Lebensmittelsicherheit
Nach Aargauer Fleischskandal: Wie kann man sich vor betrügerischen Metzgern schützen?

Abgelaufenes Fleisch neu etikettiert, konventionelles Fleisch als «Bio» deklariert – und das in fast 4000 Fällen. Die Vorwürfe gegen die Mitarbeiter eines Aargauer Warenhauses sind happig. Was bleibt, ist die Unsicherheit bei den Konsumenten. Wie können sie sich vor Fleischbetrug schützen?

Lukas Scherrer
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Hunderte Kunden dürften durch den Betrugsfall im Aargauer Warenhaus getäuscht worden sein. Doch gibt es Möglichkeiten, sich zu schützen? (Symbolbild)

Hunderte Kunden dürften durch den Betrugsfall im Aargauer Warenhaus getäuscht worden sein. Doch gibt es Möglichkeiten, sich zu schützen? (Symbolbild)

Keystone

Fleischfans dürfte sich nach Bekanntgabe dieses dreisten Betrugsfalls der Magen umgedreht haben: Über Jahre hinweg haben fünf Mitarbeiter eines Aargauer Warenhauses Fleisch mit abgelaufenem Verkaufs- und Verbrauchsdaten kurzerhand neu etikettiert und wieder zum Verkauf angeboten. Rund drei bis vier Kilogramm Fleisch sollen so Woche für Woche umgepackt worden sein.

Auch bei der Deklaration wurde regelmässig getrickst und konventionelles Fleisch mit dem Qualitätslabel «Bio» ausgewiesen. Insgesamt werden den fünf Mitarbeitern 3920 Betrugsstraftaten sowie Urkundenfälschungen in ebenso vielen Fällen vorgeworfen. Bislang hütet sich die Aargauer Oberstaatsanwaltschaft, den Namen des betroffenen Warenhauses zu nennen. Sie beruft sich auf das Amtsgeheimnis.

Keine Experimente mit abgelaufenem Fleisch

Das grosse Nachsehen hat nun der Konsument: Fünf Jahre lang blieb der skandalöse Umgang mit Frischfleisch im Aargauer Warenhaus unentdeckt – und das abgelaufene Fleisch landete bei Hunderten Kunden auf dem Teller.

Zwar lagen die Ablaufdaten der umverpackten Fleischprodukte nach aktuellem Ermittlungsstand jeweils «nur» einige Tage zurück. Doch ist der Verzehr solchen Fleischs für den Konsumenten auch wirklich gefahrlos?

Geht es nach dem Amt für Verbraucherschutz & Lebensmittelkontrolle des Aargauer Departements Gesundheit und Soziales lässt sich diese Frage nicht grundsätzlich beantworten. «Fleisch gehört zu den Lebensmitteln, die mikrobiologisch leicht verderben», erklärt Amtsleiterin Alda Breitenmoser gegenüber der az. Darum müssten diese auch zwingend mit einem Verbrauchsdatum gekennzeichnet werden. Breitenmoser hält fest: «Es liegt in der Verantwortung des Konsumenten, abgelaufenes Frischfleisch kurz über die Haltbarkeitsfrist hinaus zu verzehren.»

Die grössten Fleischskandale in der Schweiz

- 2011 sorgte der Detailriese Coop für Schlagzeilen nachdem Recherchen der Konsumentensendung «Kassensturz» enthüllte, dass in mindestens 24 Filialen in sieben Kantonen abgelaufenes Fleisch verkauft wurde.

- Nur wenige Tage später musste auch die Migros gegenüber «Kassensturz» einräumen, verpacktes Fleisch – selbst Tage nach dem Ablaufdatum – ausgepackt und an der Frischtheke verkauft zu haben. Betroffen waren damals allerdings nur zwei Migros-Filialen. Die Vorfälle lagen bei Veröffentlichung des Skandals drei Jahre zurück.

- 2014 geriet der Bündner Fleischhändler Carna Grischa ins Visier der Staatsanwaltschaft nachdem der «SonntagsBlick» publik machte, dass das Unternehmen Pferde- als Rindfleisch verkauft, ungarisches Poulet als schweizerisches oder Gefrier- als Frischfleisch verkauft hatte. Zudem seien Verfallsdaten auf den Verpackungen verändert worden.

Doch gibt es denn wenigstens einen Trick, um abgelaufenes Fleisch zu erkennen? «Nein», erklärt die Amtsleiterin. «Mikroorganismen sieht man nicht und oft riecht man sie auch nicht.» Wenn die Verderbniserscheinungen jedoch sensorisch wahrnehmbar seien, – etwa durch ranzige Fehlgerüche, Verfärbungen oder schmierige Oberflächen – solle man auf jeden Fall auf den Verzehr dieser verdorbenen Lebensmittel verzichten, unabhängig von der Datierung.

Anders als bei nicht leicht verderblichen Lebensmitteln wie getrockneten Teigwaren, Mehl oder Konfitüren rät die Amtsleiterin darum von Experimenten mit abgelaufenem Frischfleisch dringend ab.