Wetter

Milde Temperaturen: Erst der Frost macht die Wärme zur Katastrophe

Bienen fliegen ab Temperaturen um 8 Grad. Wärme macht ihnen nichts aus, Frost aber schon.

Bienen fliegen ab Temperaturen um 8 Grad. Wärme macht ihnen nichts aus, Frost aber schon.

Das warme Wetter schadet vorerst weder Bienen noch der Landwirtschaft. Ein Kälteeinbruch kann aber fatale Folgen haben.

In Othmarsingen war es am Wochenende 16 Grad warm. Mitte Februar stiegen die Temperaturen in diesem Jahr in ungewohnte Höhen. Während das etwa für Heuschnupfen-Geplagte mühsam wird, bereitet das laue Wetter der Aargauer Landwirtschaft noch keine grossen Probleme, es habe sogar positive Seiten, wie Ralf Bucher, der Geschäftsführer des Bauernverbands Aargau (BVA) sagt: «Wenn es so weiter geht, können die Bauern in drei Wochen das Vieh auf die Weide lassen.»

Das sei früh, im letzten Jahr mussten Kühe und Rinder trotz ebenfalls warmen Winters bis Mitte März im Stall ausharren, normalerweise finde der erste Weidegang sogar erst in der ersten Aprilhälfte statt. «Das hat sich in den letzten zehn Jahren sicher nach vorne verschoben», so Bucher.

Nur: Was dem Weidevieh recht ist, kann bei einem länger anhaltenden Temperatureinbruch fatale Folgen auf andere Bereiche der Landwirtschaft haben. Ist es warm, stellt sich die Natur auf den Frühling ein, nicht aber darauf, dass der Frost zurückkommen könnte – was bis im April nicht ungewöhnlich ist. Ist die Entwicklung der Blüten an den Bäumen schon fortgeschritten, können diese erfrieren. Früchte entstehen keine mehr. «Spätfrost kann fatale Folgen haben, das haben wir beispielsweise im Jahr 2017 stark gespürt, als die Natur schon weit fortgeschritten war», sagt Bucher.

Auf Verständnis von Behörden und Bevölkerung angewiesen

Besonders schlimm sei es für Spezialkulturen, wie Obst oder Reben, teilweise auch Gemüse, die besonders frostempfindlich sind. Dass sich die Landwirtschaft dem Klimawandel anpassen müsse, sei darum ein wichtiges Thema beim Verband. Jahre mit warmem Winter und Frost im Frühling, habe es zwar immer gegeben, «aber früher verlief vielleicht ein Jahr von 20 so, inzwischen kommt es klar häufiger vor», so Bucher.

Neue und andere Kulturen, aber auch neue Methoden, um die Pflanzen vor Frost zu schützen, seien gefragt. «Da sind wir aber auch auf das Verständnis von Behörden und Bevölkerung angewiesen», so der BVA-Geschäftsführer. Zum Beispiel bei Folientunneln: Auch wenn diese bei Obstplantagen nicht immer und überall erwünscht seien, so seien sie doch ein Schutz.

Bienen brüten in warmen Wintern früher

Auch den Bienen macht das warme Wetter erst dann etwas aus, wenn sie bereits auf Frühling eingestellt sind und der Winter dann doch noch zurückkommt. Bienen sind ab Temperaturen um 8 Grad draussen, dass sie jetzt fliegen, ist nicht ungewöhnlich. «Das kann auch einmal an Weihnachten geschehen. Es ist nicht nur normal, sondern auch wichtig für die Bienen, um sich zu versäubern», sagt Andreas König, der Präsident des Aargauer Bienenzüchterverbands.

Das Problem ist die Brut: Bienen fangen an zu brüten, sobald sie den Frühling spüren. Kommt der Winter zurück, so entscheiden sie sich häufig dafür, ihre Brut zu wärmen, anstatt für Futternachschub zu sorgen, und verhungern dabei im schlimmsten Fall sogar. Die Bienen, die überwintern, krampfen also für den Nachwuchs, verhungern unter Umständen und der Nachwuchs erfriert. «Dann fällt eine Generation aus», sagt König.

Aber er ist ein bisschen zuversichtlich: «Gesunde Bienenvölker halten Wetterkapriolen aus», sagt er. Doch dass die brutlose Zeit für Bienen durch die wärmeren Winter immer kürzer werde, sei auch bei der Bekämpfung der Varroa Destructor, einer Milbe, die im grossen Stil Bienenvölker befällt, problematisch. «Die Medikamente wirken nicht im Gelege, die Milben können sich deshalb dort verstecken. Dadurch wirkt die Bekämpfung nicht optimal und die Milben vermehren sich schneller», so König. Das ist für die Bienen katastrophal.

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