Möbel
Gut zwei Jahre nach dem Pfister-Deal: XXXLutz kauft Lipo und wird im Aargauer Möbelmarkt noch stärker

Die österreichische XXXLutz Gruppe breitet sich in der Schweiz aus. Sie übernimmt den Discounter Lipo und dessen 23 Filialen schweizweit. Was das für Möbel-Hersteller im Aargau, die Doppelstandorte mit zwei Marken und Mitarbeitende bedeutet.

Sébastian Lavoyer
Drucken
Lipo wird von XXXLutz übernommen – die Marke, alle Filialen und der Personalbestand sollen aber erhalten bleiben.

Lipo wird von XXXLutz übernommen – die Marke, alle Filialen und der Personalbestand sollen aber erhalten bleiben.

Keystone

Adrian Grossholz wurde im Herbst 2019 mit einem klaren Ziel engagiert: Er sollte Lipo als CEO verkaufsfähig machen. Durch eine klare Neupositionierung. Die Discount-Möbelkette sei vor seiner Übernahme ein ziemlicher Gemischtwarenladen gewesen, sagt er. Heute hätten alle Lipo-Filialen in der Schweiz eine klare DNA. «Man erkennt sie auf den ersten Blick», sagt der Lipo-CEO am Tag, als bekannt wird, dass er sein Ziel erreicht hat. Lipo wird verkauft. Vom südafrikanischen Steinhoff-Konzern an die österreichische XXXLutz-Gruppe. Weder sollen Filialen geschlossen, noch Mitarbeitende entlassen werden.

Noch muss der Deal von der Kartellbehörde bewilligt werden, läuft aber alles nach Plan, ist die Transaktion im Juni abgeschlossen. Der Verkauf hat sich wegen Corona verspätet. Zu welchem Preis er über die Bühne geht, ist nicht bekannt. Der Grund für den Verkauf dagegen schon: Der international tätige Möbelhändler Steinhoff wurde Ende 2017 von einem Bilanzskandal erschüttert. Der damalige CEO Markus Jooste tauchte darauf ab und bleibt verschwunden. 2017 und 2018 fuhr der zweitgrösste Möbel-Konzern der Welt über fünf Milliarden Franken Verlust ein.

Kein Personalabbau, keine Schliessung von Filialen

«Eine Schweizer Perle» sei Lipo, so Grossholz. Sie erzielte zuletzt einen Umsatz von über 200 Millionen Franken, sei schuldenfrei, habe einen Markenbekanntheitsgrad von 80 Prozent, ein funktionierendes Management und flache Hierarchien. Und er bekräftigt, was die XXXLutz-Gruppe mitteilt:

«Es werden keine Mitarbeitenden entlassen.»

Auch Filialen sollen keine geschlossen werden. Im Gegenteil, Grossholz sieht Potenzial für zwei, drei weitere Lipo-Standorte.

Eher Ausbau statt Abbau – das tönt gut, aber was steckt dahinter? Die XXXLutz-Gruppe betreibt rund 50 Möbelhandelsfilialen (Pfister, Möbel Hubacher, Möbel Egger, Möbel Svoboda, Mömax und XXXLutz) in der Schweiz. Darunter finden sich Standorte mit mehreren Filialen wie beispielsweise in Suhr (Pfister und Lipo), Spreitenbach (Mömax und Möbel Pfister) oder Pratteln (Mömax, Pfister und Lipo). Sind die nicht gefährdet?

Die erste Filiale des österreichischen Möbelhändlers XXXLutz in der Schweiz steht in Rothrist.

Die erste Filiale des österreichischen Möbelhändlers XXXLutz in der Schweiz steht in Rothrist.

Patrick Huerlimann / KEYSTONE

Grossholz beschwichtigt: Die einzelnen Ketten seien unterschiedlich positioniert. Lipo ganz klar im untersten Preissegment, knapp darüber Mömax, dann XXXLutz, dann Pfister. Während Lipo beispielsweise zu 90 Prozent Eigenmarken verkaufe, würden die anderen Läden auf bekanntere Brands setzen. Standorte mit mehreren Filialen machen Sinn, wenn sie unterschiedliche Kundensegmente bedienen.

Aargauer Möbelhersteller: XXXLutz hat Wort gehalten

Lipo soll künftig von der Einkaufsstärke der XXXLutz-Gruppe profitieren, die Ende 2019 schon den traditionsreichen Möbelhändler Pfister übernommen hatten. Genau davor fürchteten sich damals zahlreiche Schweizer Möbelproduzenten. Darunter auch Hans Dössegger, CEO von Seetal Swiss mit Sitz in Seon und spezialisiert auf Stühle und Tische.

Ein deutscher Partner sei von XXXLutz aus dem Markt gedrängt worden, erzählte er vor über zwei Jahren der AZ. Dössegger fürchtete die Marktmacht, den Preisdruck durch den österreichischen Giganten, da er über 30 Prozent seines Umsatzes über Möbel Pfister machte. Heute zeigt er sich geläutert. «Sie haben Wort gehalten. Wie damals versprochen, arbeiten sie auch heute noch mit Schweizer Herstellern», sagt Dössegger.

Präsident des Branchenverbands: Es kommt zu weiteren Übernahmen

Das liege auch daran, dass man zwar die Führungsriege bei Möbel Pfister ausgetauscht habe, aber auf der Stufe darunter weiterhin mit den gleichen Leuten arbeite. Die Übernahme von Lipo werde für Schweizer Möbelproduzenten kaum etwas ändern, davon ist Dössegger überzeugt. «Lipo arbeitet in einem ganz anderen Preissegment als wir», so Dössegger. Schweizer Hersteller könnten so tiefe Preise gar nicht anbieten.

Für Walter Pretelli, Präsident des Branchenverbands Möbel Schweiz, ist die Übernahme der Lipo durch XXXLutz ein weiterer Schritt im eingeschlagenen Konzentrationsprozess der Schweizer Möbelbranche. Ein Schritt, der in die Strategie der Österreicher passt, die Ikea den Rang ablaufen und zum Marktführer in der Schweiz werden wollen.

Walter Pretelli Geschäftsführer Interieursuisse.

Walter Pretelli Geschäftsführer Interieursuisse.

zvg

Pretelli rechnet mit weiteren Übernahmen. Und weil der Expansionskurs Personal braucht, rechnet er kaum mit einem Abbau. Der Preisdruck für die Möbelhersteller aber dürfte zunehmen.

Aktuelle Nachrichten