Prozess in Brugg
Mutmasslicher Frauenschänder ist sich keiner Schuld bewusst: «Für alles habe ich bezahlt»

Ein Mann aus Hendschiken soll mehrere Frauen betäubt und geschändet haben. Die Übergriffe hat er auf Video aufgenommen. Am Dienstag hat der Prozess vor dem Bezirksgericht Brugg begonnen, der Strafantrag folgt am Mittwoch.

Noemi Lea Landolt
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Ein 63-jähriger Mann aus Hendschiken sitzt heute Dienstag und morgen Mittwoch in Brugg vor den Richtern. Ihm wird vorgeworfen, sieben Frauen bei sich zu Hause, in deren Wohnungen, in einem Keller in Dottikon oder in einem Wohnwagen in Marokko mit dem Medikament Rohypnol betäubt und anschliessend geschändet zu haben. Die mutmasslichen Übergriffe hat er auf Video aufgenommen.

Die Anklageschrift umfasst 44 Seiten und beschreibt im Detail, was auf den Videos zu sehen ist. Der Beschuldigte schlägt die Frauen, steckt ihnen diverse Gegenstände in den Mund. Die Frauen können sich wegen der sedierenden Wirkung des Medikaments nicht oder kaum wehren. Sie sagen zwar Nein, versuchen ihn wegzudrücken oder stöhnen vor Schmerzen. Doch er macht weiter.

Frauen in Lebensgefahr gebracht

Das Rohypnol führte bei den Opfern gemäss Anklageschrift zu lebensbedrohlichen Bewusstseinsstörungen. Ausserdem habe der Beschuldigte ihre Atemwege blockiert und sie falsch gelagert. So hätten sie etwa ihre Zunge verschlucken können. Mit seinem Verhalten habe der Beschuldigte "in rücksichtsloser Weise und ohne jeden vernünftigen Grund Gefahr von Leib und Leben erzeugt", heisst es in der Anklageschrift.

Der Angeklagte Urs W.

Der Angeklagte Urs W.

Ob er die Frauen darüber informiert habe, was er mit ihnen vorhabe, will Gerichtspräsidentin Chantale Imobersteg wissen. Er habe mit ihnen verhandelt, sagt der Beschuldigte. Ausserdem habe er ihnen viel Geld geboten, dass sie das Medikament einnehmen, er "mit ihrem Körper spielen, sie fesseln und mit ihnen Oralverkehr" haben dürfe. "Sie haben aber mehr gemacht", sagt Imobersteg. "Ja, aber im Detail wusste ich ja am Anfang nicht, was ich alles mache."

Seiner Schuld nicht bewusst

Nach einem halben Tag Gerichtsverhandlung zeigt sich, der Beschuldigte ist sich einer Schuld nicht bewusst. Für ihn steht fest: "Für alles, was ich von den Frauen wollte, habe ich bezahlt." Er habe ihnen bis zu 2500 Franken bezahlt, wenn sie einwilligten, das Medikament zu nehmen. Er habe sie auch informiert, dass es "schläfrig mache". Es sei ihm um Macht gegangen.

Die Ermittler haben die Videos im März 2014 nur dank eines Zufalls entdeckt. Die Feuerwehr musste wegen eines Wasserschadens zu einer Lagerhalle in Hausen ausrücken. Dort haben sie die Hanfanlage des Beschuldigten gefunden und ihn festgenommen. Seither sitzt er in Untersuchungshaft beziehungsweise im vorzeitigen Strafvollzug.

Die Haft empfindet er als «Katastrophe». Es sei das Schlimmste, was er in seinem Leben je habe mitmachen müssen. Freiheit sei für ihn etwas Elementares, erzählt er vor Gericht.

Strafantrag erst am Mittwoch

Wie lange er noch im Gefängnis bleiben muss, ist noch nicht klar. Staatsanwältin Flavia Roy wird ihr Plädoyer am Mittwoch vortragen und dann auch den Strafantrag bekannt geben. Auch Paul Hofer, der Pflichtverteidiger, plädiert am Mittwoch. Am Dienstag hat er nichts gesagt und das Wort dem Beschuldigten überlassen. Dieser wollte sich abschliessend unbedingt noch dafür entschuldigen, «dass er möglicherweise rüpelhaft rüberkomme».