Führerausweis

Nach «Billett»-Entzug trotz freiwilliger Abgabe: Der Aargau zeigt, dass es auch anders geht

Nicht nur dankende Worte, auch einen SBB-Gutschein erhält Therese Steinmann vom Kanton Aargau für ihre Rückgabe des Führerausweises.

Nicht nur dankende Worte, auch einen SBB-Gutschein erhält Therese Steinmann vom Kanton Aargau für ihre Rückgabe des Führerausweises.

Der Fall eines Baselbieter Rentners, der freiwillig seinen Führerausweis abgab und dafür ein Schreiben mit fragwürdiger Formulierung erhielt, schlug bei unseren Lesern hohe Wellen. Ein Beispiel aus dem Kanton Aargau zeigt, wie man die Rückgabe des «Billetts» auf nette Art und Weise bestätigen kann.

«Behördenarroganz vom Feinsten», schrieb ein Leser. «Unflexible Bürokratie», meinte ein anderer. Der Artikel über den Baselbieter Hansruedi Rentsch hat bei den Lesern unserer Nachrichtenportale grosse Entrüstung ausgelöst.

Der 82-jährige Rentner hatte im Oktober letzten Jahres freiwillig seinen Führerausweis abgegeben. Wenige Wochen später erhielt er die Bestätigung mit dem Hinweis, dass die freiwillige Rückgabe des «Billetts» die gleiche Wirkung wie die eines Entzugs habe. Für Rentsch, der für seinen Schritt zumindest ein paar Worte der Dankbarkeit erwartet hätte, ist das eine Ungerechtigkeit.  

Dankesbrief mit SBB-Gutschein

Wenige Stunden, nachdem der Artikel über die Dreistigkeit der Baselbieter Behörde erschienen ist, meldeten sich Therese und Heinz Steinmann aus dem Kanton Aargau per E-Mail bei der Redaktion dieser Zeitung. «Man kann es auch so machen», schreiben die beiden und fügen ihrer Nachricht einen Dankesbrief des Aargauer Strassenverkehrsamts an. 

Darin wird Therese Steinmann, die ihren Führerausweis im letzten Jahr freiwillig zurückgegeben hat, für ihren «verantwortungsbewussten Entscheid» gedankt. Und nicht nur das: für den Verzicht aufs Autofahren wird die Rentnerin auch noch mit einem Gutschein der SBB belohnt. 

Das Schreiben vom Aargauer Strassenverkehrsamt, dass Therese Steinmann nach ihrem freiwilligen Verzicht auf den Führerausweis erhalten hat.

Das Schreiben vom Aargauer Strassenverkehrsamt, dass Therese Steinmann nach ihrem freiwilligen Verzicht auf den Führerausweis erhalten hat.

«Ich habe mich sehr über diesen Brief gefreut, es hat mich stolz gemacht», erklärt Therese Steinmann auf Anfrage. Die Dankesworte und den offerierten Gutschein habe sie sehr geschätzt. Über den Fall des Baselbieter Rentners sagt sie: «Wenn jemand einsichtig ist und freiwillig seinen Führerausweis abgibt, ist es sehr unschön, solche Post zu erhalten.»     

Andere zur Abgabe des «Billetts» ermuntern

Therese Steinmann, die dieses Jahr ihren 80. Geburtstag feiern darf, hat sich nach einem längeren Spitalaufenthalt dazu entschlossen, ihren Führerausweis freiwillig zurückzugeben. «Ich habe einfach die Übung verloren», erklärt die Aargauerin ihren Entscheid. Auch der stetig zunehmende Verkehr auf den Strassen habe beim Schritt eine Rolle gespielt.

Die Rentnerin ermuntere auch selbst immer wieder andere, ihrem Beispiel zu folgen, sobald sich Unsicherheiten am Steuer zeigen – so zuletzt etwa ihre Schwägerin. Dabei habe sie allerdings unterschiedliche Reaktionen erhalten, wie sie erklärt. «Manche begrüssen es, dass man sie darauf anspricht. Es gibt aber immer noch viele, die sehr blöd tun, wenn es um das Abgeben des ‹Billetts› geht.»

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