Littering auf dem Land

«Mindestens 1000 Franken Busse – das schärft das Bewusstsein»

Ohne Littering würde Wendi hier auch heute noch grasen. Melanie Gamma

Ohne Littering würde Wendi hier auch heute noch grasen. Melanie Gamma

Ralf Bucher, Geschäftsführer des Bauernverbandes, will, dass Abfallsünder härter drankommen. 300 Franken Busse für Littering findet er zu wenig abschreckend.

Der Geschäftsführer des Bauernverbandes Aargau (BVA), Ralf Bucher, hat die Bauern im Bezirk Baden per Mail gern auf das Angebot von Gregor Zimmermann, Abfall auf ihren Feldern einzusammeln, aufmerksam gemacht. Er ist selbst gespannt auf das Echo. Zum Thema Littering kommt ihm sehr viel in den Sinn.

Die Bauern versuchen seit Jahren vorab mit Plakaten, Sammelaktionen und demnächst auch über einen Bauernlandweg, der am 24. Juni eröffnet wird, die Menschen «für dieses grosse Thema zu sensibilisieren». Bucher hat am jüngsten «Clean up day» mitgemacht: «Wenn man da nicht selbst dabei war, kann man sich nicht vorstellen, was gedankenlose Leute aus Bequemlichkeit alles in die nächste Wiese schmeissen!» Besonders schlimm sei es an stark befahrenen Strassen, ebenfalls spür- und sichtbar an gut frequentierten Wanderwegen.

Bauern-Geschäftsführer Ralf Bucher in seinem Stall.

Bauern-Geschäftsführer Ralf Bucher in seinem Stall.

Bucher führt die Zunahme auch auf die immer öfter verkauften Fastfood-Lebensmittel und die entsprechend zunehmende Verpflegung unterwegs zurück: «An der Verpackung klebt nach dem Essen vielleicht noch Sauce. Statt die in eine Tüte zu packen, schmeissen viele diese einfach aus dem Fenster, damit der Autositz nichts abbekommt. Manche neue Autos verfügten zudem nicht mal mehr über einen Aschenbecher. Also fliegen auch Zigaretten aus dem Fenster.»

Von Abfallsündern bekam Bucher auch schon die Antwort, es gebe ja genug Leute mit orangen Kitteln, die fürs Aufräumen bezahlt werden. Die unglaublichste Antwort eines Litterers war, damit schaffe er Arbeitsplätze. Für solche Sichtweisen hat Bucher gar kein Verständnis. Er freut sich denn auch über den Vorschlag des Bundesrates, Littering unter Strafe zu stellen, aber: «300 Franken Maximalbusse ist viel zu wenig. Sie muss mindestens bei 1000 Franken angesetzt und auch angewendet werden. Ich bin sicher, das schärft das Bewusstsein!»

Magnet im Magen als Schutz

Viele Bauern lassen ihre Kühe einen Magnet schlucken, der dann im Pansen allfällig verschluckte Metallteile anzieht. Verletzungen durch spitze Metallteile lassen sich damit nicht ausschliessen, aber wenigstens verringern. Besonders gefährlich sind Aludosen, etwa von Energydrinks. Bucher: «Wenn der Bauer diese im hohen Gras nicht sieht, das Mähwerk sie erwischt, zerhackt, und die Kühe diese Teile dann unentdeckt im Futter haben, ist das lebensgefährlich.» Immer wieder sterben Tiere unter Qualen, vor wenigen Tagen Kuh Wendi in Oftringen. Ein Indiz dafür, dass eine Kuh Schmerzen hat, ist laut Bucher, wenn sie oft den Bauch einzieht oder schlicht nicht mehr frisst. Dann ist es oft Zeit für den Tierarzt und womöglich eine Operation. Es kann aber schon zu spät sein.

Dank an die vielen Korrekten

«Manchmal», seufzt Bucher, «überkommt einen beim Aufräumen den Feldern und Wiesen entlang ein Ohnmachtsgefühl. Denn schon am nächsten Tag sind neue Abfälle da. Es hilft aber nichts: Wir müssen tun, was wir können, um diese Gefahr für unsere Tiere so klein wie möglich zu halten. Ich danke allen von Herzen, die ihre Abfälle nicht in Wiesen, sondern im Abfalleimer entsorgen.»

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