Vor den Wahlen tun alle das Gleiche: kämpfen. Nach den Wahlen nicht mehr. Denn: Die, die viel gewonnen haben, feiern – aber die, die nicht so viel gewonnen oder gar etwas verloren haben, analysieren. Es ist ein Euphemismus für die unangenehme Frage: «Was müssen wir besser machen?»

Das haben sich die Aargauer Grünliberalen in den letzten Monaten gefragt. Und sie sind zu einem Schluss gekommen, wie der designierte Wahlkampfleiter Sandro Stamm an der gestrigen Mitgliederversammlung im «Rathausgarten» erklärte: «In unseren Kernthemen Energie und Ökologie sind wir kompetent. Aber wir sprechen damit keine breite Wählerschaft an.» Stamm beschreibt damit das Dilemma seiner Partei: Wer keine breite Wählerschaft anspricht, kann nicht viel gewinnen. Also: Wer gewinnen will, braucht einen Plan. Oder, im Zeitalter der Lesefaulheit: zumindest einen Slogan. Die GLP hat ihren in Workshops gefunden: «Meine Heimat ist modern. Weiter Denken.» Die SVP, so erklärte Stamm, habe es geschafft, den Begriff Heimat für sich zu reservieren. «Aber leider nur in einem rückwärtsgerichteten Sinn. Das wollen wir nicht weiterhin dulden. Unsere Heimat ist modern.»

Mit dem Status quo gebe man sich «nicht zufrieden», sagte Kantonalpräsident Beat Hiller. Dass die meisten in der GLP so denken, beweist die volle Nationalratsliste: Vor vier Jahren musste man noch krampfhaft suchen, diesmal gab’s mehr Bewerbungen als Plätze. Aus 25, die wollten, wurden 16, die dürfen: Beat Flach, Ruth Jo. Scheier, Dominik Gresch, Barbara Portmann, Gian von Planta, Melinda Bangerter, Renata Siegrist, Michael Ganz, Andreas Mahler, Astrid Haller, Orun Palit, Bernhard Stöckli, Chantal Toker, Marcel Grüninger, Marcel Signer und Sandro Stamm. Prominenter Abwesender: Grossrat Sander Mallien. Er verzichtet aus beruflichen Gründen – was er diese Woche zwar mitteilen liess, gestern aber schon mit keinem Wort mehr erwähnt wurde. Ersatz gab’s genug.

Die Jungen treten mit 14 Personen auf einer eigenen Liste an. Und mit Beat Flach stellt die GLP Aargau einen Ständeratskandidaten. «Im ersten Wahlgang sind die Chancen bescheiden, Pascale Bruderer ist gesetzt», sagt er. «Aber im Zweiten könnte es klappen, wenn wir ihre Wähler mobilisieren können.» Weniger einig war man sich in Sachfragen. National fielen die Entscheide noch klar aus: Nein zur Familieninitiative, Ja zu «Energie- statt Mehrwertsteuer». Kantonal wurde aber rege diskutiert. Schliesslich entschieden sich die 28 Stimmberechtigten gegen das Sparpaket («politisch gesteuert», «Umverteilung») und für Stimmfreigabe zur Feuerwerksinitiative.