Mit 800 Statisten
Zugbrand im Tunnel: Aargauer Blaulichtorganisationen proben Grossereignis im Bözberg

Am Sonntag haben die SBB gemeinsam mit den Blaulichtorganisationen des Kantons Aargau die Rettungsübung Sissle 22 durchgeführt. Dabei wurde der neue Dienst- und Einsatzstollen im Bözbergtunnel getestet. Um die Übung so realistisch wie möglich zu gestalten, standen zahlreiche Statisten im Einsatz.

Michael Küng
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Impressionen von der Rettungsübung SISSLE 22 im Bözbergtunnel.
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Impressionen von der Rettungsübung SISSLE 22 im Bözbergtunnel.
Impressionen von der Rettungsübung SISSLE 22 im Bözbergtunnel.
Impressionen von der Rettungsübung SISSLE 22 im Bözbergtunnel.
Impressionen von der Rettungsübung SISSLE 22 im Bözbergtunnel.
Impressionen von der Rettungsübung SISSLE 22 im Bözbergtunnel.
Impressionen von der Rettungsübung SISSLE 22 im Bözbergtunnel.
Impressionen von der Rettungsübung SISSLE 22.

Impressionen von der Rettungsübung SISSLE 22 im Bözbergtunnel.

Valeriano Di Domenico / KEYSTONE

Während in Schinznach hunderte Velofahrer zum slowUp-Anlass zusammenkommen, braut sich oben im Bözbergtunnel ein Unheil zusammen. Zum Glück ist es nur simuliert: Gestern Sonntag kamen am Tunnel 800 Freiwillige und 600 Rettungskräfte zur grossen Übung «Sissle 22» zusammen.

Um elf Uhr morgens kommt ein von Brugg kommender Zug mitten im Tunnel zum Stehen. Das Szenario für die Übung ist dramatisch: Eine Batterie hat Feuer gefangen, die automatischen Sicherungssystem eine Notbremsung eingeleitet. Im Zug sitzen 800 Freiwillige, die Passagiere simulieren. Keine 30 Minuten später nehmen Rettungskräfte bereits die ersten Passagiere an den Tunnelausgängen in Empfang.

Gleichzeitig ist ein von Brugg ausgerückter Löschzug bei Schinznach in den Tunnel eingefahren. Zu diesem Zeitpunkt wissen die Rettungskräfte erst, dass sie zu einer Übung ausgerückt sind und ein im Bözbergtunnel stehender Zug evakuiert werden muss. Was sie im Tunnel genau erwartet, müssen sie hingegen selber herausfinden.

Rettungskräfte aus der ganzen Region rücken aus

An der Übung beteiligt sind unter anderem die Kantonspolizei Aargau, die die Einsatzleitung innehatte, das Kantonale Katastrophen Einsatzelement und die Feuerwehren Oberes Fricktal, Frick, Schenkenbergertal, Aarau, Brugg, Chestenberg und Herznach-Ueken. Für die meisten Teilnehmer läuft die Übung flott ab. Schon kurz nach Beginn können sie den Zug verlassen und sich durch den neuen Dienst- und Rettungsstollen selbstständig auf den Weg ans Tageslicht machen.

Katja Jeggli / CH Media Video Unit

Spannender wird es für die Freiwilligen, die Verletzte simulieren. Unter ihnen ist auch Melanie Perren aus Niedergösgen. Ihre Aufgabe ist es, eine schwer verletzte Passagierin zu spielen, die sich nicht mehr selber retten kann. Während draussen im Tunnel der Löschzug das simulierte Feuer bekämpft, harrt sie deshalb im Zug aus und wartet auf das Eintreffen weiterer Rettungskräften. Kurz nach dem Löschen des Feuers ist es soweit: «Zwei Feuerwehrleute schleiften mich auf einem Tragschlitten durch den Tunnel zum Rettungsstollen», erzählt sie kurz nach ihrer erfolgreichen Bergung.

Fahrzeuge treffen im Minutentakt ein, Helikopter setzt zur Landung an

Nach der abenteuerlichen Rettung mit Schlitten ist sie froh, als sie im Stollen auf ein Auto verladen wird. «Aber wir hatten es alle lustig, die Stimmung war gelöst». Vor dem Tunnelportal durchläuft sie eine Triage und muss schliesslich auf den Transport in ein Spital warten.

Bei ihrem Eintreffen auf dem Sammelplatz wimmelt es bereits von Rettungskräften verschiedenster Dienste, die Zelte, Container und Einsatzzentralen aufgestellt haben – weitere Fahrzeuge treffen fast im Minutentakt ein, während im Hintergrund ein Helikopter zur Landung auf einer Wiese ansetzt. Ein ähnliches Szenario spielt sich zeitgleich auch zwei Kilometer weiter am Nordportal des Bözbergtunnels ab.

Plätze für Freiwillige innerhalb von zwei Tagen vergeben

Die Teilnahme an solchen Übungen ist beliebt. Melanie Perren ist über einen Aufruf auf Facebook auf die Suche nach Freiwilligen aufmerksam geworden. Nach nicht einmal zwei Tagen hatten die SBB alle 800 Plätze vergeben. Mit der Übung «Sissle 22» wurde der Rettungsablauf durch den neuen Dienst- und Rettungsstollen geübt.

«Die Einsatzkräfte haben die Alarmierungsabläufe, die Zusamenarbeit der Inverventionskräfte der SBB, die Betriebs- und Interventionsprozesse sowie das Fluchtwegkonzept getestet», schreiben die SBB und der Kanton in einer gemeinsamen Pressemitteilung. Wie gut die Übung gelaufen ist, wird nun ausgewertet.

Auch Tele M1 berichtete über die Übung.

Tele M1

Feuerwehrmann: Besser koordiniert als vor zwei Jahren

Nach etwas mehr als drei Stunden ist am Schinznacher Bözbergportal der grösste Trubel vorüber und einige finden Zeit für erste Besprechungen. Während Sanitäter in einer ruhigen Ecke über den Patientenfluss sprechen, kehrt der ehemalige Feuerwehrkommandant Michael Maeder (Schenkenbergertal) gerade vom Tunneleingang auf den nahen Sammelplatz zurück.

«Verglichen mit der Übung im Jahr 2020 waren wir dieses Jahr gut koordiniert, haben uns gut verhalten und ruhig Absprachen getroffen. Wir haben unsere Lehren gezogen», sagt er. Eine ähnliche Übung fand vor zwei Jahren statt, kurz nach Fertigstellung des neuen Bahntunnels. Nun ist der alte Tunnel, der gleich neben dem alten verläuft, zu einem Rettungsstollen umgebaut worden. Deshalb nun die erneute Übung.