Hausarztmedizin

Mit spezieller Ausbildung gegen den Hausärztemangel im Aargau

Ein Hausarzt setzt einer jungen Patientin eine Spritze (Archiv)

Ein Hausarzt setzt einer jungen Patientin eine Spritze (Archiv)

Mit einem neuen Weiterbildungsmodell will der Kanton Assistenzärzte dazu motivieren, eine Hausarzt-Praxis zu eröffnen. Der Kanton spannt dabei mit dem Ärzteverband, Kantonspitälern und der argomed zusammen, um den Hausärztemangel zu bekämpfen.

Der Kanton verstärkt sein Engagement in der Förderung der Hausarztmedizin, um dem wachsenden Mangel an Allgemeinpraktikern entgegenzuwirken. Das Departement Gesundheit und Soziales, die Kantonsspitäler Aarau und Baden, der Ärzteverband und die argomed AG haben gemeinsam das «Hausarzt-Curriculum» geschaffen: ein Weiterbildungsmodell für Assistenzärzte und -ärztinnen, das spezifisch auf die ambulante hausärztliche Medizin ausgerichtet ist und den Absolventen einen optimalen Start in die freie Praxis ermöglichen soll.

Gesundheitsdirektorin Susanne Hochuli präsentierte das Projekt gestern zusammen mit den involvierten Partnern im Kantonsspital Baden. Ärzte sollen zielgerichtet einen Facharzttitel der Grundversorgung erwerben können. Im fünfjährigen Programm wird ein Teil der Assistenzzeit am Spital, ein Teil bei frei praktizierenden Hausärzten oder Spezialisten absolviert. Die Ausbildung wird zu drei Vierteln vom Kanton finanziert.

100000 Franken vom Kanton fürs Monitoring

Seit längerem bekannt sind die Praxis-Assistenzen. Was bisher gefehlt habe, sei eine Koordination der auf die Praxistätigkeit in der Grundversorgung ausgerichteten Weiterbildung und eine eigentliche Laufbahnberatung, so Daniel Ackermann, Hausarzt in Dottikon und Lehrarzt für Hausarztmedizin an der Universität Zürich. Zum Engagement des Kantons für das «Hausarzt-Curriculum» gehört auch, dass er ein Hausarztmentoring an den Kantonsspitälern Aarau und Baden mit 100000 Franken jährlich finanziert.

In den beiden Häusern wird ab November je ein Hausarzt im Rang eines Leitenden Arztes im Teilpensum als Mentor in der Hausarzt-Weiterbildung tätig sein. Ihre Aufgabe ist es, Assistenten für die Weiterbildung zum Hausarzt zu motivieren, sie während der Weiterbildungszeit zu begleiten und zu fördern und in die Praxistätigkeit einzuführen. Ergänzend zur klassischen Weiterbildung im Spital gehört zum Beispiel auch die Vermittlung betriebswirtschaftlicher Kenntnisse für das Führen einer eigenen Praxis zum Programm.

Möglichst früh eingreifen

Indem Assistenzärzte möglichst früh in der Weiterbildungsphase die Hausarztmedizin im Spital kennenlernen, lasse sich die Berufsmotivation steigern, ist Jolanda Contartese, Leitende Ärztin am Kantonsspital Baden, überzeugt. Sie bringt das Ziel des Curriculum- und Mentoring-Programms auf eine eingängliche Formel: «Hausarztmedizin ist kein Plan B, sondern gleichwertig zur Spezialistenausbildung.» Die Arbeit der Allgemeinpraktiker werde als Teil des Service public wahrgenommen und die Hausarztmedizin leiste in der Tat eine wichtige öffentliche Aufgabe, indem sie der Sicherung der medizinischen Grundversorgung dient, begründet Landammann Susanne Hochuli das Engagement des Kantons.

Im Aargau sind derzeit rund 500 Grundversorger tätig. Die Tendenz ist steigend, sodass nicht gleich von einem dramatischen Hausärztemangel gesprochen werden muss. Noch nicht. Die Hausärztedichte ist regional sehr unterschiedlich und vor allem niedriger als im schweizerischen Durchschnitt, während das Bevölkerungswachstum ungebremst hoch ist (vgl. Artikel auf Seite 21). Kommt hinzu, dass die Allgemeinpraktiker ein relativ hohes Durchschnittsalter haben und in den nächsten fünf bis 10 Jahren eine Pensionierungswelle bevorsteht. Bis ins Jahr 2030 ist mit einem Überhang der Nachfrage nach hausärztlichen Leistungen gegenüber dem vorhandenen Angebot von bis zu 40 Prozent zu rechnen.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1