Peter Rey ist seit 34 Jahren Rebbaukommissär. Im letzten Jahresbericht schrieb er: «2016 war in meiner bisherigen Tätigkeit das extremste und schwierigste Jahr!» Ein Grund war der Frühlingsfrost am 28. April 2016 – doch nach den Frostnächten dieser Woche rechnet Rey damit, dass 2017 noch schlechter wird.

«Weil der Frühling bisher warm war und die Vegetation schon sehr weit ist, sind auch die Schäden grösser», sagt der Fachmann vom landwirtschaftlichen Zentrum Liebegg. Seine erste Bilanz fällt düster aus: Weil die Temperaturen in praktisch allen Anbaugebieten im Kanton bei minus 3 Grad und tiefer lagen, sind viele Reben erfroren.

«Wo es vor dem Frost noch geregnet oder geschneit hat und die Pflanzen schon nass waren, rechnen wir mit Totalausfällen.» Dies sei zum Beispiel in Magden oder Zeiningen im unteren Fricktal der Fall. Aber auch in Gebieten ohne grossen Niederschlag, wie in Ennetbaden oder Untersiggenthal, seien rund 30 bis 50 Prozent der Triebe erfroren.

Frostkerzen praktisch ausverkauft

Peter Rey selber wohnt in Seengen, dort habe Weinbauer Thomas Lindenmann mit Frostkerzen versucht, das Schlimmste zu verhindern. «Das ist aus meiner Sicht die wirksamste Methode, man kann die Temperatur lokal um 1 bis 1,5 Grad steigern, das kann reichen, um die Triebe zu retten.» Allerdings sei das Verfahren aufwendig und relativ teuer, pro Hektare fallen laut Rey rund 2500 Franken an.

Notwendig seien für diese Fläche etwa 200 Kerzen – und diese zu bekommen, sei derzeit fast unmöglich. «Frostkerzen sind in ganz Europa ausverkauft, weil sich die Kaltluft über viele Weinbaugebiete ausgebreitet hat, ist die Nachfrage riesig», sagt Rey.

Aargauer Weinbauern kämpfen mit Frostschutzkerzen gegen Schäden an ihren Reben

Aargauer Weinbauern kämpfen mit Frostschutzkerzen gegen Schäden an ihren Reben

Nicht mit Kerzen, sondern mit Schutzmatten und Abdeckungen hat Andreas Meier vom Weingut Sternen in Würenlingen versucht, seine Reben zu schützen. Das Resultat war ernüchternd: «Soweit ich sehe, sind die Schäden dort sogar noch grösser, wo die Reben abgedeckt waren», bilanziert Meier.

Er schätzt, dass der Frost rund zwei Drittel seiner Ernte vernichtet hat. «Als ich das erste Mal über die Reben schaute, hatte ich den Eindruck, alles sei erfroren, aber ein paar Triebe sind verschont geblieben.» Der finanzielle Schaden durch die Ausfälle lasse sich nicht versichern, damit müsse er leben.

Heizlüfter für einen Rebberg

Derart starke Frühjahrsfröste wie 2016 und 2017 habe es seit 35 Jahren nicht gegeben. «Ich erinnere mich, dass wir 1981 zum letzten Mal ein solches Ereignis hatten», sagt Meier. Schon damals gab es im Weingut Alter Berg in Tegerfelden eine Heizanlage. In den Nächten auf Donnerstag und Freitag kam die Anlage, die ähnlich wie ein grosses Heugebläse funktioniert, wieder zum Einsatz.

Jeweils von Mitternacht bis morgens um 8 oder 9 Uhr wurde warme Luft durch Schläuche in den Rebberg geblasen. «Rundherum hatten wir rund minus 5 Grad, wo die warme Luft hinkam, nur etwas minus 1 Grad, das vertragen die Reben», sagt Michael Deppeler. Doch der Aufwand ist gross, jede Stunde waren die Weinbauern draussen und kontrollierten die Temperatur.

Produziert wird die Wärme mit einer Ölfeuerung, pro Stunde werden bei Vollbetrieb rund 100 Liter Heizöl verbrannt. «Aber es hat sich gelohnt, die Schäden im beheizten Teil des Rebbergs sind eindeutig geringer als im anderen Bereich», sagt Deppeler.

Eisschicht soll Triebe isolieren

Eine spezielle Methode zum Schutz seiner Reben hat Kurt Märki aus Rüfenach ausprobiert. «Wir haben in den Rebbergen in Remigen und Villigen eine Bewässerungsanlage installiert.» Diese funktioniere wie ein Sprinklersystem, erklärt Märki, der sie von einem befreundeten Bauern auslieh.

In der Nacht auf Donnerstag nahm er die Anlage in Betrieb, um die Reben mit einer Eisschicht zu isolieren und vor dem Erfrieren zu schützen. Vorbild sind Installationen in Österreich, zudem arbeite ein Obstbauer in der Nachbarschaft bei Apfelbäumen damit. «Es gab tatsächlich Eis, aber ich habe die Anlage wohl zu spät eingeschaltet, auf jeden Fall sind viele Triebe dennoch erfroren», sagt Märki am Freitag.

Rebbaukommissär Peter Rey kennt die Methode, sagt aber, es gebe keine Erfahrungswerte im Aargau. Davon lässt sich Märki nicht beirren: «Ich bin vom Prinzip überzeugt und werde mich informieren, damit nächstes Mal klappt.» Dass es ein nächstes Mal gibt, hofft Rey nicht: «Wir hatten 2014 die Kirschessigfliege, 2015 die Probleme mit dem Pflanzenschutzmittel Moon Privilege, nun 2016 und 2017 Frühlingsfrost – langsam reicht es.»