Aarau

Mit Feuer und Dampf ins Jubiläumsjahr: Sie restaurieren seit 25 Jahren die Furka-Bahn im Frondienst

Seit 25 Jahren erneuern die Freunde der Furka-Dampfbahn historische Personenwagen nach Originalplänen.

«Tatsächlich haben wir die Arbeit in der Werkstatt am 1. April 1994 begonnen», sagt Werner Beer. Schon damals war er treibende Kraft beim Aufbau in der Aeschbachhalle von Sprecher und Schuh in Aarau. Die Furka-Dampfbahn ist längst in den alten Schlachthof der Stadt Aarau beim Bahnhof gezügelt und zu einem Kompetenzzentrum für historische Personenwagen geworden.

Werkstattleiter Werner Beer ist mit Freude und ungebrochenem Elan dabei. Er erstellt die Einsatzpläne für die 70 Frondienstler, kennt Tausende von Details und packt auch selber mit an. Immer im Wissen, dass nach über einem Jahr ein Bijou wie aus dem Bilderbuch dastehen wird. 16 Personenwagen haben die Aargauer in 25 Jahren verschönert oder nach den Originalplänen völlig neu gebaut.

Und dafür 145'000 Arbeitsstunden investiert. Für eine Revision kostet allein das Material bis zu 80'000 Franken. Der versicherte Neuwert beträgt für einen Zweiachser eine halbe Million, für den grossen Personenwagen 700'000 Franken.

In Handarbeit und mit viel Liebe fürs Detail: So werden in der Wagenwerkstatt Aarau Waggons der Furkabahn restauriert

In Handarbeit und mit viel Liebe fürs Detail: So werden in der Wagenwerkstatt Aarau Waggons der Furkabahn restauriert.

Jährlich leisten Freiwillige viele Stunden im Frondienst, um das historische Kulturgut der Furka-Bergstrecken-Dampfbahn für die Nachwelt zu erhalten.

Ohne die Gratisarbeit der Fronis, der Mitglieder im Verein Furka-Bergstrecke und vieler Sponsoren würde die 1992 mit dem Basistunnel eingestellte Bahn wohl auch in hundert Jahren nicht mehr über die Furka dampfen.

Aber sie fährt seit 2010 wieder, durchgehend auf der Strecke des Glacier-Express von Realp im Urserental nach Oberwald im Obergoms. Nach Fahrplan, dieses Jahr vom 22. Juni bis zum 6. Oktober. Während im Mittelland Osterglocken und Kirschbäume verblühen, liegt oben noch meterweise Schnee, an die Räumung ist erst im Verlaufe des Monats Mai zu denken.

Grundstein für die neue Remise

Ist es nicht frustrierend, für nur dreieinhalb Monate den gigantischen Aufwand zu erbringen? Für die dem Furka-Virus Verfallenen eine müssige Frage: «Hobby und Handwerk motivieren uns täglich, das Feuer brennt für das gemeinsame Ziel, einen perfekten Bahnwagen zu bauen», versichert Werner Beer.

In der Werkstatt braucht es Schlosser, Schreiner, Maler, Elektriker, Monteure, in der Realität kommen die pensionierten Männer aus alles möglichen Berufen, vom Marketingfachmann bis zum Drogisten, Bauführer und Computer-Spezialisten. Die Fronis sind wie eine grosse Familie, man hilft sich, Geselligkeit gehört dazu. An den Arbeitstagen gibt es in der Pause Kaffee und Kuchen und am Abend einen Imbiss.

Im Jubiläumsjahr haben die Aarauer Furkabähnler mehr als einen Grund zum Feiern: Zum Fest sind Fans und Bevölkerung an zwei Tagen willkommen (siehe Box). Der nächste Höhepunkt folgt am 1. Juni in Realp, ausgangs Dorf Richtung Furka wird der Grundstein für die neue Remise gelegt. Der Jammer des Überwinterns in Schnee und Eis ist bald vorüber, in der neuen Halle haben auf den vier Gleisen vier komplette Züge Platz und sind künftig vom Bergwinter geschützt. Das Geschenk machen sich und der Furkabahn die Aargauer selber; sie haben die Finanzierung des 2,9 Millionen Franken teuren Baus durch Sponsoren entscheidend organisiert.

Viel dazu beigetragen hat der im August plötzlich verstorbene Hans Fellmann, der leider nur viel zu kurze Zeit Präsident der Aargauer Sektion war. Für die noch fehlenden 130 000 Franken hofft man auf weitere grosse und kleine Spender.

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Festschrift mit Gratulanten

Alle, die zum Verein gehören, haben eine mit vielen Bildern bestückte Festschrift auf Hochglanzpapier erhalten. Darin beschreiben Werner Beer und Heinz Unterweger als Leiter Kommunikation die Geschichte des erfolgreichen Unternehmens. Ebenso die Bauweise der Wagen mit ihren Holzkasten auf Stahlchassis, übrigens alle vom gleichen Schweizer Hersteller SIG in Neuhausen am Rheinfall.

Die Furkabahn hat auch andere Werkstätten, so für die Dampflokomotiven in Realp selber. «Aber wie kämen die rund 28'000 glücklichen Passagiere in den Genuss einer Reise über die Furka ohne die Sektion Aargau und ihre Werkstatt in Aarau?», schreibt und lobt Geschäftsleiter Urs Züllig von der Dampfbahn Furka-Bergstrecke AG. Im Namen von Aarau gratuliert Stadtpräsident Hanspeter Hilfiker für den Erhalt dieses «Denkmals der Industriegeschichte». Den Wunsch des Stadtrates auf eine erfolgreiche Zukunft werten die Furkabähnler als gutes Omen, dass Aarau den Vertrag für den Schlachthof um weitere 10 bis 15 Jahre verlängern wird. Denn einen idealeren Ort für die grosse Werkstatt kann sich niemand vorstellen.

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