Aargau

Nach Ärger um holprige Kantonsstrasse: Baufirmen sind unter grossem Druck

Autofahrer berichten von einer unruhigen Fahrt auf der neu sanierten Kantonsstrasse zwischen Schafisheim und Seon.Chris Iseli

Autofahrer berichten von einer unruhigen Fahrt auf der neu sanierten Kantonsstrasse zwischen Schafisheim und Seon.Chris Iseli

Sanierte Kantonsstrasse zwischen Seon und Schafisheim steht in der Kritik. Das Bonus-System erhöht den Stress für die Arbeiter, sagen die Gewerkschaften.

Seit der unebene, neu sanierte Belag auf der Kantonstrasse zwischen Schafisheim und Seon publik geworden ist, häuft sich die Kritik von Autofahrern. In Online-Kommentaren beschweren sie sich über die holprige Fahrbahn. Der Strassenabschnitt war diese Woche auch Thema im Gemeinderat von Seon. Dort heisst es, man habe Unebenheiten festgestellt und dem Kanton gemeldet. 

Die verantwortliche Baufirma Implenia teilt auf Anfrage mit, die Ursache der Unebenheiten sei zum jetzigen Zeitpunkt noch unklar und werde untersucht. Unbeantwortet bleibt die Frage, ob die deutlich kürzere Bauphase mit den gemeldeten Mängeln zusammenhängt. Weil die Strasse bereits am 31. Juli statt am 10. August freigegeben werden konnte, steht der Firma ein Bonus zu. Der Kanton setzt das Anreizsystem bei Strassenbauprojekten nur dann ein, wenn es besonders schnell gehen muss, weil eine viel befahrene Strecke betroffen ist.

Den Zeitdruck bekommen vor allem die Bauarbeiter zu spüren: Zweischichtbetrieb, Wochenendeinsätze, Nachtarbeit. Die Gewerkschaft Unia beurteilt das System «äusserst kritisch». «Die Arbeit muss so schnell wie möglich gemacht werden, die Qualität leidet», sagt Bajram Arifaj von der Unia Aargau. Für die Arbeiter heisse das: «Mehr Druck, mehr Stress.» Deswegen würden sich bei der Gewerkschaft die Beschwerden häufen.

Risiko Regen

Die Bauunternehmer seien sich der Belastung für ihre Mitarbeiter bewusst, sagt Anton Notter, Präsident der Vereinigung Aargauer Strassenbauunternehmungen und Geschäftsleiter der Cellere AG. «Sie werden in dieser Phase aus ihrem sozialen Umfeld genommen.» Deshalb sei es wichtig, dass die Phasen mit erhöhtem Zeitdruck nicht zu lange dauerten. Doch letztlich entspreche es dem Wunsch der Autofahrer, dass die Strassen möglichst kurz gesperrt seien.

Wie hoch der Bonus im aktuellen Fall ist, wollen die Beteiligten nicht sagen. Den Betrag, der pro Tag Verzug oder Vorsprung fällig ist, legt der Kanton fest. Für die Baufirmen ist das System mit Risiken verbunden. Wann genau die Arbeiten fertig sind, hängt auch vom Wetter ab. «Bei Regen kann die erforderliche Qualität nicht erreicht werden», sagt ein Aargauer Bauunternehmer. Regnet es, können bestimmte Arbeiten am Belag nicht gemacht werden, weil die Schichten nicht aneinanderhaften. Die Sanierung der Kantonsstrasse fiel auf den Juli – einen regnerischen Monat. Die Implenia schreibt: «Die Belagsarbeiten sind bei guten Wetterbedingungen erfolgt und dank einer guten Logistiklösung, leistungsfähigen Maschinen und rund einem Viertel mehr Personal als ursprünglich vorgesehen sehr effizient verlaufen.»

Dass die Aussicht auf Boni zu schludriger Arbeit führt, weist Anton Notter vehement zurück: «Kein Bauunternehmen kann sich Pfusch leisten. Muss Ersatz geleistet werden, kann der Ruin drohen.» Sie können nur die Kosten für die geglückten Arbeiten berechnen, der Schaden lässt sich nicht versichern: «Das geht schnell in die Millionen.»

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