Die beiden Prorektoren der Kantonsschule Wohlen befinden sich derzeit auf einer Studienreise in China, wie Rektor Franz Widmer zu einem Vorstoss bestätigt, den SVP-Fraktionschef Andreas Glarner morgen im Grossen Rat einreichen wird. Und im Gegensatz zu Glarner findet er nicht, dass dagegen etwas einzuwenden wäre.

Er selber, so Widmer, habe vor einem Jahr zusammen mit 14 anderen Kanti-Rektoren aus der ganzen Schweiz an der gleichen Reise teilgenommen, einem Angebot der schweizerischen Zentralstelle für die Weiterbildung der Mittelschullehrpersonen und der chinesischen Botschaft. «Es ist eine gute Gelegenheit, ein anderes Schulsystem kennen zu lernen und Kontakte mit möglichen Partnerschulen zu knüpfen», sagt Widmer.

Die Kanti Wettingen zum Beispiel pflegt eine Partnerschaft mit einer Schule in Peking, Wohler Kantischüler haben schon eine Partnerschule in Schweden besucht.

«Bildungselite vergnügt sich»

Zur aktuellen Chinareise habe er seine Prorektoren sogar selber ermuntert, erzählt Widmer frisch von der Leber weg. Er hätte es eigentlich begrüsst, wenn schon vor einem Jahr die ganze Schulleitung gemeinsam hätte teilnehmen können, aber die Erstauflage der Informationsreise sei explizit nur für Rektoren ausgeschrieben gewesen.

Die Kantonsschule Wohlen bezahlt für die Chinareise 2000 Franken pro Person aus dem Weiterbildungsbudget und einen Teil der Flugkosten. Wie viel die Prorektoren für die restlichen Kosten aus der eigenen Tasche beisteuern, war am Wochenende nicht zu eruieren.

Was für den Kantirektor schon fast selbstverständlich zu sein scheint – im Herbst schickt er eine Lehrerin für vulkanologische Studien auf die Liparischen Inseln –, treibt SVP-Fraktionspräsident Andreas Glarner die Zornesröte ins Gesicht. «Der Kanton spart bei den Schwächsten und knöpft den Bürgern neue Gebühren ab, gleichzeitig vergnügt sich die Bildungselite in China. Das ist inakzeptabel», ereifert sich der Politiker.

Um nichts anderes als eine Vergnügungsreise geht es nämlich seiner Meinung nach, einen praktischen Nutzen für das Bildungswesen im Aargau kann er in solchen Exkursionen nicht erkennen. Und Glarner ist sich sicher: «Wüssten die Bürger, was sich Lehrkräfte auf Staatskosten leisten, und das noch während der Schulzeit: Sie hätten kein Verständnis.»

Für diese Transparenz soll nun gesorgt werden. Auf fünf Jahre zurück verlangt Glarner in einer Interpellation eine genaue Auflistung, welche Angestellten welcher kantonalen Schulen welche Auslandreisen unternommen haben, wie lange diese Reisen dauerten, was sie gekostet haben und wer für die Kosten aufgekommen ist. Der Regierungsrat soll dazu Stellung nehmen, welchen Sinn er hinter solchen Reisen in ferne Länder sieht und wie sie sich vor dem Gebot des haushälterischen Umgangs rechtfertigen lassen.