«Führt die Aare in der Region Aarau mehr als 1200 Kubikmeter Wasser pro Sekunde, wird es kritisch. Für diese riesige Menge sind die Dämme insbesondere im Scheibenschachen sowie im Telliquartier zu tief. Es drohen Überschwemmungen.

Kommt dazu, dass bei Aare-Hochwasser in den genannten Gebieten auch der Grundwasserpegel stark ansteigt. Läuft das Wasser nicht von aussen in die Keller, kann es von unten hineindrücken.

Die Hochwassergefahrist noch grösser geworden, seit die Erneuerung des Kraftwerks Rüchlig im Gang ist. Die Baustelle kann im Extremfall wie ein zusätzliches Stauwehr wirken. Das könnte die Überschwemmung der umliegenden Quartiere beschleunigen.

Aarau hat für die Zeit des Rüchlig-Ausbaus mit einer Notfall-Organisation vorgesorgt und über eine halbe Million Franken in temporäre Hochwasserschutz-Massnahmen investiert. Neben mobilen Schutzwänden wurden auch rund 1000 Meter Doppelschlauchelemente des Hochwasserschutz-Systems Beaver angeschafft.

Gemeinsam Finanzierung

Finanziert worden sind diese Massnahmen von der Einwohnergemeinde (ein Drittel) und der Ortsbürgergemeinde (zwei Drittel) gemeinsam. Die Ortsbürger hatten ein Interesse daran, dass eine geplante Grossüberbauung auf ihrem Land im Scheibenschachen bald realisiert werden konnte.

Dieses Projekt war wegen des ungenügenden Hochwasserschutzes blockiert. Stadt und Ortsbürgergemeinde finanzieren mit 50 000 Franken jährlich auch die Notfallorganisation, die für den Ernstfall aufgebaut worden ist.

Wenn die Aare über die Ufer zu treten droht, wird die Alarmgruppe 7 des Regionalen Führungsorgans (RFO) Aare Region aufgeboten. Mitarbeiter des Aarauer Werkhofs sind mit Unterstützung des Zivilschutzes in der Lage, in kürzester Zeit rund einen Kilometer Beaver-Schläuche zu verlegen, aufzublasen und mit Wasser zu füllen.

Damit kann die Hochwassergefahr in den gefährdeten Gebieten gebannt werden. Ein solcher Einsatz ist kürzlich im Werkhof geübt worden. «Unsere Organisation ist für ein allfälliges Hochwasser gut gerüstet», erklärte Beat Krättli, Chef Information der RFO.

Aare bei Murgenthal als Anhaltspunkt

Chef der RFO ist Robert P. Hilty. Er hat die Hochwassergefahr für die Region unter Kontrolle und weiss, wenn es kritisch wird. Ein Anhaltspunkt ist der Wasserstand der Aare bei Murgenthal. Wenn dort die kritische Grenze von 700 Kubikmeter pro Sekunde überschritten wird, geht bei der Stadtpolizei Aarau ein Alarm ein und der Kernstab der RFO wird aufgeboten.

Er nimmt eine Lagebeurteilung vor und entscheidet, welche Schutzmassnahmen eingeleitet werden müssen. Notfalls kann der Kernstab auch Feuerwehr-, Sanitäts- oder sogar Armee-Einheiten um Hilfe bitten. Das RFO ist nicht nur für Hochwasser zuständig, sondern tritt bei allen ausserordentlichen Ereignissen in Aktion.

Bisher gab es einmal Alarm. «Über Weihnachten 2012 war die Lage während einiger Tage kritisch», sagt Infochef Krättli. Die Schläuche hätten aber nicht ausgerollt werden müssen.»

Tatsächlich zeigen die Messwerte, dass die Aare bei Murgenthal am 18. Dezember mit 784 Kubikmeter pro Sekunde den Jahreshöchstwert erreicht hat und der Pegel bis zum Jahresende über 600Kubikmeter pro Sekunde geblieben ist. Der bisherige Höchststand im laufenden Jahr lag am 2. Februar mit 621 Kubikmeter pro Sekunde deutlich unter dem Alarmwert.