Aarau
Nach 168 Jahren in der Garnisonsstadt: Wehmut beim Kommandanten und dem Regierungsrat

Mit einem Marsch durch die Innenstadt verabschiedete sich das Kommando der Infanterie-Durchdiener aus Aarau und damit auch aus dem Kanton Aargau. «Der Regierungsrat lässt Sie heute nicht gerne gehen», sagte Militärdirektorin Franziska Roth vor dem Regierungsgebäude.

Mario Fuchs
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Für den grossen Abschied unterbrach der Gesamtregierungsrat sogar seine wöchentliche Sitzung: Kurz nach 10.30 Uhr an diesem Mittwochmorgen treten Franziska Roth, Urs Hofmann, Alex Hürzeler, Stephan Attiger, Markus Dieth und Staatsschreiberin Vincenza Trivigno auf den Balkon des Regierungsgebäudes.

Bereits bereit stehen zahlreiche Vertreter in Uniform: Offiziere, Stabschefs, Kommandanten. Aktuelle und Ehemalige. Es ist ein Klassentreffen von Waffenbrüdern.

Denn an diesem Mittwoch wird in Aarau das Kdo Inf DD 14, das Kommando Infanterie-Durchdiener 14, verabschiedet. Im Rahmen der Weiterentwicklung der Armee wurde beschlossen, dass diese Rekrutenschule per Anfang Oktober nach Birmensdorf ZH zügelt.

Die Aargauer Militärdirektorin Franziska Roth zeigt sich bewegt: «Der Regierungsrat lässt Sie heute nicht gerne gehen», sagt sie zu den Rekruten, die sich auf dem Aargauerplatz sauber aufkolonniert haben.

Roth richtet sich auch an die Kritiker der Armee: Es gebe ja immer wieder Stimmen, die die Abschaffung forderten. «Aber ich gehe davon aus, dass auch diese Mitbürger in Sicherheit leben wollen. Ohne Sicherheit gibt es keine Freiheit. Dazu müssen wir unseren Beitrag leisten.»

Seit dem Bau der Aarauer Kaserne im Jahr 1849 war die Infanterie Teil des Stadtbilds, Teil der Identität Aaraus. Entsprechend emotional wurde die Verabschiedung.

Schulkommandant Felix Huber sagte: «Die Homebase Aarau war die Heimat der Infanterie des Mittellandes.» Entsprechend würden sich Erzählungen von anstrengenden Märschen, langen Nächten und harten Übungen um diesen Waffenplatz ranken.

«Aber wann immer man das Dach der Kaserne Aarau aus dem Nebel erblickte, wusste man: Das Bett ist nah, oder der Ausgang nicht mehr weit weg», brachte Oberst Huber seine Verbundenheit zum Ausdruck. Selbst hatte er ebenfalls in Aarau seine RS absolviert.

Es sei ihm wichtig, heute der Stadt Aarau und dem Kanton Aargau Danke zu sagen. «Aarau war unsere Heimat. Zuhause sollte man sich wohlfühlen. Und das taten wir auch.»

Mit einem Marsch vom Regierungsgebäude zur Kaserne, angeführt vom Rekrutenspiel 16-2/2017, verabschiedete sich die Infanterie mit letzten Paukenschlägen aus der Garnisonsstadt Aarau.