1. az-Oldtimer-Tour
Mit Stil und Sonnenbrille rund um den Aargau – so schön war die Première

Erstmals fuhren am Sonntag 66 az-Leserinnen und -Leser mit ihren Oldtimern einmal um den Kanton. Wer dafür extra aus den Ferien kam, wer seinen Tank im Armaturenbrett füllen musste und warum es manchmal ratsam ist, eine Ersatz-Benzinpumpe dabei zu haben.

Mario Fuchs
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Ausfahrt mit traumhaftem Ausblick Hier passiert die Oldtimer-Tour den Hallwilersee.
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Eric Schürmann, Archivar Emil Frey AG, erklärt Besuchern den Jaguar SS. Sam
Impressionen von der ersten az-Oldtimer-Tour
Auch über Kies Die Polenstrasse zwischen Zeihen und Thalheim war ein Höhepunkt.
Bitte lächeln! Erinnerungs-Polaroid vor dem az-Bus.
Reto Schneider, Trimstein, Suzuki Alto.
Herbert Vock, Anglikon, Mercedes offen.
Roli Saladin, Birrhard, VW Bus T1.
Rolf Messmer, Murgenthal, Opel Kapitän.
Paul Keusch, Stetten, Vespa Ape AD1.
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Ausfahrt mit traumhaftem Ausblick Hier passiert die Oldtimer-Tour den Hallwilersee.

Daniel Desborough

Schnell und mit Schönem füllt sich an diesem Sonntagmorgen der Parkplatz vor dem AZ Mediencenter in Aarau. 66 Leserinnen und Leser haben für eine spezielle Tour ihre schönsten Autos aus der Garage geholt: Die 1. az-Oldtimer-Tour, 180 Kilometer lang, rund um den Aargau, durch neun der elf Bezirke.

Nach und nach treffen sie ein: VW und Opel, BMW und Mercedes, Austin und Triumph – Buick und Ford, Peugeot und Citroën, Fiat und Ferrari. Die Wagen haben eines gemeinsam: Sie sehen unverschämt gut aus. Je nach Jahrgang sind sie ziemlich rund oder ziemlich kantig und heben sich so ab von den heutigen Autos, die doch meist ziemlich ähnlich aussehen.

Wenn der Fan den Fans hilft

Wer eintrifft und aussteigt, schlendert sofort durch die Reihen. Es wird betrachtet, begutachtet, gefachsimpelt. «Was esch hender dene Schruube?», wird der Halter eines Citroën 2CV gefragt – der Fragesteller scheint sich auszukennen: «Die send nämlech ned Original!», bemerkt er, die Augenbrauen herausfordernd hochziehend.

Artikelserie: Oldtimer im Aargau

Die az und Emil Frey Classics führten heuer erstmals die az-Oldtimer-Tour durch. Zur Einstimmung erschienen in der vergangenen Woche täglichArtikel zu den verschiedensten Aspekt des «Oldtimer-Kantons» Aargau. Alle Beiträge, weiter Fotos und Videos dazu sind online unter aargauerzeitung.ch/oldtimertour verfügbar.

Roland Spillmann, seit 36 Jahren im Dienst als TCS-Patrouilleur, kam für die az-Oldtimer-Tour sogar extra aus seinen Ferien: «Ich bin halt auch ein Fan», sagt er und lächelt fast so, als wollte er sich dafür entschuldigen. Für den speziellen Sonntagseinsatz hatte er sich bei seinem Chef freiwillig gemeldet. Mit seinem gelben «Besenwagen» wird er bereit sein, falls eines der Autos lieber mal stehen und die Aussicht geniessen will.

Entsprechend hat sich der Windischer auf die Tour vorbereitet: «Ich habe zusätzlich zum regulären Material vorsichtshalber auch eine Ersatz-Benzinpumpe mitgenommen.» Noch ahnt er nicht, dass er froh um sie sein wird. Mit den Autos älterer Jahrgänge kennt er sich aus: «Auf denen habe ich meine Stifti gemacht», sagt er und zeigt auf den 1969er VW Käfer von az-Chefredaktor Christian Dorer.

Dorer ist der Initiant der Oldtimer-Tour – und selber ein Fan. Sein Gesicht strahlt wie das eines Buben am ersten Schultag und mit ihm die Gesichter der 15 Glücklichen, die in einem Leserwettbewerb einen Mitfahrplatz gewonnen haben. «Zum Abschluss des az-Leserwanderns dachten wir, wir könnten zur Abwechslung mal fahren», erklärt Dorer in seiner Begrüssung augenzwinkernd. Das Interesse in der Leserschaft war riesig. Rund 200 Oldtimer-Besitzer hatten sich auf den Aufruf gemeldet. Doch weil es die erste Durchführung ist, wollte die az nicht zu gross starten.

Ein Prozent Risiko

Wer mit Stil fährt, zieht sich oft auch mit Stil an: Tracht mit Strohhut, Leinenanzug mit Fliege, Sommerkleid in der Farbe des Autolacks. Einer der Fahrer fällt sofort auf: Rolf Messmer, Murgenthal, trägt eine Kapitänsmütze – «e chli Show mues sii», sagt der Besitzer eines schwarzen Opel Kapitän von 1961.

Dann heisst es Platz nehmen, Sonnenbrille aufsetzen, Motor starten. Von Aarau aus geht es aufs Benkerjoch und via Wölflinswil auf die Staffelegg. Und da erfüllt sie sich schon, die insgeheim gehegte Hoffnung der Organisatoren: Am Strassenrand stehen Zuschauer. Bis zum Nachmittag werden es Hunderte. Sie winken, fotografieren, schwingen Schweizerfahnen. Sie warten in Wiesen und unter Bäumen, einige ausgerüstet mit Campingstühlen, andere mit einem Glas Weisswein, und jubeln der Karawane begeistert zu, als ginge es um eine Olympiamedaille. Da grinst sogar der erfahrene Oldtimer-Rallye-Teilnehmer stolz unter seiner Sonnenbrille.

Weniger um diese Motivationsspritze als um seine vorsichtshalber mitgebrachte Benzinpumpe froh ist TCS-Patrouilleur Roland Spillmann. Respektive sein Erster und bis zum Abend einziger Kunde Andy Siegenthaler. Der Toyota 2000 GT, Jahrgang 1969, ist das wohl seltenste Auto im Feld. Gerade einmal 351 Einheiten wurden damals hergestellt, und eine davon steht heute in der Sammlung der Emil Frey Classics in Safenwil. Mitarbeiter Andy Siegenthaler holte den einstigen James-Bond-Wagen eigens für die Tour aus dem Museum – und musste feststellen, dass das Auto davor wohl ein wenig zu lange nicht bewegt worden war. Doch Experte Siegenthaler lässt sich davon nicht aus der Sonntagsruhe bringen: «Es ist halt so: Bei Oldtimern hat man immer 1 Prozent Risiko. Heute habe ich es eingezogen.»

Während sich die Fahrer und Beifahrer im Gasthaus «Zu den drei Sternen» stärken, staunen auf dem Parkplatz die Besucher über die Wagen. Und was macht der Herr mit dem Benzinkanister hinter dem Armaturenbrett seiner 3-rädrigen Piaggo Ape? «Ich muss nachtanken!», antwortet Paul Keusch. Der Tank ist in der Front eingelassen. Ein Bub notiert sich alle Modellnamen. «Den hatte ich auch mal!», hört man etwa, oder: «Das war unser Familienauto!» Es sind Geschichten auf Rädern, die an diesem Sonntag wieder um eine schöne Episode reicher werden.

Romantisches Campen im Bulli

Roli Saladin, Birrhard, VW Bus T1.

Roli Saladin, Birrhard, VW Bus T1.

Daniel Desborough

Der «Bulli» – der Klassiker schlechthin: Roli Saladin hat sich einen geleistet. Der legendäre VW-Bus hat Jahrgang 1958. «Es ist einfach wahnsinnig schön, mit ihm bei schönem Wetter in der Gegend herumzufahren», sagt der Besitzer. Mechanisches lässt er in einer Werkstatt machen, den Innenausbau hatte er teilweise selber bewerkstelligen können. Jetzt lässt sich darin gut schlafen. Der Platz ist allerdings altersbedingt etwas beschränkt. «Für ein romantisches Camping am See reicht es aber wunderbar», berichtet Saladin aus Erfahrung.

Das Jugendauto für immer behalten

Reto Schneider, Trimstein, Suzuki Alto.

Reto Schneider, Trimstein, Suzuki Alto.

Daniel Desborough

«Das war mein allererstes Auto», sagt Reto Schneider und posiert stolz neben seinem orangefarbenen Suzuki Alto. 1983 hatte er ihn gekauft, weil die Mutter den gleichen hatte. «Seither habe und pflege ich ihn.» Der Suzuki sei damals mit seinen 8500 Franken ein Billigauto gewesen. «Er ist klein und einfach, verbraucht nur 5,5 Liter auf 100 Kilometer.» Die meisten Reparaturen kann Schneider selber ausführen, Spezialwerkzeug ist im Gegensatz zu den heutigen Modellen keines nötig. Auf die az-Oldtimer-Tour wurde der Berner vom Vater seiner Freundin aufmerksam gemacht – ihre Familie wohnt in Windisch.

Ein deutsches Schiff, in Biel montiert

Rolf Messmer, Murgenthal, Opel Kapitän.

Rolf Messmer, Murgenthal, Opel Kapitän.

Daniel Desborough

Den Opel Kapitän hat Rolf Messmer auf einer Internet-Plattform gefunden: «Ich fuhr früher einen Opel Rekord, danach bin ich auf Engländer umgestiegen. Aber bei diesem Modell konnte ich meinen nostalgischen Gefühlen einfach nicht widerstehen.» Erst seit drei Wochen ist Messmer im Besitz des Wagens mit Jahrgang 1961. Natürlich habe er, passend zum Namen des Modells, sofort eine Kapitänsmütze bestellen müssen: «E chli Show mues sii!» Und was wohl kaum jemand vermutet hätte: Das deutsche «Schiff» ist eines mit Schweizer Ursprung – der «Kapitän» wurde bei General Motors in Biel zusammengebaut.

Ein roter Ferrari auf drei Rädern

Paul Keusch, Stetten, Vespa Ape AD1.

Paul Keusch, Stetten, Vespa Ape AD1.

Daniel Desborough

Ein roter Ferrari ist das Traumauto von Paul Keusch aus Stetten. Doch bislang hat ihm das Budget dazu nicht ganz gereicht – «und vermutlich wird es das auch nie mehr», gibt Keusch lachend zu. Stattdessen hat er die Ferrari-Plakette vorne auf seinen schmucken Dreiräder geklebt. Die Piaggio Vespa Ape von 1967 ist ein italienisches Kultgefährt. «Ich habe sie seit 15 Jahren. Und heute noch genau so viel Freude an ihr wie damals.» Eigentlich stünden noch zwei weitere Vespen zu Hause in der Garage, «aber weil ich jetzt pensioniert bin, habe ich fast keine Zeit mehr zum Schrauben.»

Das Cabrio wurde in Reichsmark verkauft

Herbert Vock, Anglikon, Mercedes offen.

Herbert Vock, Anglikon, Mercedes offen.

Daniel Desborough

1937: Das ist der Jahrgang des offenen Mercedes-Benz von Herbert Vock. Der Angliker konnte den eleganten, grauen Wagen aus zweiter Hand erwerben. Und nach dem Gespräch mit dem vom Vorbesitzer – dem Aargauer Sohn des deutschen Originalkäufers – fand er heraus: «Ursprünglich muss das Auto 6500 deutsche Reichsmark gekostet haben.» Mehrmals im Jahr fährt er damit aus, die weiteste Strecke führte ihn bislang über den Brünig. Weil der Mercedes als Veteran eingelöst ist, dürfen es nicht mehr als 3000 Kilometer werden.