Waldschutz

Mit 10 Millionen: So will der Aargau seinen Wald retten - und für den Klimawandel fit trimmen

«Der Wald muss klimafit werden», sagte Oliver Frey, Präsident des Forsterverbandes, letzten Sommer zur AZ. Nun präsentiert die Regierung Lösungen für den Wald.

«Der Wald muss klimafit werden», sagte Oliver Frey, Präsident des Forsterverbandes, letzten Sommer zur AZ. Nun präsentiert die Regierung Lösungen für den Wald.

Der Regierungsrat will den Wald mit 9,6 Millionen Franken vor den Folgen des Klimawandel schützen. Das Massnahmenpaket soll die zunehmend in Mitleidenschaft gezogen Waldflächen aufwerten. Auch der Verkauf von Aargauer Holz wird gestärkt.

Grundsätzlich ist der Aargauer Wald in einem guten Zustand. Er wird aber durch Stürme, zunehmende Hitze und den Borkenkäfer immer mehr in Mitleidenschaft gezogen. So sind schon jetzt rund drei Prozent der Aargauer Waldfläche beschädigt. Aufgrund der Waldschäden wurden in den vergangenen Jahren enorm viele Bäume gefällt, weshalb der Holzpreis ins Bodenlose sank.

Deswegen wurden im Grossen Rat vergangene Woche zwei Postulate verabschiedet, in de­nen SP-Grossrat Martin Brügger und SVP-Grossrätin Vreni Friker Lösungen für den Wald und den Holzverkauf forderten. Als Antwort darauf hat der Regierungsrat ein Massnahmenpaket erarbeitet: Für gesamthaft 9,6 Millionen Franken soll der Aargauer Wald fitter gemacht und die Waldbesitzer entlastet werden. Das sind die drei wichtigsten Massnahmen:

Kredit für die Wiederbewaldung

Die Massnahmen zur Wiederbewaldung sind die Teuersten im ganzen Paket: Ganze 7,7 Millionen veranschlagt die Regierung dafür. Dieses Geld soll in erster Linie in die natürliche Verjüngung von in Mitleidenschaft gezogenen Waldflächen investiert werden. Weil die Pflanzung von Jungbäumen deutlich teurer wäre, setzt der Regierungsrat auf natürlichen Nachwuchs. Um trotzdem eine grössere Artenvielfalt im Wald zu erzeugen, sollen relativ hitze- und trockenheitsresistente Arten wie Eichen, Hagebuchen oder Kirschen gepflanzt werden. Das soll dazu beitragen, dass die Waldbestände widerstandsfähiger werden: «Wenn wir viele verschiedene Baumarten haben, ist das Risiko kleiner, dass plötzlich viele Bäume ausfallen», erklärt Fabian Dietiker, Leiter der Abteilung Wald.

Beiträge für fremde Baumarten

Ebenfalls zur Widerstandsfähigkeit des Waldes beitragen soll die Pflanzung von Bäumen, die bisher im Aargauer Wald selten gewachsen sind. Dazu gehören unter anderem Douglasien und Orientbuchen. Diese sogenannten «Gastbaumarten» sind hitze- und trockenheitsresistenter als viele einheimische Bäume und können den Wald für den Klimawandel rüsten. Neu an diesen Pflanzungen ist dabei grundsätzlich nicht, dass diese Arten eingesetzt werden: Schon heute machen sie rund vier Prozent des Aargauer Waldes aus. Nur wurde die Pflanzung von fremden Baumarten bisher vom Kanton nicht finanziell unterstützt. Das könnte sich mit dem Massnahmenpaket ändern: Neu darf jeder Waldeigentümer bis zu zehn Prozent seiner Schadholzfläche mit Gastbaumarten bepflanzen und erhält dafür Beiträge vom Kanton.

Unterstützung für Holzproduktion

Neben der Aufforstung mit klimafitten Baumarten will der Regierungsrat auch den Verkauf von Aargauer Holz stärken. Das will sich der Kanton immerhin 400 000 Franken kosten lassen. Ausgegeben werden soll das Geld für eine Anschubfinanzierung für private Projekte. Konkret: Will ein privater Investor oder eine private Investorin beispielsweise ein System entwickeln, um Holz von schlechter Qualität – beispielsweise Käferholz – zu verwerten, zahlt der Kanton einen Teil der ersten Projektierung des Systems. «Momentan», sagt Waldleiter Dietiker, «wird das meiste Holz im Ausland verarbeitet.» Das Massnahmenpaket soll auch das ändern.

Postulant Martin Brügger und Postulantin Vreni Friker sind zufrieden mit der Antwort des Regierungsrates. «Es geht in die richtige Richtung», sagt Brügger. Wichtig sei insbesondere gewesen, dass die Regierung Gelder für den Wald spreche. Mit den gesprochenen 9,6 Millionen Franken sei das nun geschehen. «Ich bin zufrieden», sagt der SP-Grossrat.

Auch Vreni Friker begrüsst das Massnahmenpaket. «Allerdings», gibt Friker zu bedenken, «sind die Massnahmen ein Tropfen auf den heissen Stein.» Die Holzindustrie sei schon jetzt in einer grossen Krise und diese würde nicht besser. Dass die Massnahmen erst 2021 greifen, sieht Friker deshalb als Problem. Dass der Kanton sich aber bereitzeige, mit Anschubfinanzierungen die Holzindustrie zu unterstützen, begrüsst die SVP-Grossrätin hingegen sehr. Das Massnahmenpaket geht nun bis Ende September die öffentliche Anhörung. Ende Jahr entscheidet der Grosse Rat über den vorgeschlagenen Kredit.

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