Lohndeckel
Muss AKB-Chef Dellenbach in den letzten Monaten der Lohn gekürzt werden?

Das Aargauer Parlament beschloss, dass der CEO der Aargauischen Kantonalbank neu maximal 600 000 Franken verdienen darf. Dieser Beschluss wirkt aber erst mit Verzögerung.

Urs Moser
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Kantonalbank-Chef Rudolf Dellenbach sollte die Führung Mitte 2016 einem Nachfolger übergeben können.

Kantonalbank-Chef Rudolf Dellenbach sollte die Führung Mitte 2016 einem Nachfolger übergeben können.

Alex Spichale

Der Grosse Rat hat sich unnachgiebig gezeigt, er besteht auf einem Lohndeckel für den neuen Chef der Kantonalbank: Maximal das Doppelte eines Regierungsrats darf er verdienen, rund 600 000 Franken. Die entsprechende Gesetzesänderung soll auf Anfang 2016 in Kraft gesetzt werden.

Dann ist aber immer noch CEO Rudolf Dellenbach im Amt, der über 900 000 Franken verdient. Eine knifflige Situation. Muss Dellenbach nun als Dank dafür, dass er nach der geplatzten Nachfolgeregelung die Geschäfte weiterführt, für die letzten Monate der Lohn gekürzt werden?

Das wäre ein Affront, schliesslich sind Dellenbachs grosse Verdienste um den Erfolg der Kantonalbank unbestritten. Auf der anderen Seite: Gesetz ist Gesetz, auch für die Kader der Staatsbank.

Lohnkürzung «unangebracht»

Was ist also zu tun? Bankratspräsident Dieter Egloff blieb nach dem Grossratsentscheid am Dienstag mehr als vage: Man müsse nun zuerst die Situation analysieren, daher äussere er sich noch nicht zur Lohnfrage.

Als vergangenen Oktober bekannt wurde, dass die Finanzmarktaufsicht den designierten neuen Kantonalbankchef Andreas Waespi mit einem dreijährigen Berufsverbot belegt hat und dieser das Amt nicht antreten kann, war der Bankratspräsident weniger wortkarg.

Man sei Rudolf Dellenbach sehr dankbar dafür, dass er dem Bankrat entgegenkommt und auf dem Posten bleibt, bis ein neuer Nachfolger gefunden ist. «Es wäre völlig unangebracht, ihm unter diesen Umständen den Lohn zu kürzen», sagte Egloff in einem Interview mit der az.

Er denke, dafür habe auch die Politik Verständnis. Es stellt sich auch die Frage, ob sich Rudolf Dellenbach eine Änderungskündigung überhaupt bieten lassen würde oder in diesem Fall den Bettel hinschmeissen und halt doch wie geplant in den Ruhestand treten würde statt bis zur Einarbeitung eines Nachfolgers im Amt zu bleiben.

Dazu gebe es keine Aussage, das sei kein Thema, hiess es am Mittwoch aus der Medienstelle der Kantonalbank.

Kein Thema? Muss man annehmen, Bankrat und Geschäftsleitung seien bereits übereingekommen, den Entscheid des Gesetzgebers vorerst einfach zu ignorieren?

Problem löst sich von selbst

Dem ist nicht so. Auf Nachfrage schafft das Finanzdepartement Klarheit. Die vom Grossen Rat beschlossenen Gesetzesänderungen enthalten zwar keine Übergangsbestimmungen. Wohl hätten damit die neuen Vergütungsregelungen mit dem Inkrafttreten der Gesetzesänderung Gültigkeit.

Hingegen könnten auch die dafür notwendigen Änderungskündigungen erst ausgesprochen werden, wenn die Gesetzesänderungen in Kraft getreten sind. Und die Kündigungsfrist beträgt für Mitglieder der Geschäftsleitung sechs Monate.

Läuft es nach Zeitplan, löst sich das Problem des zu hoch besoldeten CEO damit von selbst: Es ist vorgesehen, dass Rudolf Dellenbach die Geschäfte Mitte 2016 definitiv einem Nachfolger übergeben können sollte.

Sollte wider Erwarten das Referendum gegen die Änderungen des Kantonalbank-Gesetzes ergriffen werden, würde die Volksabstimmung im Frühjahr 2016 stattfinden und die Änderungskündigungen für tiefer einzustufende Bank-Kader könnten erst im Anschluss daran ausgesprochen werden. «Jedenfalls dürften die neuen Regelungen noch im Verlauf des Jahrs 2016 gestaffelt eingeführt werden», so die Auskunft des Finanzdepartements.

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