Wahlresultat

Minus 6,5 Prozent und ein Sitzverlust – doch die Aargauer SVP feiert trotzdem

Die SVP verliert ihren siebten Sitz im Nationalrat. Eine Trauerfeier gab es aber nicht. Abgewählt wurde schliesslich niemand.

Minus 6,5 Prozent. Andere Parteien würde es nach einem solchen Verlust nicht mehr geben. Die SVP kommt auch so noch auf 31,5 Prozent. «Mir händ e Schlacht verlore, aber ned de Chrieg», kommentiert Parteimitglied Evelyne Lottaz aus Rothrist das Resultat. Ihr Kollege Ruedi Nyffenegger findet, das sei also Jammern auf hohem Niveau. «De Glarner, de Burgherr und de Knecht sind gwählt.» Und nicht nur die drei bisherigen Nationalräte haben es geschafft. Auch Martina Bircher, Benjamin Giezendanner und Jean-Pierre Gallati dürfen nach Bern.

Die Stimmung an der Wahlfeier im Gasthof zum Schützen in Aarau war nicht ausgelassen, aber weit entfernt von einer Trauerfeier. Angestossen wurde nicht auf zusätzliche Sitze, dafür auf gute Resultate. Jenes von Neo-Nationalrat Giezendanner zum Beispiel. Er hat am zweitmeisten Stimmen geholt. Im «Schützen» hatte niemand daran gezweifelt, dass «de chlii Giezi» in die Fussstapfen seines Vaters treten würde. «Das habe ich vorausgesagt», sagte Parteipräsident Thomas Burgherr. Er war gestern nur kurz im «Schützen», liess sich von den jungen SVPlern auf den aktuellen Stand bringen, bevor er in den Ratskeller verschwand.

Alle warten auf Gallati, aber der ist bei der BDP

Um 14 Uhr war klar, dass Gallati bei den Regierungsratswahlen am meisten Stimmen geholt hatte. Gespannt blickten die Parteimitglieder im «Schützen» auf die Leinwand. Gallati sollte sich auf Tele M1 zu seinem guten Abschneiden äussern. Aber neben Moderator David Kaufmann stand nur Grünen-Kandidat Severin Lüscher. Gallati war irgendwo, nur nicht vor der Kamera im Rathauskeller. Später tauchte ein Bild auf, das ihn an der Wahlfeier der BDP zeigt. Nach eigener Aussage hatte es ihm im Grossratskeller zu viele Politiker. Seine Fans mussten sich also etwas gedulden. Dafür konnten sie ihm am Abend im «Schützen» nicht nur zum guten Resultat bei der Regierungsratswahl gratulieren, sondern auch zur Wahl in den Nationalrat.

Es läuft nicht wie geplant: Ueli Giezendanner, Präsident Thomas Burgherr und Sekretär Pascal Furer (von links) im Ratskeller. Bild: bar

Es läuft nicht wie geplant: Ueli Giezendanner, Präsident Thomas Burgherr und Sekretär Pascal Furer (von links) im Ratskeller. Bild: bar

Gratulationen abwimmeln musste am Nachmittag Martina Bircher. Sie sei noch nicht gewählt, sagte sie immer wieder – bis kurz vor 17 Uhr endlich klar war, dass sie es geschafft hat. Momentan ist Bircher die einzige Frau, die für die SVP Aargau im Nationalrat sitzen wird. Aber mit grosser Wahrscheinlichkeit wird auch Stefanie Heimgartner Nationalrätin. Sie ist auf dem ersten Ersatzplatz. Wird Knecht im zweiten Wahlgang in den Ständerat gewählt, oder Gallati in die Regierung, rückt sie nach.

Für die anderen drei Frauen auf der SVP-Liste hat es nicht gereicht. Désirée Stutz, Michaela Huser und Nicole Müller-Boder bleiben Grossrätinnen. «Du wohnsch im falsche Bezirk, das esch dis einzige Handicap», versuchte Stutz Müller-Boder aufzumuntern. Diese hatte trotz gutem siebten Listenplatz das zweitschlechteste Resultat erzielt.

Pascal Furer glaubte noch lange an den siebten Sitz

Der Mann am Mikrofon im «Schützen» war Parteisekretär Pascal Furer. Er hielt die Parteimitglieder auf dem Laufenden und war lange zuversichtlich, dass die SVP den siebten Sitz halten würde. Als Finanzpolitiker kann Furer mit Zahlen. Er sass auffällig oft am Laptop und rechnete und rechnete und rechnete. Der Sitz sei noch nicht verloren, sagte er immer wieder. Sogar als die Resultate aus dem Bezirk Baden da waren und die SVP danach kurzzeitig sogar auf ein Minus von 7,6 Prozent kam, blieb Furer optimistisch: «Bremgarten und Zofingen fehlen noch, da werden wir wieder etwas gewinnen.» – «Das ist Schönrederei!», ruft einer aus dem Saal dazwischen.

Am Schluss verliert die SVP 6,5 Prozent. «Das ist mehr, als ich erwartet habe», sagte Furer. «Aber wir bleiben die stärkste Partei und müssen jetzt dafür kämpfen, dass wir Gallati in den Regierungsrat und Knecht in den Ständerat bringen.» So hohe Verluste beim Wähleranteil sollen aber natürlich nicht Standard werden. «In einem Jahr sind Grossrats- und Regierungsratswahlen», blickte Furer voraus. «Dann wollen wir noch etwas freundlicher schauen als heute.»

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