grundhaltung nicht mehr Lehrer sein?»

Wenn das Baspo an seinem Entscheid festhält, müssten die betroffenen Verbände ihre Lagerbeiträge massiv erhöhen. Das könnte abschreckend wirken, so Lüthi, auch weil man dann auf das Gütesiegel J+S verzichten müsste. Er fände es sehr schade, wenn dann viele Kinder und Jugendliche das Lager-Gemeinschaftserlebnis, «eine erlebnisgeprägte, aktive Freizeitgestaltung nicht erfahren, und letztlich diese Lebensschule verpassen würden». Er hofft auf eine Umkehr in Bern.

Flückiger: Entsetzt über Entscheid

«Ich war entsetzt, als ich von diesem Entscheid des Bundesamtes für Sport las. Ich kann es nicht glauben», sagt die Aargauer SVP-Nationalrätin Sylvia Flückiger kopfschüttelnd. Sie will die betroffenen jungen Leute unterstützen und hat in der Sondersession des Nationalrats umgehend eine Interpellation eingereicht. Darin fragt sie den Bundesrat, ob es korrekt sei, dass es für die Streichung dieser Subventionen «keinen konkreten äusseren Anlass oder Vorfall gab»? Und ob der Bundesrat nicht auch der Meinung sei, «dass wir zu unseren westlichen und christlichen Werten stehen sollten», stehe doch in der Bundesverfassung die Präambel «Im Namen Gottes des Allmächtigen».

Für die SVP-Nationalrätin ist klar: «Es ist eine Diskriminierung, wenn christliche Wertevermittlung gegenüber politischer und ideeller Wertevermittlung unterschiedlich bewertet respektive nicht mehr unterstützt wird.» Dabei vergleicht sie die betroffenen Verbände mit Jugendorganisationen von Umweltverbänden, Gewerkschaften und Organisationen mit sozialpolitischer Agenda. Schliesslich will Sylvia Flückiger wissen, ob der Bundesrat – falls notwendig – bereit wäre, eine Gesetzesänderung vorzuschlagen, damit diese Organisationen wieder bei J+S dabei sein können.

Kritik kommt auch von der EVP

Nicht verständlich ist der Entscheid auch für die Aargauer EVP-Grossrätin und Geschäftsführerin des Blauen Kreuzes Aargau/Luzern, Lilian Studer. Das Blaue Kreuz ist vom Entscheid nicht betroffen, trotzdem fühlt Studer mit. Die Evangelischen Jungscharen hätten seinerzeit den J+S-Lehrgang sogar mit aufgebaut, ruft sie in Erinnerung, und fragt: «Jetzt sollen sie ausgeschlossen werden?» Gewiss hätten diese Organisationen einen christlichen Hintergrund. Studer: «Das soll auch so sein. Sie machen aber eine ganzheitliche Lagerarbeit, und erfüllen die Bestimmungen von J+S. Es gibt keinen Grund, sie auszuschliessen. Schliesslich leben wir ja in einem christlichen Land.»