«TalkTäglich»

«Mohrenkopf»-Streit: «Wir müssen die Geschichte umschreiben» – «Das ist frech!»

«Auf der Welt gibt es schwerwiegende Probleme und wir diskutieren über den Mohrenkopf»: Die besten Momente aus dem Rassismus-Talk

«Auf der Welt gibt es schwerwiegende Probleme und wir diskutieren über den Mohrenkopf»: Die besten Momente aus dem Rassismus-Talk

Die ganze Schweiz spricht über die Dubler-«Mohrenköpfe» aus dem Freiamt. Zwei Aargauer Gemeinden tragen ausserdem einen «Mohr» im Wappen. Geht der Aargau zu wenig sensibel mit dem Thema Rassismus um? Über dieses Thema diskutierten bei «TalkTäglich» SP-Grossrätin Lelia Hunziker und SVP-Nationalrat Thomas Burgherr.

Seit der Tötung des Afroamerikaners George Floyd bei einem Polizeieinsatz in Minneapolis gehen auf der ganzen Welt Menschen auf die Strassen und die Debatte über Rassismus läuft heiss. Im Aargau haben in den vergangenen Tagen insbesondere die «Mohrenköpfe» der Firma Dubler in Waltenschwil für Diskussionsstoff gesorgt. Und neu werden auch zwei Aargauer Gemeindewappen – die von Möriken-Wildegg und Mandach – für die Abbildung eines «Mohrs» kritisiert.

Über Sinn oder Unsinn der Debatte diskutierten in der Sendung «TalkTäglich» SP-Grossrätin Lelia Hunziker und SVP-Nationalrat Thomas Burgherr. Moderator Rolf Cavalli hätte die Rassismus-Debatte gerne langsam angegangen, machte die Rechnung aber ohne SP-Frau Hunziker. «Der Aargau hat durchaus ein Problem mit Rassismus», erklärte sie und griff Burgherr sogleich an. Die SVP – die im Aargau die stärkste politische Kraft hat – habe die neue Rechte in Europa seit den Achtzigerjahren stark geprägt und sei offenkundig fremdenfeindlich.    

Burgherr kontert mit Weissbrot und Wienerli

«Sehr bedenklich» fand Burgherr die Eröffnungsrede seiner Kontrahentin. Dann wies der SVP-Nationalrat auf eine Umfrage der AZ hin, die zum Schluss kam, dass nur ein Bruchteil der Leserinnen und Leser den Entscheid der Migros korrekt fand, den «Mohrenkopf» aus dem Sortiment zu kippen. «Da sieht man, wie die SP quer in der Landschaft steht», so Burgherr. Der gesunde Menschenverstand würde es doch zulassen, dass man einen «Mohrenkopf» geniessen könne, ohne gleich einen rassistischen Zusammenhang herzustellen.  

«Essen Sie denn noch Weissbrot oder Wienerli», liess es sich Burgherr nicht nehmen, seine Widersacherin zu provozieren. Die reagierte sichtlich genervt und meinte: «Das ist genau diese Verteidigungshaltung, das stört mich total an dieser Diskussion.» Das Wort «Mohr» sei ganz klar ein Synonym für das mittlerweile aus dem Sprachschatz gestrichene «N-Wort». Statt sich auf die Diskussion darüber einzulassen, würde die SVP gleich die eigene Befindlichkeit ansprechen. 

Über den Begriff «Mohrenkopf» diskutierten bei «TalkTäglich» auch «Mohrenkopf»-Hersteller Robert Dubler und «Prix-Courage»-Preisträger Remo Schmid:

"Mohrenkopf"-Affäre: Robert Duber in der Sendung TalkTäglich im Juni 2020

«Mohrenkopf»-Affäre: Die besten Momente aus dem Talk mit Rober Dubler und Remo Schmid

  

National-Heilige und der Sklavenhandel

Während Burgherr die Diskussion um den «Mohrenkopf» als lachhaft abtut, hält Hunziker klar fest: «Die Diskussion um das Wort ‹Mohrenkopf› ist nicht das Ende des Rassismus, aber der Anfang einer Sensibilisierung.»

Die SP-Frau geht sogar noch weiter und findet: «Wir müssen einen Teil der Geschichte umschreiben», auch die Schulbücher müsse man umschreiben. «Alfred Escher oder David de Pury werden als National-Heiligtümer verehrt», erklärt Hunziker und fügt an: «Diese Leute haben viel Geld gemacht, dies aber vor allem durch Sklavenhandel.» Dem Volk würden sie aber als die fleissigen Schweizer, die so viel Geld verdient haben, verkauft. 

Auch beim Thema rassistische Gemeindewappen am Beispiel von Möriken-Wildegg und Mandach hält Hunziker fest: «So wie die Wappen heute aussehen, würde ich nicht in diesen Gemeinden leben wollen.» Man könne die Wappen doch grafisch anpassen, dies hätte auch schon eine Gemeinde in der Ostschweiz so getan. 

Ganz anders sieht dies Burgherr. Die «Mohren» auf den Wappen hätten gar nichts mit Rassismus zu tun. Er ist überzeugt: «Darüber müssen wir nicht entscheiden. Hier müsste man einfach die Gemeinden befragen, ob sie sich mit dem Wappen identifizieren könnten oder eben nicht.» Es sei frech, wenn Politiker glaubten, sie könnten das einfach über andere hinweg entscheiden. (luk)

Die ganze «TalkTäglich»-Sendung mit Lelia Hunziker und Thomas Burgherr können Sie hier nachschauen: 

«Mohrenkopf» und Mohr im Dorfwappen – wie rassistisch ist der Aargau?

«Mohrenkopf» und Mohr im Dorfwappen – wie rassistisch ist der Aargau?

   

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