Seit das Stimmvolk am 18. Mai 2014 entschieden hat, dass im Kindergarten in Mundart unterrichtet werden soll, ist die Regierung mit der Umsetzung beschäftigt. Derzeit gilt die Empfehlung, grundsätzlich Mundart zu sprechen.

Definitiv eingeführt wird die neue Regelung auf das Schuljahr 2016/17, zuerst muss das Schulgesetz angepasst werden. Weiter sollen einzelne Unterrichtssequenzen in Hochdeutsch möglich sein, etwa bei Vorlesen oder Reimen, Versen und Liedern.

Die abgelaufene Vernehmlassung zeigt, dass die Parteien der Umstellung zustimmen. Die SVP tut dies mit einem Begleittext in Mundart, die CVP ohne Begeisterung, weil sie fürchtet, die Vorbereitung auf die Schule könnte leiden.

Die FDP verlangt, allfällige Sprachdefizite früh anzugehen, damit vor dem Übertritt in die Primarschule keine teuren Unterstützungsmassnahmen nötig sind.

Die BDP bedauert das Ja des Volkes, findet die Umsetzung der Initiative aber gut. Dasselbe gilt für die GLP, die festhält, es gebe zum Glück genügend Spielraum, um die Standardsprache gezielt einzusetzen.

EVP sorgt sich um Deutsche

Ja sagt auch die SP, allerdings mit Vorbehalt, weil die Partei vor einem Jahr geschlossen gegen die Initiative war. Kritik bringen die Grünen an. Sie fragen, welche Mundart bei den Kindergärtnerinnen gemeint sei: «Schwäbisch? Fribourger oder Urner? Oder die der Kinder (montenegrino, apulisch, berlinerisch oder züritüütsch?)».

Die EVP spricht sich derweil für eine pragmatische Umsetzung aus und hält fest: «Es soll möglich sein, dass Lehrpersonen aus Deutschland, die der Mundart nicht mächtig sind, weiterhin unterrichten dürfen.»

Doch wie viele Kindergärtnerinnen gibt es im Aargau überhaupt, die nicht Mundart sprechen? Simone Strub, Mediensprecherin im Departement Bildung, Kultur und Sport, hält fest: «Dazu haben wir keine genauen Zahlen, weil die Kindergärtnerinnen von den Gemeinden angestellt werden.»

Insgesamt gebe es im Aargau rund 50 Kindergarten-Lehrpersonen ohne Schweizer Pass. «Das heisst aber nicht, dass sie keine Mundart beherrschen», betont Strub.

Umsetzung ohne Kündigungen?

Dennoch dürfte das Anliegen der EVP schwierig zu erfüllen sein. Für vakante Stellen gezielt Kindergärtnerinnen in Deutschland zu rekrutieren, die keine Mundart sprechen, macht laut Strub keinen Sinn mehr.

Doch wie sieht es bei Kindergärtnerinnen aus, die bereits im Aargau unterrichten, aber nur Hochdeutsch sprechen? Verlieren diese wegen der Initiative ihren Job? «Wir gehen eher nicht von Kündigungen aus, auch weil bis zur Inkraftsetzung im Schuljahr 2016/17 noch Zeit bleibt, um sich auf die veränderte Situation vorzubereiten», beruhigt Strub.

Mundartkurse gibt es bisher nur auf dem freien Markt, an der pädagogischen Hochschule hingegen nicht. «Wir werden bei der Auswertung der Vernehmlassungs-Antworten nun prüfen, ob ein solches Bedürfnis besteht», kündigt Simone Strub an.