«Arbeit Aargau»
Mit einer Stimme: Arbeitnehmer im Aargau machen gemeinsame Sache

Eine neue Dachorganisation soll die Interessen der Arbeitnehmer künftig effektiver vertreten und die Vereinigung Aargauischer Angestelltenverbände, der Aargauischen Gewerkschaftsbundes und Travail Suisse vereinen.

Fabian Hägler
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Keystone

«Das Dach, stark wie ein Stier» – so lautet der Werbespruch einer österreichischen Firma. Bald könnte dieser Slogan auch für die Arbeitnehmerverbände im Aargau gelten: Die Vereinigung Aargauischer Angestelltenverbände (VAA), der Aargauische Gewerkschaftsbund (AGB) und Travail Suisse Aargau planen eine starke gemeinsame Dachorganisation. Diese soll unter dem Namen «Arbeit Aargau» mit einer professionell geführten Geschäftsleitung und klaren Strukturen rund 42 000 Arbeitnehmer und ihre Interessen vertreten.

Schon im Januar hatten die Delegierten der VAA dem Vorstand den Auftrag erteilt, entsprechende Abklärungen zu treffen. «Wir haben festgestellt, dass unser Einfluss auf die Politik ziemlich schwach ist», räumte VAA-Präsident Alessio Mair nun an der Delegiertenversammlung ein. Weil sich die Problematik bei allen Arbeitnehmerorganisationen stellt, also auch bei ABG und Travail Suisse Aargau, wurde eine gemeinsame Arbeitsgruppe gebildet. Diese ist zum Schluss gekommen, dass sich dies nur mit einer schlagkräftigen Dachorganisation ändern lässt. «Darin sollen die Verbände, die heute der VAA, dem AGB oder Travail Suisse Aargau angeschlossen sind, direkt Einsitz erhalten», erläuterte Mair. In welcher Form die VAA danach weiter existieren werde, ist laut dem Präsidenten derzeit offen.

Lehrer für «Arbeit Aargau»

Elisabeth Abbassi, die Präsidentin des Lehrerverbandes (ALV), begrüsst die Pläne für «Arbeit Aargau». Sie hielt fest, der ALV werde Ende 2015 ohnehin aus der VAA austreten. «Wir wollen nicht der Totengräber der Vereinigung sein, aber heute fehlt die breite politische Abstützung, deshalb brauchen wir die Masse», erklärte Abbassi. Früher hätten sich auch bürgerliche Politiker für die Interessen der Arbeitnehmer eingesetzt, heute sei dies nicht mehr der Fall, bedauerte sie.

AGB-Präsident Kurt Emmenegger wies darauf hin, dass die politischen Auseinandersetzungen immer härter und Kompromisse immer schwieriger würden. «Wir müssen deshalb unsere Kräfte bündeln, um die Interessen der Arbeitnehmer durchzusetzen», warb er für «Arbeit Aargau». Marco Piovanelli von Travail Suisse Aargau sprach sich ebenfalls für eine neue Dachorganisa-
tion aus. «Wir befürworten die Diskussion, es ist aber noch zu früh, um definitiv zu sagen, ob wir mitmachen.»

Aus der Versammlung kamen aber auch kritische Stimmen. Vertreter der Angestelltenvereinigung der ABB gaben zu bedenken, dass Kultur und Auftreten der einzelnen Verbände, die künftig bei «Arbeit Aargau» vereint auftreten sollten, sehr unterschiedlich sind.

Dennoch beschloss die Delegiertenversammlung mit 17 zu 0 Stimmen, das Projekt der gemeinsamen Dachorganisation weiterzuverfolgen. VAA-Präsident Alessio Mair freute sich über den Entscheid, hielt aber fest: «Dies ist nur ein erster Schritt, uns steht viel Arbeit bevor.» So müsse die Vertretung der Verbände geregelt und die Struktur diskutiert werden. Die Beitritts-Beschlüsse sollen die einzelnen Verbände 2015 fassen, starten kann «Arbeit Aargau» laut Mair frühestens Anfang 2016.