Hydroenergie
Milliarden-Projekt der Axpo: Pumpen für ein stabiles Stromnetz

Linthal 2015 heisst das 2,1-Milliarden-Franken-Projekt der Axpo. Das Pumpspeicherwerk im Glarnerland ist auf der Zielgeraden – täglich werden etwa 1 Million Franken verbaut. Bald finden Nasstests statt.

Peter Brühwiler
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Die letzten Rohre vor dem Einbau
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Linthal 2015: Pumpspeicherwerk der Axpo im Glarnerland
Fast fertig gebaute Muttsee-Staumauer Noch in diesem Jahr soll erstmals Wasser aus dem Limmernsee hochgepumpt werden.
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Alstom-Generatoren aus Birr
Alstom-Generatoren aus Birr
Fast fertig gebaute Muttsee-Staumauer Noch in diesem Jahr soll erstmals Wasser aus dem Limmernsee hochgepumpt werden.
Fast fertig gebaute Muttsee-Staumauer Noch in diesem Jahr soll erstmals Wasser aus dem Limmernsee hochgepumpt werden.
Fast fertig gebaute Muttsee-Staumauer Noch in diesem Jahr soll erstmals Wasser aus dem Limmernsee hochgepumpt werden.
Die letzten Rohre vor dem Einbau
Alstom-Generatoren aus Birr

Die letzten Rohre vor dem Einbau

Keystone

Der Axpo-Mann Jörg Huwyler übernimmt beim Energiekonzern am 1. Juli die Leitung der Division Hydroenergie – ein Job, der ihm angesichts der Überschwemmung des Strommarkts mit subventionierter Solar- und Windenergie aus Deutschland durchaus Sorgenfalten auf die Stirn treiben könnte. Zumindest wenn er über das Pumpspeicherwerk Linthal 2015 spricht, überwiegt beim Elektroingenieur aber klar die Begeisterung.

Was bei den technischen Dimensionen des 2,1-Milliarden-Projekts nicht weiter erstaunt: Ganz hinten im Glarnerland verbaut die Axpo und mit ihr der Kanton Aargau, der direkt und indirekt 30 Prozent des Energiekonzerns besitzt, täglich etwa eine Million Franken. Huwyler ist seit dem Projektstart im Jahr 2005 dabei – als für den Bau des Pumpspeicherwerks extra zwei Luftseilbahnen gebaut wurden.

Oder als ein vier Kilometer langer Tunnel für eine Standseilbahn in den Berg gefräst wurde. An dessen Ende befindet sich das Herzstück von Linthal 2015: zwei 50 Meter hohe in den Berg gesprengte Kavernen. In der einen stehen vier 190 Tonnen schwere, von ABB aus Deutschland gelieferte Transformatoren, in der anderen ebenso viele Turbinen und Generatoren von Alstom.

Turbinen aus Birr

Normale Pumpspeicherwerke können die Leistung nur im Turbinenbetrieb, nicht aber im Pumpbetrieb regulieren. Dank der drehzahlvariablen Generatoren der Alstom, die schweizweit in dieser Leistungsklasse ein Novum sind, kann Linthal 2015 die Leistung auch im Pumpbetrieb hoch- oder runterfahren – je nachdem, wie gross der Stromüberschuss im Netz ist. Die Entwicklungsarbeiten für die Generatoren mit Tests an kleineren Modellen haben laut Alstom 2008 in Birr begonnen. (Per)

Ob das Wasser vom höher gelegenen Muttsee abwärts in den Limmernsee fliesst oder durch die gleichen Röhren nach oben gepumpt wird, entscheiden die Trader der Axpo in Dietikon. Bei tiefen Strompreisen, so die Theorie, wird gepumpt, bei hohen turbiniert. Wegen des massiven Ausbaus der neuen Erneuerbaren in Deutschland gibt es die traditionellen Strompreisspitzen zur Mittagszeit allerdings nicht mehr.

Huwyler sieht die Hauptaufgabe des Pumpspeicherwerks denn auch in der Netzstabilisierung. Jeder könne heute ja Strom einspeisen, auch wenn es diesen gar nicht brauche. «Und jemand muss dann auch sicherstellen, dass das Netz stabil ist, indem er Angebot und Nachfrage ausgleicht.» Geld verdienen lässt sich mit «Service public» vorerst allerdings keines – über den Zeitraum der Konzessionsdauer von 80 Jahren betrachtet könne das Werk aber rentabel betrieben werden, ist Huwyler überzeugt.