In der AZ vom 11. Mai legten Mitglieder des aargauischen Ja-Komitees zur Vollgeld-Initiative ihre Argumente dar. Es gibt aber auch ein kantonales Nein-Komitee. Ihm gehören Politikerinnen und Politiker an wie CVP-Präsidentin Marianne Binder, SVP-Präsident Thomas Burgherr oder SP-Ständerätin Pascale Bruderer. Dabei ist aber auch Roland Herrmann, CEO der Neuen Aargauer Bank (NAB).

Warum engagiert sich Herrmann hier? Für ihn geht es um die zentralen volkswirtschaftlichen Aufgaben der Banken. Diese seien Dreh- und Angelpunkt einer florierenden Volkswirtschaft, indem sie den Geldkreislauf mit Anlagen und Krediten sicherstellen: «Wer Geld hat, bringt es zur Bank. Wer Geld braucht, bekommt bei entsprechenden Sicherheiten eine Hypothek, zum Beispiel für eine Liegenschaft.» Kredite an Private und die Wirtschaft seien auch im Aargau eine zentrale volkswirtschaftliche Aufgabe einer Regionalbank. «Mit der Initiative würde dieser gut funktionierende Geldkreislauf auf einmal unterbrochen», sagt Herrmann.

Weil auch die Bilanz einer Bank ausgeglichen sein muss, können wir «nicht einfach Geld schöpfen», sagt Herrmann. Vielmehr brächten die Sparer Geld zur Bank, das diese wiederum Kreditnehmern zur Verfügung stellt. Das Kredit- geschäft sei abhängig von der Nachfrage, der Attraktivität der Produkte und vom Kundenvertrauen.

«Buchgeld» würde fehlen

Wenn das heutige «Buchgeld» verschwindet, könnten Banken ihre Sichteinlagen nicht mehr für das Kreditgeschäft einsetzen. Herrmann: «Dann wären wir darauf angewiesen, dass uns die Nationalbank die fehlende Geldmenge zuteilt.» Er befürchtet, dass bei diesem «zentralistischen Ansatz» im Aargauer Hypothekarmarkt bei allen Banken die Kundennähe verloren geht. Die Kreditvergabe würde erschwert und verkompliziert, «da uns ohne die Sichteinlagen eine bedeutende Refinanzierungsquelle verloren geht und die Kreditversorgung staatlich gesteuert würde».

«Kein Zins mehr auf Sichtguthaben»

Für Bankkundinnen und -kunden, die Geld sparen, hiesse ein Ja zur Vollgeld- Initiative: «Keine Verzinsung mehr der Sichtguthaben». Denn die Bank müsste diese Gelder aufbewahren wie in einem Tresor. Für Herrmann ist damit klar, dass die Initiative «sicher nicht im Interesse der Aargauerinnen und Aargauer als Bankkunden ist».

Die NAB würde – wie alle regional ausgerichteten Banken – bei einem «Ja» zur Vollgeld-Initiative im Kerngeschäft stark eingeschränkt, sagt Herrmann. Seine Bank hatte Ende 2017 Sichtguthaben von 4,3 Milliarden Franken: «Dieser Betrag würde im Kreditgeschäft fehlen. Die NAB hat Privathypotheken von 13,2 Milliarden und finanziert heute 33 Prozent davon mit Sichteinlagen. Sie sind für uns eine bedeutende Finanzierungsquelle für die Hypotheken und Kredite.» Zudem würde das Zinsengeschäft – bei der NAB mit rund 70 Prozent der wichtigste Ertragspfeiler – massiv geschädigt.

Für den Kanton Aargau würde dies in der Konsequenz weniger Kredite an Private und Firmen bedeuten, zudem auch weniger Investitionen, weniger Arbeit und weniger Steuereinnahmen, rechnet der CEO der NAB weiter vor.

Geldversorgung infrage gestellt

Herrmanns Credo lautet: «Die Geldversorgung von Wirtschaft und Gesellschaft funktioniert gut und wäre mit Vollgeld auf einmal infrage gestellt. Aus Erfahrung wissen wir, dass Unsicherheit Gift ist für eine florierende Wirtschaft. Und eine gut funktionierende Wirtschaft ist die Basis unseres Wohlstandes.»