Ruppoldingen
Mit dem Hochwasser sollen Laichplätze geschaffen werden

Der künstliche Bach unterhalb des Kraftwerks in Ruppoldingen wird für den Umweltschutz gespült. Damit sollen mit dem Hochwasser Laichplätze geschaffen werden.

Hans Lüthi
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Biologin Beatrice Ruess im Fluss.

Biologin Beatrice Ruess im Fluss.

Ohne Erinnerung an die Baustelle glaubt heute kein Mensch mehr, dass die schöne Fluss- und Auenlandschaft am linken Aareufer unterhalb des Kraftwerks Ruppoldingen künstlich entstanden ist.

Der kleine Fluss oder grosse Bach ist einen Kilometer lang, bis zu 15 Meter breit, hat Stromschnellen und Flachwasser. Seit der Eröffnung des neuen Kraftwerks 2001 strömt auch das Umgehungsgewässer.

«Vom Oberwasser her wird es automatisch reguliert, während der Laichzeit der Fische im Frühjahr fliessen 4,3 Kubikmeter je Sekunde durch die Naturlandschaft», erklärt Roland von Arx von den Wasserkraftwerken der Alpiq.

«Die zwei Kubikmeter Normalwasser im Sommer können bei Hochwasser auf fünf Kubikmeter je Sekunde steigen», schildert von Arx am Ufer.

Probleme mit Ablagerungen

Sedimente und Schlamm haben sich in den über zehn Jahren des jungen Gewässers abgelagert. «Dadurch wird die kiesige Sohle zu stark verdichtet und mit Schlamm bedeckt», betont Paul Lehmann.

Der Projektleiter vom Ingenieurbüro Rolf-Jürgen Gebler im deutschen Walzbachtal war beim Bau dabei und ist regelmässig hier. Mit einer Messlatte schreitet er den Bach ab, um die Kiesdurchlässigkeit und die Wassertiefen zu überprüfen. Die Zustandskontrolle zeigt ihm, ob die Natur sich so verhält, wie es die Ingenieure am Computer und in Modellen berechnet haben.

«Erfahrungen gibt es noch keine, denn es ist ein europaweites Pionierprojekt», betont Paul Lehmann. Die hier gemachten Erkenntnisse fliessen direkt in neue künstliche Gewässer, im Detail sind immer noch kleinere Optimierungen möglich.

Regelmässige Überwachung

Im neuen Fluss-Bijou gibt es unterschiedliche Strukturen, dadurch sind vielfältige neue Lebensräume entstanden. «Auch als Möglichkeit zum Aufstieg für die Fische ist das Gewässer optimal», erklärt Biologin Beatrice Ruess aus Baden.

Ihre Firma RUS AG macht ein Monitoring nach zwei, sechs und zwölf Jahren. «Barben und Nasen finden beste Bedingungen hier, die Äschen brauchen lockeren Kies, weil sie nur darin laichen können», unterstreicht die Biologin.

Mit 25 Fischarten hat es gleich viele wie in der Aare nebenan, Amphibien sind da, in den Büschen fühlen sich die Vögel wohl. Beim Bau gab es noch weit und breit keine Biber, jetzt haben sie eine junge Weide ganz frisch gefällt.

Das hoch gewachsene Schilf bietet vielen Lebewesen Schutz, «aber es schränkt den Durchfluss nicht ein», freut sich Lehmann. Ablagerungen und Feinsedimente sind das einzige Problem hier.

Erste Versuche mit Spülungen

2009 und 2011 machten die Fachleute erste Spülungen, diese Woche folgten weitere: Ein stark steigender Pegel markierte gestern Dienstag den auf sieben, später auf zehn Kubikmeter je Sekunde erhöhten Durchfluss.

Das künstliche Hochwasser des kleinen Flusses zieht dabei so stark, dass es einen Menschen mitreissen würde. Vor allem aber spült es das abgelagerte Feinmaterial weg, ohne die Strukturen zu zerstören.

Eine Umlagerung des Kieses kommt zwar vor, aber das wird nicht negativ bewertet, weil damit neue Laichplätze für bedrohte Fischarten entstehen. Bisherige Spülungen waren teils erfolgreich, aber es gibt auch Stellen, bei denen ein Bagger die «verbackene Kiesschicht» mechanisch aufbrechen oder umwälzen muss.

Klar ist für künftige Aktionen bereits dies: Die Lösung der Sedimente hängt von der Dauer der kleinen Hochwasser ab, «die Spülung sollte mindestens zwei Tage dauern».

Danach zeige die Kontrolle, ob es zusätzlich mechanische Säuberungen brauche. Die Aare ist übrigens auf einen sehr tiefen Pegel abgesackt.