TalkTäglich
Nach Blattmann-Kritik: «Der Zivildienst ist kein Schoggi-Job»

Ist der Bestand der Armee durch die zunehmende Popularität des Zivildienstes tatsächlich gefährdet, wie Armeechef André Blattmann sagt? Darüber diskutieren ein Zivil- und ein Militärdienstleistender im TalkTäglich auf Tele M1.

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Mit seinen Aussagen zum Zivildienst löste Armeechef André Blattmann hitzige Debatten aus. Im Interview mit der «Nordwestschweiz» kritisierte er am Montag den Beschluss des Parlaments, künftig Zivildienstleistende auch an Schulen zuzulassen und sagt, die Truppenbestände der Militärs seien durch den Zivildienst gefährdet.

Wie sehen das Direktbetroffene? Im TalkTäglich diskutieren Titus Meier, Militärhistoriker und Aargauer Grossrat und Nicola Goepfert, Zivildienstleistender und Geschäftsführer des Zivildienstverbands Schweiz über das Thema «Zivildienst statt Militärdienst».

«Als Zivi hat man normale Arbeitszeiten», sagt Nicola Goepfert. Er habe sogar oft mehr gearbeitet. Zum einen, weil ihm die Arbeit am Mittagstisch Spass machte, andererseits habe er gemerkt, dass es den Kindern zu Gute komme. Am Abend sei er jeweils müde nach Hause gekommen. «Der Zivildienst ist kein Schoggi-Job. Ich bin auch nicht jeden Abend in den Ausgang.»

Dass er wegen seiner Überzeugung, keinen Militärdienst leisten zu wollen, um die Hälfte länger Dienst leisten muss, wie wenn er das Militär machen würde, findet er überrissen. «Eineinhalbmal so langer Dienst finde ich zu viel.» Der Zivildienst fordere einen genau wie das Militär auch.

Bei Titus Meier stösst er mit dieser Aussage auf Widerspruch. «Dass der Zivildienst in den 1990er-Jahren eingeführt wurde, war eine Verbesserung.» Für zu lang hält er den Zivildienst aber nicht. «In der Verfassung ist der Wehrdienst verankert.» Wer aus ideologischen Gründen diesen Dienst nicht absolvieren wolle, soll das tun dürfen. Einen Vorteil gegenüber den Militärdienstleistenden dürften Zivis aber nicht haben.

Macht die Armee etwas falsch?

«Die Armee braucht einen gewissen Bestand, um zu funktionieren», sagt Titus Meier. Rund 5800 Taugliche entschieden sich letztes Jahr dennoch für den Zivildienst. «Macht die Armee da etwas falsch?», fragt Moderator Stefan Schmid die beiden Diskutierenden.

Eine klare Antwort darauf geben die Gäste nicht: Während Titus Meier davon spricht, dass viele sich für den Zivildienst entscheiden würden, um nicht während den Wiederholungskursen drei Wochen am Arbeitsplatz zu fehlen, sagt Nicola Goepfert, es komme auf die Rekrutenschule an, wie viele Dienstleistende während des Militärs zum Zivi würden.

Dass die Armee wegen der Zivildienstleistenden um ihre Bestände zu kämpfen habe, stimmt laut Nicola Goepfert nicht. «Die Zivildienstler machen keinen solchen grossen Teil aus.» Da seien die Zahlen der Untauglichen, die weder Zivil- noch Militärdienst leisteten, schon eindrücklicher.

Sind die Untauglichen ein Problem? «Die Zahl der UTs ist mit einem Drittel zu hoch», sagt Titus Meier. Vor allem wenn man beachte, dass auf dem Land viel weniger Leute untauglich seien als in der Stadt. «So unterschiedlich können diese Leute ja nicht sein.»

Mit früheren Zahlen könne man die Zahl der Untauglichen aber dennoch nicht vergleichen. Die Ausbildung heute sei anders. Heute prüfe man genauer, ob jemand für das Militär tauge.

Bei der Frage, wie sich der Zivildienst künftig entwickeln soll, sind sich Nicola Goepfert und Titus Meier uneinig. Goepfert begrüsst den Entscheid des National- und Ständerates, künftig Zivis auch an Schulen zuzulassen. Für Titus Meier ist diese Änderung falsch. Der Lehrerberuf sei zu attraktiv, in den Altersheimen zum Beispiel würde das Angebot an Zivildienstplätzen nur zu ca. 30 Prozent genutzt. Das System dürfe nicht so verändert werden, dass diejenigen, die den in der Verfassung verankerten Militärdienst leisteten, benachteiligt würden. (meb)