Es wird Tote geben. Mindestens eine Leiche. Vielleicht treibt sie in der Reuss. Vielleicht ist sie irgendwo im Bremgarter Wald verscharrt. So genau weiss es Andreas Giger noch nicht. Der Autor schreibt im Auftrag der Stadt Bremgarten einen Krimi. Stadträtin Monika Briner will ihm deshalb die Hegnau zeigen. Zur Inspiration.

Um keine Zeit zu verlieren, hat sie ein dreirädriges Gefährt mit Elektroantrieb organisiert – Bike Board nennen es Kenner. Giger ist skeptisch, setzt sich aber den Helm auf und folgt der Stadträtin. Durch die Altstadt, an der Fohlenweide vorbei bis zum Wald. Der Weg wird holprig. Schlaglöcher, Pfützen, Schlamm. Die kleinen Räder spulen, schütteln den Autor auf Inspirationsreise zünftig durch.

Endlich. Pause. Giger sitzt auf einem moosigen Baumstamm im Wald. Rechts fliesst die Reuss vorbei. Seine schwarzen Manchester-Hosen sind voller Matsch-Spritzer. «Ja, der Wald wird wohl vorkommen im Krimi und die Reuss auch», sagt er, während er an seiner Zigarette zieht. Die Handlung seiner Krimis entwickle sich wie ein Foto in der Dunkelkammer. Zuerst noch diffus, dann immer schärfer. Die Fotografin möchte die weissen Maiglöckchen am Wegrand auf dem Foto haben. «Das ist Bärlauch, der ist nicht giftig», korrigiert Giger und schweigt sofort wieder. Hat er etwa zu viel verraten? Stirbt das Bremgarter Opfer an einem «Bärlauch-Pesto»?

Ein Geschenk wird zum Geschäft

Andreas Giger ist 66 Jahre alt. Seit sechs Jahren schreibt er Krimis. Früher hat er vor allem Fachartikel geschrieben. Aber Belletristik war schon immer sein Traum. Seinen ersten Krimi hat er für Freunde geschrieben, die er zu seinem 60. Geburtstag ins Appenzellerland eingeladen hat. Ein Gastgebergeschenk. Statt Alpenbitter. Seine Gäste waren begeistert. Das spornte ihn an. Weil das Geheimnis um den Appenzeller-Käse im Krimi eine Rolle spielte, schickte er es dem Käsehersteller. «Die liessen gleich noch ein paar Tausend Exemplare drucken.»

Giger hatte eine Marktnische entdeckt, schrieb aktiv Firmen und Städte an. «Die sind ja immer auf der Suche nach einem originellen Geschenk und regionale Krimis sind im Trend.» Der Bremgarten-Krimi ist sein siebzehnter in sechs Jahren. Im Sommer soll er fertig sein.
Stadträtin Monika Briner freut sich bereits. Sie werde Giger nicht reinreden bei der Handlung. Dass ein Mord – wenn auch ein erfundener – dem Image des Städtchens schaden könnte, glaubt sie nicht: «Die Leute können unterscheiden zwischen Roman und Realität.» Das sagt auch Giger: «Bei einer Bank wäre es vielleicht kritischer.»

Bremgarten ist nicht die einzige Aargauer Ortschaft, die den Lokal-Krimi als Marketingmassnahme für sich entdeckt hat. Bad Zurzach Tourismus hat schon 2010 einen Krimi schreiben lassen. Was der Krimi als Marketing-Massnahme gebracht habe, sei schwierig, zu sagen, sagt Peter Schläpfer, Geschäftsführer der Bad Zurzach Tourismus AG. «Im Allgemeinen kommt er sehr gut an.» Wie Andreas Giger hat auch Petra Ivanov, die Autorin des Bad Zurzach Krimis, vor Ort recherchiert: «Sie hat im Buch alles genau beschrieben – auch die Personen», sagt Schläpfer. «Wir mussten vor dem Druck sogar gewisse Dinge noch abändern, weil man Leute erkannt hat.»

Wenn die Kommissarin im Bremgarten-Krimi auf einem Bike Board durch die Altstadt zum Tatort in die Hegnau düst, wird in Bremgarten jeder wissen, wer den Autoren dazu inspiriert hat.