Reaktion
Mindestkurs aufgehoben: «Im Aargau sind hunderte Firmen betroffen»

Peter Lüscher, Geschäftsführer der Aargauischen Industrie- und Handelskammer, hat nicht mit der Aufhebung des Euro-Mindestkurses gerechnet. Er befürchtet negative Auswirkungen für hunderte Aargauer Firmen, die in den Euroraum exportieren.

Fabian Hägler
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Die Aufhebung des Euro-Mindeskurses kam für den Handelskammer-Geschäftsleiter Peter Lüscher überraschend.

Die Aufhebung des Euro-Mindeskurses kam für den Handelskammer-Geschäftsleiter Peter Lüscher überraschend.

Alex Spichale

Herr Lüscher, haben Sie den Entscheid der Nationalbank erwartet, den Euro-Mindestkurs aufzuheben?

Peter Lüscher: Nein, für mich kam dieser Schritt absolut unerwartet, ich habe heute Morgen im Internet die Meldung gesehen und war total überrascht. Natürlich hat man gewusst, dass die Nationalbank den Mindestkurs nicht ewig halten wird, aber es gab für mich keine Anzeichen, dass die Aufhebung zu diesem Zeitpunkt erfolgen würde.

Welche Auswirkungen wird die Kehrtwende der Nationalbank auf die Aargauer Wirtschaft haben?

Wir haben momentan rund 1600 Mitglieder – wie viele davon in den Euroraum exportieren, kann ich nicht sagen. Es werden aber sicher hunderte von Unternehmen im Aargau von der Aufhebung des Mindestkurses betroffen sein. Festzuhalten ist, dass auch der Kurs von 1.20 für die exportorientierten Firmen schon zu niedrig war – wenn der Euro jetzt längerfristig noch tiefer sinkt, wird dies negative Auswirkungen auf diese Unternehmen haben. Es kann positive Ausnahmen geben, wenn eine Exportfirma zum Beispiel einen Vertrag in Schweizer Franken abgeschlossen hat – aber für den grössten Teil der betroffenen Firmen wird die Ausgangslage schwieriger.

Was empfehlen Sie als Verband den Firmen, wie sollen sie konkret auf die Aufhebung des Mindestkurses reagieren?

Wir werden das Thema sicher an der heutigen Vorstandssitzung besprechen – bisher war es nicht traktandiert, die Aktualität macht eine Diskussion aber notwendig. Grundsätzlich sind die Einflussmöglichkeiten für die AIHK als Verband relativ gering. Vor drei Jahren, als der Euro schon einmal auf einen Franken fiel, hat die AIHK eine Infoveranstaltung für interessierte Unternehmer durchgeführt - diese war innert kürzester Zeit ausgebucht. Es gibt aber kein Patentrezept, um die Auswirkungen des schwachen Euro zu kompensieren. Auch damals tauschten sich die Firmen über mögliche Reaktionen aus, besprachen ihre Strategien – es war ein Forum mit denkbaren Lösungsansätzen.

In einem Monat wollten Sie die neue Wirtschaftsumfrage publizieren – wie beeinflusst der Entscheid der Nationalbank die Aussichten der AIHK-Mitglieder für das laufende Jahr?

Auch auf die Wirtschaftsumfrage bei unseren Mitgliedern, die wir am 18. Februar präsentieren werden, hat die Aufhebung des Euro-Mindestkurses natürlich Auswirkungen. Es wird interessant sein zu sehen, ob die Rückmeldungen von Firmen, die ihren Fragebogen erst jetzt einreichen, anders ausfallen werden als jene von Unternehmen, die ihre Prognosen vor dem Entscheid der SNB abgegeben haben. Wir können sicher nicht die ganze Umfrage neu starten, werden aber die Resultate und Aussagen allenfalls unter dem Vorbehalt publizieren, dass die Folgen des SNB-Entscheids bei vielen Firmen nicht berücksichtigt sind.