Wirtschaft

NAB-Finanzanlass: Optimistische Worte und ein prominenter Gast aus Deutschland

NAB-Chefökonom Philipp Knecht hegt gute Erwartungen für 2020. Joachim Gauck wirbt für Toleranz.

Rund 400 Gäste fanden zum traditionellen Finanzanlass der Neuen Aargauer Bank (NAB) nach Aarau. Gastgeber Roberto Belci verwies gleich darauf, wie positiv die Finanzbranche vom Jahr 2019 überrascht worden sei.

Er durfte zwei hochspannende Referate ankünden. Zum ersten einen Ausblick auf die Finanzmärkte 2020 durch NAB-Chefökonom Philipp Knecht. Und zum zweiten tiefschürfende Gedanken des ehemaligen deutschen Bundespräsidenten Joachim Gauck über Toleranz.

Privater Konsum bleibt Wachstumsstütze

Philipp Knecht legte in seiner mit zahlreichen Charts unterlegten Analyse dar, dass die Schweizer Exporteure die negativen Folgen der Verlangsamung des Weltwirtschaftswachstums und des Handelskonflikts 2019 zwischen den USA und China spüre.

«Als Fels in der Brandung» hätten sich da die Konsumentinnen und Konsumenten erwiesen. Sie erwarteten, so der NAB-Chefökonom, «dass der private Konsum auch 2020 eine Wachstumsstütze bleiben wird. Die Arbeitslosenquote ist tief und die gesunkene Inflation erhöht die Kaufkraft».

2019 wurde die Flucht ins Bargeld etwas gestoppt.

2019 wurde die Flucht ins Bargeld etwas gestoppt.

Laut Knecht wirken zudem positive Vermögenseffekte wie die gestiegenen Immobilienpreise und die positive Entwicklung der Aktienmärkte 2019. «Wir erwarten eine Aufhellung der Konjunkturperspektiven in Europa, die den Exportsektor unterstützen wird und rechnen mit einem BIP-Wachstum von 1,4 Prozent.»

Das Wachstum in der Eurozone wurde 2019 vor allem durch den Dienstleistungssektor getragen, während die Industrie in die Rezession rutschte. Der NAB-Chefökonom erwartet, dass sich diese Schere 2020 schliessen wird. Es gebe Anzeichen bei den Konjunkturindikatoren, dass sich die Industrie in einer Bodenbildung befinde, so Knecht.

Die Fiskalpolitik könnte zwar leicht expansiver werden, ein grösserer Fiskalimpuls in Deutschland, wie von der Europäischen Zentralbank gefordert, erscheine aber unwahrscheinlich: «Wir gehen in unseren Szenarien von einer Entspannung beim Handelskonflikt zwischen den USA und China aus», so Knecht.

Wie soll man in diesem Jahr investieren?

Knecht findet, es führe weiterhin kein Weg an Aktien vorbei: «Wir glauben, dass sie in den nächsten Monaten die bevorzugte Anlageklasse mit positiver Performance sein werden.»

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Dabei müsse man jedoch die politischen Risiken im Auge behalten – die jüngste Eskalation zwischen den USA und dem Iran zum Beispiel. Der langfristige Aufwärtstrend der Aktien bleibe aber intakt, sofern die Lage nicht weiter eskaliert.

Gauck: «Ich vermisse Euch sehr in Europa!»

Im von Sonja Hasler souverän moderierten Anlass warb Joachim Gauck für Verantwortung und Toleranz. Er hätte sich nie träumen lassen, so der in der DDR aufgewachsene frühere Pastor, «dass ich als 80-Jähriger in einem freiheitlichen Land nochmals für Toleranz werben muss». Er verwies damit ein in Deutschland erschienenes Buch aus seiner Feder zum Thema.

Joachim Gauck besucht Aarau

Joachim Gauck im Interview mit Tele M1.

Von Hasler auf die Schweiz angesprochen, lobte er, wie man es in der Schweiz geschafft habe, mit verschiedenen Kulturen und Sprachen zueinander zu finden. Es habe gewiss «auch mal geknirscht und geblutet». Doch das Schweizervolk halte die Verschiedenheiten aus, so Gauck anerkennend. Andere könnten da schon was lernen. Er rief denn auch in den Saal: «Ich vermisse Euch sehr in Europa!»

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