Möbelfirma-Konkurs

Mitarbeiter: «Bei der ZKD zählte nur Umsatz, egal, was dabei rausschaute»

56 Jahre nach der Gründung am Ende: ZKD Büromöbel AG in Kleindöttingen.

56 Jahre nach der Gründung am Ende: ZKD Büromöbel AG in Kleindöttingen.

Das Kleindöttinger Unternehmen ZKD Büromöbel AG steigerte den Umsatz von 15 auf 25 Millionen und hat volle Auftragsbücher – trotzdem geht die Firma nun Konkurs. Es gibt happige Vorwürfe an die Adresse der Führung.

Der Thurgauer Fred Heinzelmann hatte im Jahr 2010 grosse Pläne. Er hatte soeben die ZKD Büromöbel AG aus Kleindöttingen von Thomas Zimmermann, dem Sohn des Firmengründers Max Zimmermann, übernommen. «Vor dem Kauf erschien mir ZKD als ein robustes KMU mit Potenzial. Grundsolide, aber kein Highflyer», sagte Heinzelmann damals in einem Interview. Inzwischen habe er den operativen Betrieb kennengelernt und könne sagen: «Es steckt mehr dahinter.»

Wie viel «mehr» zeigte er in den folgenden Jahren: Bis Ende 2014 steigerte die ZKD, die Unternehmen wie ABB oder Coop zu ihren Kunden zählte, den jährlichen Umsatz von unter 15 auf 25 bis 30 Millionen Franken, wie Heinzelmann auf Anfrage erklärt. Doch letzte Woche dann das jähe Ende: Das über fünfzigjährige Zurzibieter Traditionsunternehmen deponierte seine Bilanz — nach gescheiterten Finanzierungsbemühungen und trotz vollen Auftragsbüchern, wie per Medienmitteilung erklärt wurde.

«Die Belastung wurde zu gross»

Darüber, dass die steile Umsatzsteigerung in den letzten Jahren für den Konkurs zumindest mitverantwortlich ist, scheinen sich alle Beteiligten einig zu sein. «Rückblickend sind wir zu stark gewachsen», sagt Heinzelmann, «das konnten wir nicht absorbieren». Das Wachstum habe zu Fehlleistungen geführt, «Prozesse haben nicht mehr funktioniert». Die neue Informatik etwa: «Grundsätzlich war sie gut», sagt Heinzelmann, «aber in der Summe mit allen anderen Investitionen und Prozessanpassungen wurde die Belastung zu gross».

Den rund 90 entlassenen Mitarbeitenden hilft diese Erkenntnis nichts mehr. Sie sind wütend, wie eine kleine Umfrage zeigt. Und sie erheben happige Vorwürfe. Die Firmenleitung habe Prestige-Aufträge mit Dumping-Preisen reingeholt, sagt einer, der anonym bleiben möchte. «Ein-, zweimal kann man das ja machen, aber dann bräuchte man nebenbei auch noch Aufträge, die rentieren.» Heinzelmann wehrt sich gegen diese Darstellung. «Wir waren nie die billigsten», sagt er. Aber weil die Zahl der Büroprojekte sinke, zeige die Preisentwicklung im Büromöbel-Markt schon nach unten.

Die ZKD als Opfer eines umkämpften Marktes: Nicht alle sehen das so. Es sei ihm irgendwann so vorgekommen, «als ob nur noch der Umsatz zählte, egal was dabei rausschaute», erzählt ein anderer Mitarbeiter. Gleichzeitig seien die Fixkosten immer weiter gestiegen. «Heinzelmann entliess langjährige Mitarbeiter und brachte seine eigenen Finanzspezialisten und Controller. Im vorher schlanken Büroapparat hielt das Konzerndenken Einzug.»

Vom solidarischen Familienbetrieb zum mit Management-Tools geführten Konzern? In dieses Bild würde passen, dass die ZKD ab 2013 den Eishockeyclub Kloten Flyers sponserte. «In einer Zeit, in der der eine oder andere Lieferant bereits auf Cash-Zahlungen pochte, haben wir darüber schon etwas gestaunt», meint ein Befragter.

Schon Februarlohn zu spät

Die finanziellen Probleme der ZKD, die jetzt im Konkurs mündeten, zeichneten sich schon seit einigen Monaten ab. «Den Februarlohn bekamen wir erst Mitte März», sagt ein Mitarbeitender, «und auf den Lohn für März und April warten wir noch immer.» Heinzelmann glaubte dennoch bis zuletzt an eine Rettung, wie er betont: «Wir versuchten mit Nachlassstundungen Zeit zu gewinnen und haben mit Investoren über einen Einstieg geredet. Aber das hat sich zerschlagen.»

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