Peter Bühlmann (55), verheiratet, zwei erwachsene Kinder, ist seit sieben Jahren Präsident der Geschäftsleitung der Neuen Aargauer Bank (NAB). Mit seiner Funktion ist er «restlos zufrieden». Es gebe «keinen einzigen Grund» für einen Wechsel.

Herr Bühlmann, wie zufrieden sind Sie mit dem Ergebnis der NAB?

Peter Bühlmann: Unter Berücksichtigung des schwierigen Umfelds ist das Resultat erfreulich.

Ihre Zurückhaltung ist verständlich: Der Reingewinn fiel 2013 erneut tiefer aus als im Vorjahr.

Die Bankbranche ist nach der Finanzkrise mit einer neuen Realität konfrontiert worden. Es herrscht eine neue Bescheidenheit. Die Bäume wachsen nicht mehr in den Himmel, weil die NAB eine sehr vorsichtige Risikopolitik hat.

Die Jagd nach zweistelligen Eigenkapitalrenditen ist vorüber ...

Zurück zur Realität: Lieber weniger hohe Gewinne, aber die dafür nachhaltig Jahr für Jahr erzielen. Es ist wegen unserer nachhaltig ausgerichteten Geschäftspolitik nicht unser Ziel, den Gewinn kurzfristig zu optimieren.

Sie verdienten wie im Vorjahr eine Million Franken. Welche Ziele mussten Sie dafür erreichen?

Unsere Vision lautet: Die Bank der ersten Wahl im Kanton Aargau zu sein. Zudem will unsere Eigentümerin, die Credit Suisse (CS), dass wir nachhaltig Erträge abliefern. Das haben wir erreicht. Wir bauten das Anlage- und Vorsorgegeschäft aus und zogen 1,2 Milliarden Franken an neuen Kundengeldern an. Damit haben wir die in uns gesetzten Ziele erreicht.

Bei den Hypothekardarlehen legten Sie mit 1,2 Prozent unterdurchschnittlich zu. Warum?

Wir stellten 2012 die Weichen. Ausbauen wollen wir das Anlage- und Vorsorgegeschäft. Bei den Hypothekarausleihungen hingegen wollen wir sehr gezielt wachsen. Der Preis muss stimmen. Unseren Marktanteil erhöhen wollen wir momentan nicht. Wir stellen hohe Ansprüche an die Bonität unserer Kunden. Sie müssen ihr Eigenheim auch dann finanzieren können, wenn der Zins auf fünf Prozent steigen sollte. Zu einer offenen Beratung gehört, auf Risiken beim Kauf einer Immobilie aufmerksam zu machen.

Ab Juli müssen Banken Hypotheken mit zusätzlichen Eigenmitteln unterlegen. Was bedeutet die Erhöhung des antizyklischen Kapitalpuffers um ein auf zwei Prozent?

Das erhöht die Finanzierungskosten von Hypotheken um rund 15 bis 18 Basispunkte. Daher gehe ich davon aus, dass Zinsen branchenweit um rund 20 Basispunkte oder 0,2 Prozent steigen werden. Die NAB wird wie bisher wettbewerbskonforme Preise anbieten.

Auch im Anlagegeschäft sinken die Erträge. So müssen Sie auf Retrozessionen verzichten. Geben Sie diese Rückvergütung für den Verkauf von Anlageprodukten an Ihre Kunden weiter?

Wer uns ein Mandat zur Vermögensverwaltung erteilt, bezieht ab April bei uns nur noch Produkte, auf denen keine Retrozessionen mehr bezahlt werden. Auch das zählt zum veränderten Umfeld. Generell gilt es, im Beratungsgeschäft transparent zu sein. Wir legen bereits seit 2008 offen, bei welchen Produkten Retrozessionen anfallen.

Ebenso gefallen ist das Bankgeheimnis, das Steuerhinterziehung deckt. Betreuen Sie noch Steuerflüchtlinge aus dem Ausland?

Unser grenzüberschreitendes Geschäft bewegt sich im tiefen einstelligen Prozentbereich. Mehr als 90 Prozent dieser Kunden sind Grenzgänger, die bei uns ein Salärkonto haben. Da spielt die Steuerthematik keine Rolle.

Damit weichen Sie aber elegant der Frage aus, ob Sie aktuell noch Kunden mit unversteuerten Geldern betreuen.

Grundsätzlich wollen wir nur versteuerte Gelder anziehen. Das gilt auch für Schweizer. Da fahren wir eine sehr konservative Risikopolitik, die weitgehend umgesetzt ist. Alle Auslandkunden müssen uns ihre Steuerkonformität schriftlich bestätigen.

Die CS lockt bei Bonviva-Produkten mit einem Zinssatz von 1,5 Prozent neue Spargelder an. Übertrumpfen Sie Ihre Muttergesellschaft?

Lassen Sie sich am 1. April überraschen. Dann lancieren wir im Aargau einzigartige Super-Dienstleistungspakete. Eine Komponente dabei ist ein ganz attraktiver Zinssatz. Die CS ist froh, wenn wir den Marktanteil im Kanton Aargau weiter ausbauen.

Genügen hohe Zinsversprechen, um erneut so viele Kundengelder anzulocken wie im Vorjahr?

Einen Zufluss an Kundengeldern von 1,2 Milliarden Franken hat die NAB noch nie geschafft. Selbst ein erneuter Zuwachs von einer Milliarde wäre weit überdurchschnittlich.

Wie lautet Ihre Prognose für den Reingewinn: Steigt er 2014 wieder?

Die Zinsen bleiben tief. Daher dürfte das Ergebnis etwa gleich hoch ausfallen wie im Vorjahr. Das ist eben die neue Bescheidenheit. Höhere Gewinne erzielen wir erst ab 2015.

Sie reden von Bescheidenheit. Was ist für Sie Luxus?

Zeit haben – für meine Freunde und meine Familie. Luxus ist auch mal eine Stunde am Ufer der Aare joggen zu gehen. Das brauche ich. Ich bin ein Bewegungsmensch.

Joggten Sie auch mal mit Ihrem höchsten Chef, Brady Dougan?

(Lacht). Dieses Vergnügen hatte ich bisher noch nicht.