Der Wohler SVP-Grossrat Jean-Pierre Gallati hat jüngst Vorwürfe gegen das Kantonsspital Aarau erhoben: Sterbe eine Person aus dem Grossraum Aarau im KSA, komme in den meisten Fällen ein Bestattungsunternehmen zum Zug. In drei von vier Todesfällen erhalte die Firma dank aktiver oder passiver Mithilfe des Spitals den Auftrag, schrieb er in einer Interpellation an die Regierung.

Beim Unternehmen handelt es sich um das Bestattungsinstitut Caminada in Aarau. Geschäftsführer Frank Greutmann sagt zum Regionalsender Tele M1, er höre zum ersten Mal von den Zahlen: "Ich fiel aus allen Wolken." Er könne sich nicht vorstellen, dass das KSA ihm Aufträge zuschanze.

Gallati wirft dem KSA vor, sich über ein Gerichtsurteil aus dem Jahr 2003 hinwegzusetzen. Das Aargauer Handelsgericht verbot es dem KSA, Angehörige von Verstorbenen an ein einziges Bestattungsunternehmen zu verweisen. "Die Kantonsspital Aarau AG hat dem Urteil des Handelsgerichts offensichtlich nicht nachgelebt", schreibt Gallati. Dabei habe es wiederholt Reklamationen einzelner Mitbewerber gegeben.

Die Firma, die bis 2003 vom Monopol profitierte, war Caminada. Das KSA widerspricht Gallatis Zahlen: Nur 23 Prozent der Aufträge seien letztes Jahr an die Firma gegangen. Man lasse den Angehörigen die freie Wahl. Dank eines Merkblattes könnten sie zwischen 20 verschiedenen Bestattern wählen.

Greutmann bestätigt, dass er immer wieder Aufträge von Personen erhält, deren Angehörige im KSA sterben. Dass es eine Absprache gibt, verneint er: "Ich bin mir keiner Schuld bewusst." Er erklärt sich die regelmässigen Aufträge damit, dass seine Firma in der Region Aarau die bekannteste sei.

Gallati hingegen ist überzeugt, dass sich das KSA nicht an das Urteil hält. Nun muss die Aargauer Regierung Antworten auf seine Fragen liefern. (mwa)