Spurensuche

Mutmasslicher Terrorist in Aargauer Spital gesund gepflegt – wo lag der Libyer?

Der Libyer hat sich wegen Wunden durch einen Sprengkörper behandeln lassen.  (Symbolbild)

Der Libyer hat sich wegen Wunden durch einen Sprengkörper behandeln lassen. (Symbolbild)

Ein mutmasslicher Dschihadist oder Terrorist wurde in einem Aargauer Spital gesundgepflegt. Doch es ist unbekannt in welchem. Die AZ hat sich auf Spurensuche begeben.

Laut der «SonntagsZeitung» versuchten der Islamische Staat und die Terrororganisation Ansar al-Sharia, ihre Anhänger von Libyen aus nach Europa zu schleusen. In Dokumenten des italienischen Auslandsgeheimdienstes taucht der Name Abdelmutaleb al-Shami auf. Der Libyer wird je nach Quelle der dschihadistischen Sphäre zugeordnet oder als rechte Hand eines bekannten Terroristen bezeichnet.

Laut dem Artikel wurde al-Shami durch Splitter eines Sprengkörpers an der Brust, im Gesicht und am Arm verwundet. Behandeln liess sich der Mann zwischen 2011 und 2013 aber nicht in seiner Heimat, sondern in der Schweiz. «Gemäss Angaben eines Insiders konnte ihm am Schluss in einer Aargauer Klinik geholfen werden», berichtet die «SonntagsZeitung». Demnach habe die libysche Botschaft in Bern diverse Spitäler in der Schweiz kontaktiert, um dort verwundete Kämpfer behandeln zu lassen.

Baden: Nicht in der Datenbank

Doch in welchem Spital lag der libysche Patient? Am klarsten beantwortet diese Frage der AZ das Kantonsspital Baden (KSB). «Abklärungen ergaben, dass der Name Abdelmutaleb al-Shami in keiner internen Datenbank auftaucht», sagt Spitalsprecher Omar Gisler. Dies decke sich mit den Auskünften von Chefärzten, die seit längerer Zeit am KSB tätig sind.

«Sie versichern, dass keine Patienten mit dem geschilderten Hintergrund im KSB behandelt wurden.» Gisler hält weiter fest, das KSB sei nie von der libyschen Botschaft kontaktiert worden. «Es gab bei uns generell keine Anfragen zur Behandlung verwundeter Kämpfer, weder aus Libyen noch aus anderen Kriegsgebieten.»

Verweis auf den Datenschutz

Ralph Schröder, Sprecher des Kantonsspitals Aarau (KSA), erklärt auf Anfrage: «Aus Gründen des Datenschutzes und der beruflichen Schweigepflicht dürfen wir keine Auskunft über Behandlungen von konkreten Personen geben.» Es gebe aber keine Hinweise, dass in der besagten Zeit, also im Jahr 2011, eine Anfrage für die Behandlung eines verwundeten Libyers ans KSA gestellt worden wäre. Schröder sagt zudem, das Kantonsspital Aarau habe nie mit Patientenvermittlungsagenturen im Ausland zusammengearbeitet.

Laut der «SonntagsZeitung» liessen sich hochrangige Vertreter des Gaddafi- Regimes und Generäle aus Libyen lange vor al-Shami in der Schweiz operieren und behandeln – «unter anderem am Berner Inselspital», wie es im Artikel heisst. Mit diesem Spital unterhält die Hirslanden Klinik Aarau eine Kooperation – wurde der heikle Patient im Jahr 2011 vielleicht dort behandelt? Hirslanden-Kommunikationsleiter Philipp Lenz sagt: «Wir können aufgrund des Datenschutzes grundsätzlich keine Auskunft über Patienten geben.» Soweit dies aus den Unterlagen hervorgehe, sei die Hirslanden Klinik Aarau von der libyschen Botschaft jedoch nicht angefragt worden, sagt er weiter.

Privatklinik gibt sich bedeckt

In den grossen Aargauer Spitälern lag der libysche Patient mit dem islamistischen Hintergrund offenbar nicht. Wurde der verwundete Abdelmutaleb al-Shami vielleicht in einer diskreten Privatklinik behandelt? Laut dem Artikel der «SonntagsZeitung» soll der Libyer ein Vertrauter des libyschen Terroristen Wissam Ben Hamid sein. Dieser wiederum liess seine Eltern in der Westschweizer Klinik Genolier behandeln. Von dort aus gibt es eine direkte Verbindung in den Aargau. Genolier gehört zum Swiss Medical Network, das schweizweit insgesamt 17 Kliniken betreibt. Eine davon ist die Privatklinik Villa im Park in Rothrist.

Mit der Antwort auf die Frage der AZ, ob der libysche Kämpfer dort behandelt wurde, lässt sich die Medienstelle Zeit. Schliesslich teilt Sprecherin Séverine Van der Schueren mit: «Da wir der ärztlichen Schweigepflicht unterliegen, können wir keine Informationen über unsere Patienten und ihre Herkunftsländer sowie über die Betreuung, die sie erhalten, übermitteln.»

Mit falscher Identität?

Die Sprecherin hält fest, Swiss Medical Network habe die Privatklinik Villa im Park im Sommer 2013 übernommen. Die konkrete Frage, ob die Klinik in Rothrist von der libyschen Botschaft kontaktiert worden sei, lässt sie unbeantwortet. Somit bleibt vorerst offen, wo Abdelmutaleb al-Shami behandelt wurde – wenn er denn unter diesem Namen in die Schweiz einreiste.

Dies ist keineswegs sicher, wie Kurt Pelda, Mitautor des Artikels in der «SonntagsZeitung» und Islamkenner, sagt. Pelda geht davon aus, dass der Libyer möglicherweise unter falscher Identität im Aargau gesundgepflegt wurde.

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